Soziale Erhaltungsgebiete – umgangssprachlich Milieuschutzgebiete genannt – sollen dazu beitragen, die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung zu erhalten. Ziel ist es, Verdrängung zu verhindern und die soziale Mischung in den Kiezen zu schützen. In diesen Gebieten müssen Eigentümer*innen bestimmte bauliche Veränderungen genehmigen lassen. Das gilt zum Beispiel für zusätzliche Balkone, ein zweites Badezimmer, die Zusammenlegung oder Teilung von Wohnungen sowie für bestimmte Formen des befristeten Wohnens.
„Wer seit zwanzig Jahren im Kiez lebt, kann mit einem Sechs-Monats-Mietvertrag natürlich wenig anfangen“, sagt Aaron Schaar. Gerade das sogenannte Wohnen auf Zeit beschäftigt seine Gruppe zunehmend. Wohnungen werden dabei häufig möbliert, befristet und zu deutlich höheren Preisen vermietet. Für Menschen, die dauerhaft in Friedrichshain-Kreuzberg leben möchten, verschärft das den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt zusätzlich.
Aaron Schaar über Milieuschutz in Friedrichshain-Kreuzberg: „Wir versuchen, das Bestehende zu erhalten“
Aaron Schaar und seine Gruppe beschäftigt zunehmend das sogenannte Wohnen auf Zeit.
Bild: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg/Elisa Ruben
Wer Aaron Schaar im Stadtentwicklungsamt besucht, läuft zunächst durch einen Flur, der selbst ein Stück Berliner Baugeschichte erzählt. An den Wänden dokumentieren historische Baugenehmigungen die Entwicklung des Bauens von 1871 bis 2006. Aus den benachbarten Büros dringen gedämpfte Stimmen seines zehnköpfigen Teams. Im Büro des Gruppenleiters Erhaltungsgebiete fällt der Blick sofort auf eine große Karte von Friedrichshain-Kreuzberg. Darauf sind die sozialen Erhaltungsgebiete eingezeichnet – jene Bereiche, die viele Menschen eher unter dem Begriff Milieuschutzgebiete kennen.
Vor der Fensterfront mit Blick auf den Eingang des Rathauses stehen einige Pflanzen. Draußen ist es grau, drinnen spricht Aaron Schaar ruhig, bedacht und sehr präzise über Stadtentwicklung, bezahlbares Wohnen und die Frage, wie sich ein Bezirk verändern kann, ohne seinen Charakter zu verlieren. „Wir schauen, dass durch Baumaßnahmen die Mieten nicht zu sehr steigen“, sagt Aaron Schaar. Mit diesem Satz beschreibt er die Kernaufgabe seiner Gruppe. Was nüchtern klingt, betrifft viele Menschen in Friedrichshain-Kreuzberg. Die ganz konkrete Sorge: Kann ich mir meine Wohnung auch in Zukunft noch leisten?