Vorfreude berechtigt – Baustellenbesuch im Kreuzberger Spreewaldbad

Projektleiter Steffen Jacobs von AHM Architekten begleitet seit 2019 die Planungen

Projektleiter Steffen Jacobs von AHM Architekten begleitet seit 2019 die Planungen

Familien und Schwimmer*innen aus Friedrichshain-Kreuzberg warten sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung des Wellenbads am Spreewaldplatz, das seit Herbst 2023 grundhaft saniert wird. Einer, der das traditionsreiche Bad inzwischen bis ins Detail kennt, ist Projektleiter Steffen Jacobs von AHM Architekten: Seit 2019 begleitet er die Planungen – es ist bereits das zehnte Schwimmbadprojekt seiner Laufbahn, das fünfte in leitender Funktion.

Das Bad im typischen Stil der 1980er Jahre wurde Mitte des Jahrzehnts nach rund fünfjähriger Bauzeit eröffnet. Entworfen hat es der Architekt Christoph Langhof. Der Urentwurf sah vor, dass der Görlitzer Park durch seine Hanglage zum Abschluss kommt und das Hallenbad auf die Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz Bezug nimmt. So entstanden zunächst die Gebäudeteile des Wellenbades, anschließend wurde der Hang aufgeschüttet, in der der hintere Bauteil eingebettet ist. So gewann der damals im Bau befindliche Görlitzer Park ca. 4.000 Quadratmeter zusätzlicher Nutzfläche.

Durch Aufschüttungen, Höhenausgleiche und Rampen werden im gesamten Bad die Höhenunterschiede wie hier am Lehrschwimmbecken ausgeglichen

Durch Aufschüttungen, Höhenausgleiche und Rampen werden im gesamten Bad die Höhenunterschiede wie hier am Lehrschwimmbecken ausgeglichen

Die Berliner Bäderbetriebe investieren 51 Millionen Euro

Aufgrund der großen Beliebtheit und der sehr hohen jährlichen Nutzung war eine Erneuerung dringend notwendig. Für die neue Technik und die umfassende Sanierung investieren die Berliner Bäderbetriebe 51 Millionen Euro in das Kreuzberger Wellenbad.

Steffen Jacobs erklärt das Prinzip der grundhaften Sanierung: „Alles – von den Dächern der einzelnen Gebäudeteile bis zur kompletten Technik – wird ausgebaut und nach aktuellen Standards erneuert.“ Die heutigen Bauvorschriften sind deutlich strenger als noch vor über 40 Jahren. In diesem Fall bedeutet das eine tiefgreifende und umfassende Sanierung mit dem Ziel, Altlasten zu beseitigen sowie die Energieeffizienz und funktionale Abläufe zu verbessern.

Für den Badbauspezialisten und alle beteiligten Gewerke ist die Sanierung eine Mammutaufgabe, die – wie viele Großbaustellen – für unerwartete Herausforderungen sorgt: „Wir hätten schon viel weiter sein können, doch leider wurden in einzelnen Baubereichen Schadstoffe entdeckt, die im sogenannten Schwarz-Weiß-Verfahren gesondert saniert werden mussten.“
Dabei handelt es sich um ein aufwendiges Sicherheitskonzept, das verhindert, dass gefährliche Stoffe wie Asbest aus kontaminierten Bereichen (Schwarzbereich) in saubere Bereiche (Weißbereich) gelangen. „Die Beschäftigten müssen beim Wechsel der Bereiche eine Personenschleuse passieren, zuvor Schutzkleidung und Masken ablegen und duschen. Auch die Luft wird ausschließlich vom Weiß- in den Schwarzbereich geleitet und anschließend gefiltert nach außen abgeführt.“ Erst nachdem die Baustelle abschließend vollständig staubfrei gemacht wurde, konnte der reguläre Baubetrieb wieder aufgenommen werden.

