Bezirk lehnt Planung der Senatsverwaltung zum Neubaublock an der Rudolfstraße ab
Pressemitteilung Nr. 127 vom 29.04.2025
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hat dem Bezirk am 28. April 2025 mitgeteilt, dass sie dem Bezirk die Zuständigkeit für das Bebauungsplanverfahren für das Grundstück Rudolfstraße 18 entzieht. Die vom Senat unterstützte Planung sieht die Errichtung eines gemischt genutzten Gebäudekomplexes mit großem Wohnanteil und einem circa 140 Meter hohen Hochhaus vor, in dessen oberer Hälfte laut den dem Bezirk bekannten Plänen mit großer Wahrscheinlichkeit Luxuswohnungen zu erwarten sind. Das Hochhaus soll zudem nicht alleinstehend, sondern aus der Mitte eines hochverdichteten Neubaublocks entstehen, dessen „Sockel“ dann neben Gewerbe auch Studentenwohnungen und geförderten Wohnungsbau enthalten soll.
Der Bezirk lehnt dieses Vorgehen und insbesondere die vorgestellte Planung deutlich ab.
Die Idee eines weiteren hohen Turmes an der Warschauer Brücke in Verbindung mit weiteren Hochpunkten in unmittelbarer Umgebung steht der städtebaulichen Prägung der umliegenden Kieze entgegen und entwickelt Vorbildwirkung für spekulative Begehrlichkeiten weiterer Hochhausentwickler. Die Eigenart und das Erscheinungsbild des durch seine Historie als Industriestandort geprägten Ortes würden durch die Pläne deutlich beeinträchtigt werden. Bei dem beabsichtigten Projekt sollen darüber hinaus Flächen in Zeiten der Klimakrise komplett versiegelt werden und hochverdichtet gebaut werden. Dringend benötigte Flächen für neue notwendige Grünflächen und Spielplätze in einem der am dichtesten besiedelten Bezirke Europas werden bei dem Projekt nicht mitbedacht.
Ein gerade beendetes, aufwändiges Verfahren zur Erstellung eines Gesamtkonzepts zur Entwicklung des sogenannten „Rudolfbandes“ zwischen Warschauer Brücke und der geplanten Trasse der A 100 wird durch das Begehren des Senats teilweise konterkariert.
Bezirk und BVV haben sich nach einem ersten Schreiben des Senats dennoch sofort zu einem Kompromiss bereit erklärt, der vor allem bezahlbares Wohnen zum Ziel gehabt hätte. Statt auf diesen Kompromiss einzugehen, favorisiert der Senat mit der heutigen Entscheidung die luxuriöse und städtebaulich falsche Hochhausplanung des Grundstückseigentümers.
Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, Planen, Kooperative Stadtentwicklung: „Ich bin erschüttert über die Haltung des Senats einen zweiten Amazon-Tower errichten zu wollen. Das von den Investoren vorgestellte Konzept ist Beispiel für Investorenarchitektur und allein das Bekenntnis des Senats zu diesem Entwurf mit ca. 100.000 Quadratmetern Nutzfläche setzt eine unnötige Bodenspekulation in Gang. Nach der Weisung des Senats im März 2025 hatte sich der Bezirk und die Bezirksverordnetenversammlung bereit erklärt, einen Kompromiss zu erzielen und Wohnraum im eigentlich für Gewerbe vorgesehenen westlichen Bereich des Rudolfkiezes zu ermöglichen. Nun hat der Senat deutlich gemacht, dass er für einen minimalen Anteil bezahlbaren Wohnens bereit ist, ein städtebaulich unsinniges Projekt anzustoßen. Dies geschieht zudem an den üblichen Verfahren des vom Senat selbst beschlossenen Hochhausleitbildes vorbei. Weder wurde eine gesamtstädtische Betrachtung vorgenommen, noch wurde das Baukollegium angehört, noch eine Vor-Ort-Beteiligung durchgeführt, noch ein Letter of Intent abgeschlossen. All dies sind laut Hochhausleitbild Schritte, die zu gehen sind, bis ein städtebauliches Konzept in ein Bebauungsplanverfahren überführt wird. Der Senat respektiert mit seinem Vorgehen weder sein eigenes Hochhausleitbild noch die Leitlinien zur Bürgerbeteiligung, die eine frühzeitige Beteiligung der Anwohner vorsehen. Mit der frühzeitigen Festlegung auf das Konzept des Investors ist zudem ein ergebnisoffenes und damit rechtssicheres Bebauungsplanverfahren sehr erschwert. Das in Arbeit befindliche Verfahren für den östlich angrenzenden Bereich „Rudolfband-Mitte“ wird voraussichtlich verzögert werden, da ein Projekt der geplanten Größe dort erhebliche Auswirkungen haben kann, was in diesem Verfahren geprüft werden muss.“
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