Tag der Müllabfuhr: 250 Schlüssel, 25.000 Schritte und ein ausgestopftes Krokodil

David von der BSR vor einem der Müllfahrzeuge

Müllwerker David hat seit zwei Jahren auch einen LKW-Führerschein.

Wo viele Menschen leben, entsteht auch viel Müll. Damit dieser fachgerecht entsorgt wird, arbeiten bei der Müllabfuhr der BSR rund 1.900 Personen. Die Müllabfuhr der Stadtreinigung holt in der gesamten Stadt den Restabfall, Biogut und einen Teil der Wertstoffe aus den Haushalten ab.

David arbeitet seit 2017 bei der BSR. Vorher war er als Makler im Finanzwesen selbstständig. Zur Stadtreinigung kam er über seinen Bruder, der schon seit über 20 Jahren dort bei der Müllabfuhr arbeitet. David wollte eine berufliche Veränderung. Dabei waren ihm familienfreundlichere Arbeitszeiten wichtig. Inzwischen sind seine Kinder beide über 20. Als er zur BSR kam, lebten sie noch zu Hause, sodass Zeit für Erziehung und Familie eine wichtige Rolle spielten. Er bewarb sich für den Quereinstieg und hatte Glück, wie er es sagt. Es sei ein sehr angenehmes und offenes Vorstellungsgespräch gewesen. „Da konnte ich ganz ehrlich sein und sagen: Ich kann anpacken. Ich kann Wind, Wetter und Schnee ab. Bin ja nicht aus Zucker.“

Müllfahrzeuge auf dem BSR-Hof Gradestraße

David ist auf dem Hof in der Neuköllner Gradestraße eingesetzt.

"Ich kann anpacken!"

Einen Fitnesstest musste er damals noch nicht bestehen. Dieser wurde in der Zwischenzeit eingeführt, um sicherzugehen, dass die Bewerber*innen den Aufgaben der Müllabfuhr körperlich gewachsen sind. Dabei werden in 180 Minuten Ausdauer-, Kraft- und Geschicklichkeitsübungen aus der Praxis durchgeführt.

In den ersten Wochen erhielt er eine Einführung in seine Tätigkeit als Müllwerker. Einen Führerschein für die großen Fahrzeuge hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Diesen hat er aber in der Zwischenzeit bei seinem Arbeitgeber gemacht.

Beworben hat er sich bei der Zentrale in der Ringbahnstraße, eingeteilt werden die neu eingestellten Müllwerker*innen jeweils auf einem der vier Betriebshöfe der Müllabfuhr in Berlin, bei dem gerade Bedarf besteht. Im Laufe der Zeit besteht für die Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich an einen anderen Standort versetzen zu lassen, beispielsweise wenn familiäre Verpflichtungen dies erfordern.

David ist seit fast zehn Jahren auf dem Hof an der Neuköllner Gradestraße und damit sehr zufrieden. „Ich komme hier super klar mit den Kollegen. Den Hof möchte ich auf gar keinen Fall wechseln, auch wenn mein Arbeitsweg etwas weiter ist.“ Er wohnt am östlichen Stadtrand.

Müllfahrzeug im Einsatz in Kreuzberg

An das frühe Aufstehen und den Geruch hat sich David gewöhnt.

Dienstbeginn um 5.30 Uhr

Um 5.30 Uhr beginnt für David und seine Kolleg*innen der Dienst auf dem Hof. Nachdem sich alle umgezogen haben, erwartet sie in der Kantine die konkrete Einsatzplanung für den Tag. Auf einer Stammtour in Kreuzberg ist David in der Regel mit den gleichen beiden Kollegen unterwegs.

Mittagessen gehen die Kollegen meistens unterwegs, zum Beispiel in der BSR-Kantine auf der Ablade im Müllheizkraftwerk Ruhleben. Um kurz vor 14 Uhr ist für David Feierabend.