Nun heißt es: Start frei für 44 ausgeschriebene Gewerke. Rohbauer, Schlosser, Lüftungsspezialist, Heizungsmonteur und Elektroinstallateur arbeiten gemeinsam mit vielen weiteren Beteiligten mit Hochdruck am Projekt.

Zwischen dem Sportbecken dem Lehrschwimmbecken entsteht ein zentraler Aufsichtspunkt für die Schwimmmeister

Zwischen dem Sportbecken dem Lehrschwimmbecken entsteht ein zentraler Aufsichtspunkt für die Schwimmmeister

Moderne Wellenanlage und Breitwasserrutsche für den Freizeitbereich

Laut donnern Presslufthammer durch die drei Gebäudeteile. Es dröhnt in den Ohren, Staub liegt in der Luft, während Steffen Jacobs die Besonderheiten der einzelnen Abschnitte erläutert: „Im vorderen Teil, dem Hochbau zur Wiener Straße hin, befinden sich weiterhin der Eingangsbereich sowie Duschen und Umkleiden. Von hier aus wird künftig ein möglichst barrierefreier Zugang in den mittleren Bereich mit Spaß- und Wellenbad sowie in den Schwimmbereich führen.“ Ursprünglich mussten zahlreiche Höhenunterschiede über viele Stufen überwunden werden, um sowohl den mittleren als auch den hinteren Schwimmbereich zu erreichen.

„Durch Aufschüttungen, Höhenausgleiche und Rampen gleichen wir diese Unterschiede im Gebäudeteil II aus. Gleichzeitig planen wir eine neue Wellenanlage, die mithilfe eines Druckluftsystems in speziellen Kammern Wellen erzeugt.“ Dabei presst ein leistungsstarker Kompressor rhythmisch Luft in vier Wellenkammern. So wird Wasser durch Schlitze im unteren Beckenbereich gedrückt – die Wellen entstehen. „Wir setzen hier auf moderne Technik, die vom Sohn des Ingenieurs geplant wird, der bereits die erste Wellenanlage für dieses Bad konzipiert hat.“ Vier zusätzliche seitliche Wasserzuläufe sorgen zudem kontinuierlich für Frischwasser im Becken.
Für zusätzlichen Badespaß sorgt eine neue Breitwasserrutsche: Mit über drei Metern Breite wird sie sowohl gemeinsame Rutschpartien als auch Drehungen auf dem Weg nach unten ermöglichen – und ist dabei sogar vom Spreewaldplatz aus sichtbar.

Im ehemaligen Saunabereich entstehen künftig Technikflächen, etwa für die Luftumwälzung, sowie dringend benötigte Arbeitsbereiche für das Betriebspersonal. Auf einen Wiederaufbau der Sauna wird verzichtet: Saunaanlagen gelten rechtlich nicht als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und sind daher nicht förderfähig. Da ein wirtschaftlicher Betrieb als unwahrscheinlich gilt, fiel die Entscheidung gegen eine neue Anlage. „Zudem werden sämtliche Glas- und Holzflächen sowie die Dämmung erneuert.“

Alle Umbauten im mittleren Gebäudeteil sind eng mit dem Architekten Christoph Langhof abgestimmt, der bis heute das Urheberrecht an dem Entwurf hält. „An der Idee, dass sich die Granitpflasterung des Spreewaldplatzes farblich und materiell wie ein Fluss durch den Freizeitbereich zieht, halten wir fest. Ebenso ist es uns wichtig, dass die schwarz-weiß gefliesten Stützpfeiler im Innenraum im Stil der 1980er Jahre erneuert werden.“

460 Lichtkuppeln auf dem Dach werden ausgetauscht

460 Lichtkuppeln auf dem Dach werden ausgetauscht

Alle Dachebenen werden vollständig erneuert.

