Laudatio anlässlich des Berliner Frauenpreises 2026
von Beate Wagner an die Gründerinnen des Frauenteams des FC Viktoria Berlin
Sehr geehrte Senatorinnen, liebes Publikum, liebe Preisträgerinnen,
es ist mir eine Ehre, hier heute zu sprechen. Dieser Berliner Frauenpreis 2026 für Euch Gründerinnen der FV Viktoria Berlin Frauen ist so verdient wie das 4:0 des deutschen Frauennationalteams gegen Norwegen am Samstag.
Ihr seid Vorbilder, Macherinnen und inspiriert unzählige Menschen, weit über das Fußballfeld hinaus. Mich zum Beispiel. Es ist absurd: Ich kann kein Fußball spielen. Ja, ich hab Fußball sogar gehasst.
Bin ich trotzdem als Laudatorin geeignet? Ja. Denn Wege im Leben gehen nicht geradeaus, sondern kreuzen sich und schließen Kreise, die man vorher nicht erwartet.
Wer mich kennt, weiß: Ich bin in der Basketball-Welt unterwegs, vor allem in der NBA, wo meine Kinder Moritz und Franz Profibasketball spielen. Aber auch bei uns hat alles mit Fußball angefangen. Da hab ich gefremdelt. Das ist lange her – auf meiner Suche nach einer neuen Inspiration stieß ich auf die Frauen von Viktoria.
Kurzer Ausflug. Nun zu Euch.
Wir feiern heute Euren Mut, Euren Weitblick, Eure Strahlkraft, vor allem Eure TATKRAFT,
Ihr habt vor vier Jahren – etwas im deutschen Fußball – sehr Ungewöhnliches getan:
Um den Frauenfußball zu professionalisieren, seid Ihr losgezogen und habt Euch einen Verein gesucht, um eine eigene Gesellschaft auszugründen. So habt Ihr ein Frauenteam aufgebaut, dass Ihr finanziell eigenständig verantwortet, agil wie ein Start-up führt und mit klarer Haltung für Diversität, Inklusion und Selbstbewusstsein in die Öffentlichkeit bringt.
Es gab schon viele Frauen vor Euch, die Ähnliches versucht haben, erzählte mir Felicia. Die meisten Projekte sind aber gescheitert, wie weil sie vom Idealismus getragen waren.
Bei Euch hat jeder verstanden: Geld regiert die Welt. Es brauchst gewisse finanzielle Mittel, um in den Driver Seat zu kommen.
Die Welt feiert, dass Ihr Euch dieser Aufbauarbeit verschrieben habt, zielgerichtet, authentisch und mit feministischem Anspruch auf Geschlechtergerechtigkeit und Chancenmöglichkeiten für Frauen im Sport!
Angefangen hat alles im einem Biergarten! Gar nicht so untypisch für Fußball, finde ich. Vor allem war das aber mutig. Denn Katharina, Gründerin und Geschäftsführerin der BRLO Craft Beer Brauerei, wollte wissen, ob Public Viewing auch beim Frauenfußball funktioniert.
Sie probierte es aus: Anlässlich der WM 2019 schmiss sie eine Party. Es war ein Riesenerfolg, die Menschen strömten zu den Spielen, TV-Teams kamen. Alle wollten Frauenfußball.
„Da hab ich verstanden: Wir müssen raus aus der geduckten Haltung, raus aus der Opferrolle“ erinnert sich Katharina. „Wenn wir selbstbewusst für unsere Vision eintreten und die richtigen Leute ansprechen, kann Großes entstehen.“
2020 dann der nächste Anstoß: In Los Angeles gründete sich das Frauenteam der Angel City FC. Die ganze Welt sah hin. Denn hinter dem Team stand ein prominentes Investorinnen-Netzwerk. Natalie Portman oder Serena Williams waren dabei.
Aber auch Mia Hamm, eine der bekanntesten US-amerikanischen Fußballerinnen, die Soccer für Mädchen populär machte. Oder Tennislegende Billie Jean King, eine Ikone des Tennissports und Vorkämpferin für Equal Pay im Sport.
Auch in Berlin blieb das nicht unbemerkt.
Felicia twitterte: „So ein Frauenteam brauchen wir hier auch, oder?“ Das war die Geburtsstunde der Viktoria Berlin Frauen.
