Königsdisziplin „Prinzenbad“

Thomas Halle hat oben vom Turm einen guten Überblick

Thomas Halle hat oben vom Turm einen guten Überblick

Seit 59 Jahren gibt es im dicht besiedelten Kreuzberg das Sommerbad am U-Bahnhof Prinzenstraße. Hier verteilen sich an besonders heißen Tagen bis zu 10.500 Menschen auf etwa 4.000 Quadratmeter Wasserfläche. Zwei 50-Meter-Schwimmbecken für Sportschwimmer*innen und ein Nichtschwimmerbecken mit Wasserrutsche stehen dafür bereit. Terrassen, eine große Liegewiese und eine „Plansche“ für die Kleinsten lassen keine Sommerwünsche unerfüllt.

Immer direkt am Beckenrand dabei ist der Schwimmmeister Thomas Halle (57), der den idealen Arbeitsplatz für heiße Tage hat. Vor 35 Jahren startete er als Rettungsschwimmer im Hallenbad Sewanstraße in Friedrichsfelde. „Seit Sommer 2004 arbeite ich während der Saison hier im Freibad. Als ich damals hörte, dass in Kreuzberg Leute gesucht werden, habe ich mich sofort gemeldet. Das hat mich interessiert!“

Während Thomas Halle von seinem Alltag in der Königsdisziplin „Prinzenbad“ berichtet, ist nach wenigen Sätzen klar, dass ein Gespräch mit ihm mindestens so erfrischend ist wie ein Sprung bei Sommerhitze in eines der Sportbecken. Denn die Superkraft eines Bademeisters ist in seinen Augen auf jeden Fall Humor gepaart mit viel Empathie und Durchsetzungsvermögen.

Für viele Gäste gehören Thomas Halle und seine Kolleg*innen zum Sommerbad wie die duftenden Geranien, die hinter dem Kassenbereich einen luftigen Ehrenplatz gefunden haben. „Wir haben durchaus Fans – Menschen, die unser Bad lieben und es kaum erwarten können, dass wir im Mai die Tore öffnen.“ Mit den Jahren haben sich freundliche Kontakte aufgebaut. „Es ist dann immer wieder schön, wenn die Stammgäste uns sogar namentlich grüßen und winken, bevor sie in die Fluten steigen.

Unbeschwerter Badespaß dank der Fachangestellten für Bäderbetriebe, die für die Sicherheit am Beckenrand geradestehen

Unbeschwerter Badespaß dank der Fachangestellten für Bäderbetriebe, die für die Sicherheit am Beckenrand geradestehen

Lieblingsoutfit: Shorts, Shirt und Schlappen

Sein Lieblingsoutfit, Shorts, Shirt und Schlappen, mache ihm besonders im Winter große Freude. „Wenn ich dann im Hallenbad arbeite und hinter den riesigen Glasscheiben die Menschen draußen in ihren Wintermänteln sehe, muss ich immer grinsen.“ In diesen Augenblicken schaut er an sich herunter und weiß: „Alles richtiggemacht! Für mich ist irgendwie immer Sommer!“

Doch damit ist das Klischee des Bademeisters für ihn schon – fast – beendet: „Das sind glückselige Augenblicke.“ Vorwiegend überwachen die Fachangestellten für Bäderbetriebe, das ist die korrekte Berufsbezeichnung, den Badebetrieb und kontrollieren die technischen Einrichtungen eines Schwimmbades, zum Beispiel die Pumpen, Motoren und die Lüftungsanlage.
Thomas Halle: „Auch mit Chemie müssen wir uns auskennen, denn wir prüfen regelmäßig den Chlorgehalt des Wassers und regeln die Wasserqualität, wenn es nötig ist.“ Zusätzlich wird das Wasser auf Verunreinigungen hin geprüft und der ph-Wert bestimmt. Dabei wird die Wassertemperatur im Auge behalten. Genauso, wie sie sich um die zum Schwimmbad gehörenden Freiflächen und Grünanlagen kümmern.

Über allem steht stets die Sicherheit: „Die unserer Badegäste, und natürlich auch die eigene und die unserer Mitarbeitenden.“ Jederzeit bereit einzuschreiten, wenn jemand von der Längsseite ins Becken springt, Leben zu retten, Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen, und Erste Hilfe zu leisten bei kleineren Verletzungen. Das Wichtigste: „Wir sind bei Hochbetrieb im Zweifel auf uns allein gestellt, müssen in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen. Denn im Ernstfall geht es um Menschenleben.“

An besonders heißen Tagen drängen bis zu 10.500 Menschen ins "Prinzenbad"

An besonders heißen Tagen drängen bis zu 10.500 Menschen ins "Prinzenbad"

"Liebe Eltern, zählen Sie Ihre Kinder!"

Neben der großen Verantwortung tragen die Schwimmmeister*innen ein weiteres wichtiges Detail mit sich: Zur technischen Grundausstattung gehört ein kleines Funkgerät. „Wir stehen immer mit unseren Kolleginnen und Kollegen, auch mit der Security, in Funkverbindung. Das ist sehr wichtig, denn bei hohen Besucherzahlen müssen wir uns gegenseitig unterstützen, wenn es mal brenzlig wird.“ Auch über die Sprechanlage werde Unterstützung gerufen. „Hier halten wir uns gar nicht lange mit Geheimcodes, wie es sie zum Beispiel in Kaufhäusern gibt, auf.“ Im Notfall schallt es laut über die Lautsprecher durch das ganze Bad „Security, bitte sofort zur Rutsche“. Das funktioniert – „Wenn diese Ansage kommt, kommt die Security sofort angelaufen. Sie sind immer in der Nähe. Darauf können wir uns verlassen. Darauf müssen wir uns verlassen können.“

Mehr Mühe macht sich Thomas Halle mit der Ansage, wenn mal wieder ein Kleinkind am Schwimmmeister-Turm abgegeben wird. Dann klinge es so: „Liebe Eltern, bitte zählt Eure Kinder! Eins fehlt, das steht hier neben mir.“ Wenn dann aber auch nach der zweiten und dritten Ansage die Eltern nicht kommen, um das Kind abzuholen, wird er muffig.