Im vollverglasten Freizeitbereich entsteht der neue Kinderbereich. Dort, wo die Wellen auslaufen, ist künftig ein gastronomisches Angebot für die Badegäste vorgesehen. „Auch hier bauen wir nach aktuellen Standards um. Die Gastronomie wird allen Besucher*innen des Bades offenstehen.“
Von hier aus sind die beiden Schwimmbecken sowie das neue Edelstahl-Sprungbecken erreichbar. Zwischen dem Lehrschwimmbecken und dem 25-Meter-Sportbecken mit sechs Bahnen entsteht ein zentraler Aufsichtspunkt für die Schwimmmeister. „Von dort aus hat das Personal alles im Blick. Wir sanieren die Decken, arbeiten die Stahlträger auf und setzen auf ein neues Gestaltungskonzept: Durch den Verzicht auf Verkleidungen wird die Decke künftig offener wirken.“

Während im vorderen Bereich von Bauteil I in der ersten Etage bereits Bodenbeläge verlegt werden und die Arbeiten dort weit fortgeschritten sind, wurde im hinteren Bauteil III vor Kurzem das Dach entfernt. „Dafür haben wir einen 60 Meter hohen Kran aufgestellt, mit dem wir unter anderem das Edelstahlbecken und die Sprunganlage über das Dach einheben und vor Ort montieren.“ Die Breitrutsche wird über die Fassade ins Gebäude eingebracht.
Auch im Keller herrscht Hochbetrieb. Ein unterirdischer Rundgang um das rund zwei Meter tiefe Sportbecken ist bereits möglich. Trotz der noch dunklen und staubigen Atmosphäre wird sichtbar, mit welcher Sorgfalt die riesig großen Rohwasserspeicher unter dem flachen Lehrschwimmbecken installiert sind. Über mehrere verglaste Revisionsöffnungen sollen sie künftig einsehbar und für Wartungsarbeiten zugänglich sein. „Dafür haben wir die Statik des Stahlbetonbaus im Vorfeld gründlich geprüft.“

Auf dem Dach, mit Blick auf den Spreewaldplatz, erstreckt sich eine Fläche mit 460 halbrunden Lichtkuppeln, die teilweise provisorisch repariert wurden – ein Anblick, der an eine Mondlandschaft im Grünen erinnert. Alle Dachebenen werden vollständig erneuert. Über Bauteil III öffnet sich zudem der Blick in den groß dimensionierten Filterraum: „Die bestehenden Filter bauen wir mithilfe des Krans über das Dach aus. Anschließend statten wir den Raum neu aus und ziehen eine zusätzliche Zwischendecke ein, um dort die Lüftung unterzubringen.“

Riesige Wasserfilter werden mit dem Kran über das geöffnete Dach ausgehoben

Riesige Wasserfilter werden mit dem Kran über das geöffnete Dach ausgehoben

Die drei rund 24 Meter hohen Schornsteine entfallen künftig

Der Weg zurück ins Gebäude führt am etwa 13 Meter hohen Raum für das Sprungbecken vorbei. Auch hier tragen Bauarbeiter Fliesen und Beton Stück für Stück mit dem Presslufthammer ab. Erst danach können die Gerüste entfernt und das Edelstahlbecken eingebaut werden.

„Aktuell befinden wir uns bei den haustechnischen Gewerken – also Sanitär, Elektro und Badewassertechnik – in der Grobmontage“,* sagt Steffen Jacobs*. Ende vergangenen Jahres wurde zudem der Fernwärmeanschluss fertiggestellt. „Das bedeutet, dass die drei rund 24 Meter hohen Schornsteine des bisherigen gasbetriebenen Blockheizkraftwerks künftig entfallen.“

Der Chefplaner zeigt sich zuversichtlich: „Wenn es keine weiteren Überraschungen gibt, können die Friedrichshain-Kreuzberger*innen mit etwas Geduld bald wieder hier schwimmen gehen.“ Die Berliner Bäder-Betriebe planen derzeit mit einer Eröffnung im vierten Quartal 2027. „Wir freuen uns auf den Tag, an dem wir das Bad im neuesten Standard als Freizeit-, Schul- und Vereinsbad an die Berliner Bäderbetriebe übergeben können. Darauf arbeiten wir hin.“