An das frühe Aufstehen habe er sich gewöhnen müssen. „Aber man gewöhnt sich an alles. Erstmal war das schon eine Umstellung.“ Er steht um 4 Uhr morgens auf und geht um 21 Uhr ins Bett. „Zumindest versuche ich um 21 Uhr ins Bett zu gehen. Im Sommer ist es nicht immer so schön.“

Auch an den Geruch habe er sich schnell gewöhnt. Nur der Biomüll sei eine Herausforderung. Da sei er froh, dass er in der Regel den Hausmüll abhole. Mit dem Wetter könne er gut umgehen. „Nur wenn es durchgehend strömt, dann ist es wirklich nervig. Wenn man klatschnass ist, dann wird einem auch kalt. Das geht dann an die Substanz.“ Aber auch hier hat er einen pragmatischen Umgang. „Wenn man weiß, dass ein Regentag ansteht, nimmt man sich einfach mehr T-Shirts und Pullover mit.“

Müllfahrzeug im Einsatz in Kreuzberg

Auf einem Wagen sind zwei bis drei Personen eingesetzt.

Kreuzberg als Einsatzgebiet

Seit zwei Jahren hat David den LKW-Führerschein, so dass er manchmal auch in anderen Touren als Fahrer aushilft. Seine Stammtour führt ihn nach Kreuzberg in den Bereich rund ums Kotti, das Schlesische Tor und den Reichenberger Kiez.

„Vom Arbeiten her macht es keinen großen Unterschied, wo man eingesetzt ist.“ Der Müll wiederum sei überall gleich. „Da gibt es vielleicht einige Nachbarschaften, in denen besser getrennt wird.“ Kreuzberg sei allerdings deutlich voll von Menschen und Verkehr. „Der Verkehr ist schon eine Herausforderung.“

Die Route, die David und seine Kollegen anfahren ist ganz genau festgelegt. Anfangs müsse man noch ein bisschen nachgucken, welche Straßen und welche Hausnummern wann dran seien. „Nach spätestens sechs Wochen hat man die Route aber gut drauf.“

Auf einem Wagen sind zwei oder drei Personen – je nach Abfallfraktion – eingesetzt. David und seine Kollegen holen ausschließlich Restmüll ab. Sobald ihr Wagen voll ist, bringen sie den Müll entweder zur Mechanischen Behandlungsanlagein die Gradestraße oder direkt nach Ruhleben zum Müllheizkraftwerk und laden ihn dort ab. „Das ist schon eine ganz schöne Fahrerei.“ In Kreuzberg dauert es etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Dann ist der Wagen voll, wird geleert und die Tour geht weiter, um den Wagen ein zweites Mal zu füllen. In anderen Teilen Berlins, die weniger dicht besiedelt sind, dauert es gegebenenfalls etwas länger, bis der Wagen voll ist.

Müllfahrzeuge auf dem BSR-Hof Gradestraße - Vogelperspektive

1.900 Personen arbeiten bei der Müllabfuhr der BSR.

1.100 Liter Müll mit bis zu 200 Kilo Gewicht

Die Frauenquote bei der Müllabfuhr ist relativ gering. „Die Arbeit ist nicht ohne. Das geht ganz schön auf die Gelenke und Knochen.“ Der große Müllcontainer für Mehrfamilienhäuser fasst 1.100 Liter und hat ein Gewicht von bis zu 200 Kilo, wenn er gefüllt ist.

Zusätzlichen Sport macht David nicht. „Meinen Sport mache ich auf Arbeit.“ Täglich läuft er bei der Arbeit zwischen 15.000 und 25.000 Schritte. Das reiche an Bewegung. „Manche meiner Kollegen rennen direkt nach der Arbeit weiter zum Fitnessstudio. Das Verlangen habe ich nicht.“

In der Innenstadt sind David und seine Kollegen mit riesigen Schlüsselbunden ausgestattet, um an die Mülltonnen und -container in den Hinterhöfen und Müllräumen zu kommen. „Das ist schon ein logistischer Riesenaufwand!“ Für seine Stammtour haben seine Kollegen und er rund 250 Schlüsseln dabei. Alle Schlüssel sind nummeriert und beschrieben. Wenn das mal nicht mehr leserlich ist, wird es korrigiert. Zum Glück gibt es immer mehr Häuser mit kleinen Schlüsseltresoren in der Wand, in denen die Haustürschlüssel lagern.