„Warum holen die ihre Kinder nicht bei uns ab? Ich verstehe das nicht, dass muss ich doch als Vater sofort bemerken, wenn mein Kind nicht mehr da ist.“ Hier wünscht er sich, und auch den Kindern, dass die Eltern besser aufpassen, und schneller reagieren.

Die glühende Sommerhitze macht ihm nichts aus. Gemeinsam mit 32 weiteren Kolleg*innen inklusive der Security-Crew sichert er von Mai bis in den Herbst hinein den Badespaß für alle Wasserratten und Sportschwimmer*innen in zwei Schichten.

„Die erste Schicht beginnt schon um 6 Uhr. Im Frühling und zum Endes des Sommers dampft dann das Wasser in den Becken. Kleine Nebelschwaden sammeln sich darüber.“ Eine besonders gute Uhrzeit, um die wilden Bewohner*innen des Freibades anzutreffen „Wir haben hier viele Hasen, jede Menge Eichhörnchen und sogar eine kleine Fuchsfamilie auf dem Gelände. Die Elterntiere sammeln auf dem Gelände Mäuse und anderes Getier für ihre Jungen ein. Immer wenn der Fuchs unterwegs ist, zeigen die Krähen laut an, wo er sich bewegt. Herrlich! Eine Belohnung für das frühe Aufstehen.“ Der Spätdienst habe es besonders im Sommer in sich, da die Schwimmmeister*innen nach Betriebsschluss alles reinigen müssen. Dazu gehört auch der Müll, den die Badegäste hinterlassen. „Das ist wirklich hart an Hochbetriebstagen, nachdem wir den ganzen Tag schon die Aufsicht gemacht haben, dann noch alles einzusammeln.“

Thomas Halle ist zuversichtlich und dankbar für seine verlässlichen Kolleg*innen

Thomas Halle ist zuversichtlich und dankbar für seine verlässlichen Kolleg*innen

Die Superkraft eines Bademeisters: Humor, Emphathie und Durchsetzungskraft!

Mit einem kleinen Auto und einem Anhänger können da schnell vier bis fünf vollbepackte Ladungen an Abfällen für die Müllpresse zusammenkommen. „Richtig fusselig wird es, wenn wir auf große Ansammlungen von Hülsen von Sonnenblumenkernen oder Pistazien auf Fliesen oder Rasen treffen. Daran denkt niemand beim Essen. Dabei wäre es so einfach, sie gar nicht erst auf den Boden zu werfen.“

Gut gelaunt spricht er ein weiteres Thema an, welches unter Bademeister*innen großes Unverständnis weckt: Die Bade-Mode! „Jeder kann ja, wie er will, da sag ich ja nichts.“ Aber: „Regelmäßig müssen wir Badegäste auffordern, die „Schlüppis“ auszuziehen.“ Es habe sich ein Badehosen-Trend eingebürgert, den er schon aus Gründen der Nachhaltigkeit gern wieder abschaffen möchte: Boxershorts oder längere Hosen, die bei Männern und auch Frauen als Badehosen dienen. „Drunter tragen sie dann oft zusätzlich eine Markenunterhose mit breitem Gummi, damit jeder den breiten Gummibund der Unterhose sehen kann. „Leute, mal ehrlich, wir wissen nicht, wie lange die Hose schon getragen ist. Das können und wollen wir nicht riechen. Lasst es bitte!“ Auch sei es ihm wichtig, dass Badekleidung eben auch Badekleidung sei, aus einem speziellen Material, eben wasserabweisend.

„Eine Shorts aus Baumwolle kann mehrere Liter Wasser ziehen. Und jedes Mal, wenn jemand das Wasser verlässt, nimmt er unser gutes Wasser mit raus. Was für eine Verschwendung!“

Bei all dem Trubel, und der großen Konzentration, die seinen Arbeitsalltag bestimmt, wird seine Stimme weich, wenn er von den Kleinsten erzählt, die gerade erst Schwimmen gelernt haben. „Das macht wirklich Spaß, wenn Kinder uns bitten, ihnen die Seepferdchen-Prüfung abzunehmen.“ Im Winter im Hallenbad passiere das drei bis vier Mal am Tag. „Im Sommer haben wir dafür meistens gar nicht die Kapazität, höchstens frühmorgens, aber da schlafen die Kleinen ja noch.“ Doch es sei wirklich wichtig, dass Kinder Schwimmen lernen. Und wenn er sie mit dem Seepferdchen-Abzeichen motivieren kann, weiterzumachen, noch sicherer im Wasser zu werden, dann mache er es gern.“

Bademeister-Nachwuchs gesucht!

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Die Ausbildung zur/zum Fachangestellten für Bäderbetriebe ist eine duale Ausbildung. Theorie wird in der Berufsschule vermittelt, und mit Unterstützung des Teams wird das theoretisch Erlernte in die Praxis umgesetzt. Die reguläre Ausbildungszeit beträgt drei Jahre. Bei besonderem Engagement und guten Noten besteht die Möglichkeit, die Ausbildung um ein halbes oder sogar ganzes Jahr zu verkürzen.