Mit einer guten Tat ins neue Jahr starten – Verleihung der Berliner Ehrennadel an Sandra Bauer

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Preisträgerin Sandra Bauer bei der Verleihung der Ehrennadel im Roten Rathaus.

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Preisträgerin Sandra Bauer bei der Verleihung der Ehrennadel im Roten Rathaus.

Im November wurde die Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement an 21 Berliner*innen im Roten Rathaus verliehen, zu den Geehrten gehört auch die Wahlkreuzbergerin Sandra Bauer, die sich seit 16 Jahren im Sonnenhof-Hospiz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene der Björn Schulz Stiftung engagiert.

Seit 2009 hilft sie dort regelmäßig in der Hauswirtschaft mit und unterstützt bei größeren Veranstaltungen wie dem Sommerfest oder dem Weihnachtsmarkt. Mindestens einmal im Monat verbringt Sandra Bauer ihren Samstag im Hospiz. Der Tag beginnt früh, von ihrer Kreuzberger Wohnung braucht sie fast eine Stunde zum Sonnenhof-Hospiz in Pankow. Sobald sie dort ist, bereitet sie das Frühstück für die Hospizgäste und deren Familien vor. Später kocht sie das Mittagessen, dazwischen kümmert sie sich um alles, was gerade anfällt: Versorgung der Familien, Abwasch, Müll, Aufräumen, Wäsche, Unterstützung der Pflegenden usw. „Sie gibt den Kindern und Jugendlichen und ihren Familien nicht nur eine gemeinsame Mahlzeit, sondern auch das Gefühl von Geborgenheit und Alltäglichkeit in einer Zeit, die von Krankheit, Pflege und Sorgen geprägt ist“, heißt es in der Laudatio. „Ihre Arbeit geschieht oft im Hintergrund – mit der Selbstverständlichkeit, die das Ehrenamt so besonders macht.“

Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, überreicht die Ehrennadel.

Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, überreicht die Ehrennadel.

Keine Berührungsängste mit Sterben und Tod

Sandra Bauer ist gelernte Hotelfachfrau, hat lange in der Gastronomie und im Hotelbetrieb gearbeitet und ist mittlerweile als Praxismanagerin einer Orthopädischen Praxis tätig. Zum Sonnenhof-Hospiz fand sie über eine Ehrenamtsvermittlung. „Ich wusste, dass ich mich engagieren will, aber nicht unbedingt, wie oder wo.“ In der Freiwilligenagentur füllte sie einen Fragebogen aus, dann wurden ihr einige Träger vorgeschlagen, bei denen sie Termine zum Kennenlernen und Probearbeiten ausmachen konnte. Beim Sonnenhof-Hospiz der Björn Schulz Stiftung passte es direkt. „Eine solche Vermittlung kann ich wirklich nur allen empfehlen. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich in Berlin zu engagieren, da ist es manchmal sehr schwer, etwas Geeignetes zu finden. Durch den Fragebogen und die persönliche Beratung habe ich etwas gefunden, das perfekt zu mir und meinen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen passt.“

Bevor sie ihre Tätigkeit aufnahm, absolvierte sie einige Schulungen, die sie auf ihre Arbeit im Hospiz vorbereiteten. „Sterben und Tod gehören für mich zum Leben dazu. Ich kann damit umgehen, sonst könnte ich die Arbeit hier nicht machen. Für viele ist der Tod nach wie vor ein Tabuthema, aber ich glaube, alle würden davon profitieren, wenn sie sich mehr damit auseinandersetzen würden.“ Teilweise wirkt sich Sandra Bauers Ehrenamt auch auf ihr Leben außerhalb des Hospizes aus: Manche Bekannte würden das Thema vermeiden und nicht weiter nachfragen, wenn sie von ihrem Wochenende erzählt. Andere hingegen suchen aktiv ihren Rat, wenn sie sich plötzlich selbst mit Tod und Sterben im Umfeld konfrontiert sehen. Auch bei Todesfällen in der eigenen Familie habe ihr ihr Wissen bereits weitergeholfen. „Ich konnte einordnen, wie Trauer funktioniert und wusste, dass Menschen sehr unterschiedlich damit umgehen und es manchmal keinen Sinn hat, Menschen dazu zu zwingen, über bestimmte Dinge zu sprechen.“

Ausbildung zur Sterbebegleiterin

Die Arbeit im Kinderhospiz hat Sandra Bauer dazu bewegt, 2022 eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin im Recam-Hospiz zu machen. Dafür besuchte sie über zehn Wochen hinweg am Wochenende Seminare, in denen theoretisches und praktisches Wissen vermittelt wurde und die mit Prüfungen abschlossen. Von ihren Einsätzen erzählt sie: „Man lernt schnell, dass man nichts persönlich nehmen darf. Manchmal wollen die Menschen gerade einfach keine Gesellschaft oder Begleitung.“ Mit manchen habe sie sich aber auch angefreundet. „Man kommt ins Gespräch und erfährt Dinge über sein Gegenüber. Einmal habe ich eine Frau besucht, der so gar nicht nach Reden zumute war, also haben wir den ganzen Nachmittag zusammen ‚Shopping Queen‘ geschaut. Sie war früher als Näherin tätig und fand das sehr spannend!“
Als Sterbegleiterin ist Sandra Bauer bisher nur unregelmäßig im Einsatz, da ihr dazu neben dem Vollzeitjob derzeit die Zeit und die Flexibilität fehlen, spätestens in der Rente möchte sie aber Gebrauch von ihrer Ausbildung machen. Ihr Ehemann ist ebenfalls ehrenamtlich tätig, als Demenzbegleiter in der Charité, und die beiden planen bereits fest damit, ihre freie Zeit im Ruhestand für mehr Engagement zu nutzen. „Wir werden auf keinen Fall die ganze Zeit zuhause sitzen, sondern uns bestimmt mindestens zwei Tage die Woche zusätzlich ehrenamtlich engagieren!“

Die Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement.

Zeit spenden können alle

Neben den regelmäßigen Samstagterminen gibt es weitere Tage im Jahr von Sandra Bauer, die fest für das Hospiz eingeplant sind, dazu zählen auch der 26. Dezember und der 1. Januar. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kümmert sie sich um das Weihnachtsessen im Hospiz. „Und der 1. Januar ist für mich einfach gesetzt, ich möchte das neue Jahr mit einer guten Tat starten. Ich bin da natürlich auch schonmal sehr übermüdet aufgetaucht oder mit Kopfschmerzen, aber das gehört für mich einfach dazu!“ In den 16 Jahren ihres Engagements musste Sandra Bauer nur zweimal eine Schicht wegen Krankheit absagen, zu ihrem 40. Geburtstag hat sie sogar eine Woche Urlaub gespendet, also ihre Urlaubstage für ihre Arbeit im Hospiz verwendet. „Geld spenden ist vielleicht nicht allen möglich, aber Zeit spenden können alle, und wenn es nur ganz wenig ist!“

Die Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement wird jedes Jahr von der SenASGIVA verliehen und zeichnet Personen aus, die sich durch mindestens zehnjährige, freiwillige Tätigkeit in Vereinen, Organisationen und Initiativen oder bei der Betreuung und Begleitung von Personen herausgehobene Dienste erworben haben. Alle Bürger*innen haben ein Vorschlagsrecht. Weitere Informationen zur Ehrennadel und dem Vorschlagsverfahren gibt es hier.

In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es die WILLMA Freiwilligenagentur, die Menschen dabei unterstützt, ein passendes Ehrenamt zu finden. Mehr Informationen gibt es hier.