Müllfahrzeug auf dem BSR-Hof Gradestraße

"Alles, was die Menschen begehren, finden wir irgendwann auch im Müll."

Bei der Mülltrennung ist in Kreuzberg noch Luft nach oben

Beim Thema Mülltrennung schauen David und seine Kollegen genauer hin: „Wenn wir feststellen, dass ein Behälter viel zu schwer ist, dann gucken wir da natürlich rein.“ Das sei auch ein wichtiger Sicherheitsaspekt. „Die Tonnen können ja reißen und das kann gefährlich werden.“ Leider gehöre Kreuzberg zu den Ortsteilen, in denen im Vergleich zu anderen Ortsteilen nicht besonders gut getrennt wird. Außerdem befinden sich in den Restmülltonnen auch regelmäßig Abfälle, die da nicht reingehören.

Der kurioseste Gegenstand, den David je im Hausmüll gefunden hat? Da muss er länger überlegen. „Ich habe doch schon alles gesehen. Einfach alles. Für mich ist inzwischen fast alles normal, egal ob Gummipuppen oder Schaufensterpuppen. Alles, was die Menschen begehren, finden wir irgendwann auch im Müll. Die Menschen haben eben ganz unterschiedliche Lebensstile, ganz besonders in Kreuzberg.“ Er schreibt eine Nachricht an seinen Kollegen und fragt den nach dem kuriosesten Fundstück. Der Kollege antwortet prompt: das ausgestopfte Krokodil am Paul-Lincke-Ufer. Stimmt, erinnert sich David. „Da hat er ausgestopfte Schwanz aus der Tonne herausgeguckt. Das haben wir uns dann genauer angeschaut.“

Müllfahrzeug im Einsatz in Kreuzberg

"Kinder sind fasziniert von der Müllabfuhr."

Kreuzberg sei auch eine Region, in der einige Stars und Sternchen unterwegs sein, wie David es nennt. Immer mal wieder sehen sie auf ihren Touren Schauspieler*innen oder Sänger*innen, die in den Kiezen unterwegs sind. Einen deutschen Sänger, der selbst entlang der Route wohnt, haben sie mit seinem Sohn immer mal wieder getroffen. Wie die meisten Kinder, sei der Junge ein großer Fan der BSR.

„Kinder sind einfach fasziniert von der Müllabfuhr. Bis sie ungefähr acht Jahre alt sind, ist das für sie die pure Faszination. Es ist wirklich süß, wenn wir sehen, wie die Kinder alles stehen und liegen lassen, wenn wir kommen. Vielleicht wollen einige der Kinder ja auch später mal bei der BSR arbeiten.“

Doch auch über den Umgang der erwachsenen Bürger*innen kann David nicht klagen. „Ich finde das sehr positiv, wie unser Status ist und wie wir angesehen werden. Die Leute reagieren überwiegend freundlich auf uns. Es gibt nur sehr vereinzelt Autofahrer*innen, die sich beschweren, wenn das Müllauto ihnen im Weg steht. Aber grundsätzlich bekommen wir in unserem Gebiet immer sehr positives Feedback. Wir haben wirklich viel Spaß in Kreuzberg.“

—————————————————————————————————————————————————-
Mit rund 6.400 Beschäftigten ist die BSR eine der größten Arbeitgeberinnen in Berlin. Ob auf der Straße oder im Büro – sie bietet abwechslungsreiche Aufgaben und sichere Arbeitsplätze in über 60 Berufen. Weitere Infos zum Einstieg bei der BSR gibt es unter bsr.de/bsr-als-arbeitgeberin