Spielwagen: Wo sich alle Kinder gern bewegen

Spielwagen auf dem Traveplatz

Wenn die Nachmittage länger werden und die ersten Sonnenstrahlen den Asphalt wärmen, rollen zwei bunte Sprinter durch Friedrichshain-Kreuzberg – prall gefüllt mit Pedalos, Stelzen, Kletterelementen und anderem Spielzeug, das Kinderaugen zum Leuchten bringt. Der Spielwagen ist unterwegs!

Im Sommerhalbjahr von März bis Ende Oktober kommt das mobile Spielangebot nachmittags jede Woche an neun Plätze im Bezirk. Im Winter werden wöchentlich abwechselnd jeweils ein Platz in Friedrichshain und ein Platz in Kreuzberg angefahren. Das Angebot ist inzwischen 40 Jahre alt. Es wurde in den 1980er Jahren von einer Elterninitiative in der DDR gegründet. Durch die Bezirksfusion Anfang des Jahrtausends kam das Friedrichshainer Projekt dann auch nach Kreuzberg. Heute ist der Spielwagen eine fester Bestandteil der vom Bezirksamt geförderten Jugendangebote. Seit über 25 Jahren sitzt der Verein mit der Freizeiteinrichtung „Sesamclub“ in der Schreinerstraße im Samariterviertel. Das Team besteht aus Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen. Acht Teilzeitkräfte teilen sich 3,5 Stellen für die Outreach-Arbeit mit dem Mobil. Hinzu kommt die Leitungsstelle der im Friedrichshainer Nordkiez.

Astrid Dulich

Seit 16 Jahren ist Astrid Dulich als Sozialarbeiterin beim Spielwagen.

Jede Woche ein anderer Schwerpunkt

Jede Woche legt das Team einen anderen thematischen Schwerpunkt fest, beispielsweise Experimente, Zirkus oder Raufen und Rangeln. Diese Schwerpunktprojekte richten sich an Kinder ab sechs Jahren.

Astrid Dulich leitet die Angebote des Spielwagens. Seit 16 Jahren ist die ausgebildete Ergotherapeutin, die an der Alice-Salomon-Hochschule Soziale Arbeit studierte, als Sozialarbeiterin dabei. „Wir wollen den öffentlichen Raum für alle öffnen.

Was wir aufbauen, ist für alle da.“ Was ihr im Laufe dieser Zeit aufgefallen ist: „Die Kinder hatten früher mehr freie Zeit am Stück, waren weniger institutionalisiert betreut und weniger in festen Hobbys gebunden.“ Außerdem sei die Schere der finanziellen Möglichkeiten der Familien im Bezirk sichtbar auseinandergegangen. Auch die psychische Gesundheit der Kinder habe sich verändert.

Kernzielgruppe der Arbeit sind Grundschulkinder. Aber auch Kita-Kinder können auf den Flächen mitspielen. In der Regel kommen die Kinder erst gemeinsam mit ihren Eltern und spielen mit ihnen, später kommen sie zwar noch mit Erziehungsberechtigten, spielen aber bereits ohne sie und schließlich kommen und spielen sie komplett eigenständig. „Manche von den Kindern kommen dann als Jugendliche wieder – für ihr Schülerpraktikum. Das ist für uns natürlich besonders schön zu sehen.“

Spielwagen auf dem Traveplatz, Murmelbahn

Kernzielgruppe des Spielwagens sind Grundschulkinder.

Spielräume schaffen und offen halten

Der Spielwagen ist beliebt. Wer einmal kommt, kommt meistens wieder. Astrid Dulich schätzt das Stammpublikum auf allen Plätzen auf rund 85 Prozent. Gerade wenn Kinder mit ihrer Hortgruppe gemeinsam ein Angebot besucht haben, kommen sie in der Regel wieder.

„Unsere Aufgabe ist es, Spielräume zu schaffen und offen zu halten.“ Ein Ort, an dem das sehr gut funktioniere, sei der Görlitzer Park. Auf der Grünfläche sind verschiedene Träger mit sehr unterschiedlichen Zielgruppen im Einsatz. „Da gibt es ein sehr gutes Miteinander untereinander.“

Spielwagen auf dem Traveplatz

Der Spielwagen ein großes Stammpublikum.

Ausweitung des Angebots in den Ferien

In den Schulferien weitet der Spielwagen sein Angebot aus. Die Grünflächen werden dann ganztägig bespielt. Vormittags kommen viele Hortgruppen aus den nahegelegenen Grundschulen gemeinsam mit ihren Erzieher*innen. Dafür kooperiert der Spielwagen an vielen Orten mit den nahe gelegenen Grundschulen. Gerade an warmen Tagen in den Sommerferien bietet das Team gern Wasserspiele an. „Damit bringen wir ein bisschen Urlaub in die Stadt.“

Die Angebote des Spielwagens werden von Jungen* und Mädchen* gleichermaßen genutzt. „Das liegt an allen Orten bei fifty-fifty. Wir bemühen uns auch, dass vor Ort alle Spielzeuge gleichermaßen von allen genutzt werden. Wir versuchen daher auch, die Stationen von unserem Personal her nicht gender-stereotyp zu besetzen: also nicht unbedingt die Kolleginnen* an die Basteltische und die Kollegen* beim Murmelbahnbau.“ Auch auf queere Sichtbarkeit legt das Team großen Wert.