Bald saßt Ihr sechs Gründerinnen zusammen um den Wohnzimmertisch. Die Stimmung war gut, alle schrien: „Ich bin dabei. Wann geht es los?“
Bemerkenswert, denn Ihr seid alle viel beschäftigt, setzt euch täglich in verschiedensten, teils männerdominierten Welten durch:- Ariane Hingst als mehrfache Fußball Welt- und Europameisterin und TV-Expertin
- Lisa Währer als Brand-Marketing-Expertin im Sportbusiness und GF der Viktoria Frauen
- Katharina Kurz als Gründerin und Geschäftsführern der BRLO Bierbrauerei
- Felicia Mutterer als Medienunternehmerin und Podcast-Produzentin
- Tanja Wielgoß als GF, Vorstandsvorsitzende, Aufsichtsrätin und Vizepräsidentin des SPD-Wirtschaftsforums
- Verena Pausder, als GF, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups, Gründerin, Autorin, Podcast-Host.
Ein wilder Mix, doch genau das ist Euer Geheimnis. Wie in einem guten Team hat jede ihre Rolle,
ihre Perspektive,
ihre Expertise.
Immer wieder setzt eine andere den nächsten Impuls. Die eine schleppt neue Sponsoren an, die zweite führt eine Reisekostenabrechnung ein, die dritte schaut, dass es sportlich vorangeht.
Was Euch vereint: die Leidenschaft für den Fußball und ein starker Veränderungswille für eine bessere Gesellschaft: „Anpacken und es für alle besser machen statt über Missstände zu meckern“, nennt Tanja das. „Bei uns herrscht Ego-Freiheit!“, ergänzt Verena. „Keine von uns MUSS den FC Viktoria machen, alle wollen es.“
Mit diesem Schwung verändert Ihr die Frauenfußballwelt. So wie Angel City Euer Vorbild war, so habt Ihr heute Impact auf andere Vereine.
Und auf Mädchen am Spielfeldrand, wie Lisa beschreibt, die sehen: Ich kann auch Spielerin werden, Schiedsrichterin, Stadionsprecherin, Managerin, Unternehmerin.
Ihr habt zig Meilensteine kreiert:
Von einem engagierten Team aus Spielerinnen, Trainern, Leute im operativen Bereich, Werkstuden:innen und Investor:innen über sichere Verträge bis zum vorzeitigen Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Seit November 2025 bespielt ihr sogar die internationale Bühne und schreibt Geschichte:
Mit Monarch Collective, einer US-amerikanischen Investitionsplattform, beteiligt sich erstmals ein internationaler, frauengeführter, und auf Frauensport spezialisierter Investor an einem Klub der deutschen Frauen-Bundesliga.
Schaut man genauer hin, schließt sich auch hier wieder ein Kreis. Denn Monarch-Chefin Kara Nortman ist auch eine der Gründerinnen Angel City FC in Los Angeles. Jetzt ist sie in Eurem Team. Sogar ich durfte kürzlich schon mit Kara beim Dinner sitzen. Crazy!
Langfristig seid ihr auf dem besten Weg, DIE Frauensportbrand in Europa zu werden. Das nächste große Ziel ist aber die 1. Bundesliga. Dafür braucht es keinen Männerverein, an dem man dranhängt. Soviel habt ihr längst bewiesen.
Wohl aber braucht es starke Partner.
Der Berliner Senat weiß, wie wichtig Sport ist. Das sieht man nicht nur an den sechs relevanten Proficlubs als Zugpferde, sondern auch an den kürzlich stattgefundenen NFL- und NBA-Events. Auch Viktoria braucht Support in einem zuversichtlichen politischen Klima und gute Rahmenbedingungen. Damit die Spielerinnen im nächsten Winter auf geheiztem Rasen im Mommsenstadion trainieren können. Oder der Jahnsportpark bald die Heimstätte der Viktoria Berlin wird.
Heute feiern wir aber erstmal Euch Gründerinnen und die Auszeichnung. „Dieser Preis ist der Preis für das gesamte Team“, sagt Ariane. „Wir Gründerinnen haben vielleicht die ersten Schritte gemacht. Aber ohne all die anderen aus der Viktoria-Familie würden wir nicht hier stehen.“
Vielen Dank!