Mit Musik ein Zeichen für Menschlichkeit setzen

Anne Macauley vor der Samariterkirche

Anne Macauley organisiert das Benefiz-Konzert des Kammerchors.

Was können wir tun, um die Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen? Das fragten sich engagierte Chormusiker*innen aus Friedrichshain und stellten kurzerhand ein Programm für ein Benefizkonzert am 11. Juli in der Samariterkirche auf die Beine. Mit ihrer Musik sammeln sie für das Bündnis United4Rescue. Der Verein unterstützt die zivile Seenotrettung im Mittelmeer und setzt sich dafür ein, dass Menschen auf der Flucht nicht ertrinken. Mit Spenden fördert der Verein unter anderem Rettungsschiffe, ein Aufklärungsflugzeug und Einsätze von Seenotrettungsorganisationen, um Menschenleben zu retten. Darüber hinaus setzt sich das Bündnis politisch für eine verlässliche staatliche Seenotrettung, sichere Fluchtwege und faire Asylverfahren ein.

Eine der Organisator*innen des Benefizkonzerts ist die Friedrichshainerin Anne Macauley. Sie singt schon seit Schulzeiten im Chor. Im Auslandsjahr in England trat sie dem Guildford Philharmonic Choir bei, der gerade das Brahms-Requiem probte. So übernahm sie dort gleich auch die Rolle der Ausspracheexpertin. Während des Studiums und lange Zeit nach ihrem Abschluss war sie in Humboldts Philharmonischen Chor aktiv. Nach der Geburt ihrer Tochter war sie auf der Suche nach einem neuen familienfreundlichen Chor und fand ihn 2021 wohnortnah in der Samariterkirche. Wie die meisten Chormitglieder wohnt Anne selbst in Samariterviertel. „Wir sind alle hier in der Nachbarschaft sehr verwurzelt.“

Samariterviertel

Die meisten Chormitglieder leben selbst im Samariterviertel.

Neue Sänger*innen willkommen

Der Kammerchor ist ein lokaler Chor aus der Samariterkirche. Er ist im Jahr 2019 aus der Kirchengemeinde heraus entstanden und gibt in der Regel zwei Konzerte im Jahr. Außerdem singt er in Gottesdiensten und bei Trostkonzerten auf dem Friedhof der Kirchengemeinde. Die Chorleitung hat Martina Kürschner inne, die als Organistin und Kantorin vor allem durch ihr langjähriges Wirken an der historischen St. Marienkirche in Berlin-Mitte bekannt geworden ist. Sie leitet den Chor seit 2023. Der Kammerchor ein gemischter Chor mit aktuell zwölf Sänger*innen. Er singt vierstimmig und hat ein schnelles Lerntempo. „Wir singen anspruchsvolle Musik und freuen uns über neue Mitglieder, insbesondere Tenöre“. Geprobt wird in der Regel mittwochs um 19.30 Uhr. Für neue Sänger*innen ist ein Vorsingen erforderlich, um festzustellen, ob das Niveau zum Chor passt. „Bei uns gibt es eine sehr hohe Verbindlichkeit, an den Proben teilzunehmen. Viele der Mitglieder üben auch alleine zu Hause mit Noten.“ Das Repertoire des Kammerchores ist sehr vielfältig und reicht vom Barock über die Romantik bis hin zu zeitgenössischer Chormusik.

Kammerchor Samariter

Bereits im Vorjahr organisierte der Kammerchor ein Benefizkonzert.

"Wir wollen ein Zeichen setzen."

Sänger*innen für die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Auslöser waren militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und den USA sowie dem Iran im vorigen Sommer. Einige Chormitglieder waren von den Nachrichten derart betroffen, dass sie sich gern engagieren und als Gruppe Spenden sammeln wollten. „We must not give up on peace“ war dabei das Motto, das von António Guterres‘ Rede vor den Vereinten Nationen inspiriert wurde. Für das Konzert hatten die Musiker*innen auch passende Gedichte zum Thema Frieden herausgesucht, etwa von Nelly Sachs oder Matthias Claudius, die zwischen den Musikstücken gelesen wurden. Der Konzertabend lief sehr gut. Insgesamt kamen 1.300 Euro an Spenden für die Hilfsorganisation zusammen.

In diesem Jahr bewegte den Kammerchor die aktuelle EU-Asylpolitik. „Die Debatten im Europaparlament mit ‚Send them back‘-Rufen einiger Abgeordneter haben wir mit Fassungslosigkeit verfolgt. Das beschäftigt uns sehr. Darum möchten wir ein politisches Zeichen setzen.“, erklärt Anne.

Der Kammerchor möchte ein Zeichen setzen und eine Hoffnung auf Frieden ausdrücken.

Breite Unterstützung durch die Gemeinde

In der Samaritergemeinde erfährt der Chor hierfür große Unterstützung. Sowohl die Pastorin Jasmin El-Manhy als auch Vikarin Sophie Winder sind bei der Idee mit an Bord. Aktuell wird gemeinsam überlegt, ob man das Umfeld der Samariterkirche vor dem Konzert noch entsprechend gestalten kann, um Aufmerksamkeit zu bekommen, beispielsweise, indem Rettungswesten rund um die Kirche aufhängt werden, um das Thema aufzugreifen.

Auch die Migrationsberatung der Kirche unter der Leitung von Manal Seifeldin, die Angebote für Geflüchtete, Asylsuchende und Zugezogene gemacht, unterstützt das Projekt und hält nach dem Konzert einen kleinen Empfang ab.

Beim Benefizkonzert steht dieses Mal neben der Messe D-Dur von Antonín Dvorak unter anderem „Da pacem“ von Arvo Pärt. „Das Stück passt inhaltlich unglaublich gut. Denn es geht ja um einen Ausblick auf Frieden. Das Friedensthema bildet eine Klammer in unserem Konzert.“ Der Kammerchor möchte ein Zeichen setzen und eine Hoffnung auf Frieden ausdrücken. Schließlich sei Krieg die Hauptursache für Flucht.

Begleitet wird der Chor bei seinem Auftritt von Daniel Clark, einem in Berlin lebenden, britischen Organisten. Zusätzlich zu den Chorwerken wird er Orgelwerke von Langlais und Bach spielen. Das geplante Programm des Benefizkonzerts dauert rund 90 Minuten. Die Begrüßung wird Pastorin Jasmin El-Manhy übernehmen. Sasha Ockenden, einer der Sänger, der selbst bei „United4Rescue“ arbeitet, wird über das Bündnis und dessen Projekte berichten.

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Wann? Samstag, 11. Juli, um 20 Uhr
Wo? Samariterkirche, 10247 Berlin