Spielwagen auf dem Traveplatz, Klettergerüst

Niedrigschwelliges Angebot

„Unser Angebot ist einfach extrem niedrigschwellig. Man kann es nutzen, ohne mit irgendjemandem sprechen zu müssen.“ Dadurch sei die Hemmschwelle gering, mitzumachen. „Das klappt im öffentlichen Raum viel besser als in einer Jugendfreizeiteinrichtung, zu der man gezielt hingehen muss.“ Die Besucherschaft sei extrem vielfältig. Auch Kinder mit wenig oder ganz ohne Deutschkenntnisse können problemlos mitspielen. „Weil bei uns eben vieles ohne Sprache möglich ist, holen wir sehr viele Kinder ab, die vor anderen Angeboten zurückschrecken.“ Das mache das Angebot sehr inklusiv. „Gerade bei Kindern mit besonderen Bedarfen hätten wir gerne mehr zeitliche und personelle Ressourcen“, erklärt Astrid Dulich.

Bei den Kindern sind die Fahrzeuge aller Art sehr beliebt, von Pedalos über Driftbikes, Rikschas, bis hin zu Einrädern. Auch das Rhönrad und verschiedene riesige Klettergerüste echte Favoriten. „Bei den angeleiteten Spielen können sich die Kinder vor allem für das Stadtspiel begeistern.“ Darin gibt es beispielsweise ein Rathaus, ein Krankenhaus und Gastronomie. Die Kinder können Betriebe eröffnen, Berufe annehmen und die anderen Kinder als Kundschaft anwerben. Mit dabei ist immer auch eine freie Bewegungsfläche für Gruppen- und Bewegungsspiele. „Da ist wahnsinnig viel möglich und jedes Kind kann sich einbringen.“

Spielwagen auf dem Traveplatz, Balancierbalken

Alle Kinder wollen sich bewegen.

Kleine sportliche Erfolge

Bei den Kindern sind die Fahrzeuge aller Art sehr beliebt, von Pedalos über Driftbikes, bis hin zu Einrädern. Auch das Rhönrad und verschiedene riesige Klettergerüste echte Favoriten. „Bei den angeleiteten Spielen können sich die Kinder vor allem für das Stadtspiel begeistern.“ Darin gibt es beispielsweise ein Rathaus, ein Krankenhaus und Gastronomie. Die Kinder können Betriebe eröffnen, Berufe annehmen und die anderen Kinder als Kundschaft anwerben. Mit dabei ist immer auch eine freie Bewegungsfläche für Gruppen- und Bewegungsspiele. „Da ist wahnsinnig viel möglich und jedes Kind kann sich einbringen.“

Vor Ort auf den Plätzen sehen Astrid Dulich und ihre Kolleg*innen immer wieder, wie gern sich die Kinder bewegen. „Selbst diejenigen, die sich mit Sport schwerer tun, bewegen sich bei uns sehr gern.“ Ein Beispiel ist der selbst gebaute Bock, den das Team manchmal mitbringt. „Wenn die Kinder damit gerade im Sportunterricht in Kontakt gekommen sind, kommt da manchmal eine gewissen Abwehrhaltung. Aber bei uns können sie mit den Geräten im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten aktiv werden – und das ist ein ganz anderes Erlebnis für sie. Da ist es wirklich schön zu sehen, wie die Kinder, die anfangs Widerstände haben, am Ende doch kleine sportliche Erfolge feiern.“

Smartphone- und Mediennutzung der Kinder spielen während der Spielangebote draußen keine Rolle. „Ich vermute, dass die Kinder, die sehr viel Bildschirmzeit haben, gar nicht erst bei uns ankommen.“ Ein Highlight für die Friedrichshain-Kreuzberger Kinder ist es, wenn der Spielwagen vor Ort analoge Computerspiele anbietet. Dann werden MarioKart und Pacman auf der Wiese in echt gespielt.

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Der Spielwagen e.V. hat ein Buch über das freie Spiel im öffentlichen Raum mit Kindern veröffentlicht, das für zehn Euro in der Schreinerstraße erworben werden kann.

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Spielwagen auf dem Traveplatz; Roller

Bei den Kindern sind die Fahrzeuge aller Art sehr beliebt.

Wo ist der Spielwagen zu finden?

Hier ist der Spielwagen zwischen 13.30 und 18.30 Uhr anzutreffen:

Montag
• Blumenstraße
• Sportplatz in der Schreinerstraße

Dienstag
• Traveplatz
• Theodor-Wolff-Park

Mittwoch
• Petersburger Platz
• Görlitzer Park

Donnerstag
• Comeniusplatz

Freitag
• Hohenstaufenplatz („Zickenplatz“)
• Boxhagener Platz