Drei Mitarbeiterinnen des Vereins stehen an diesem Sonntag zur Unterstützung der Frauen an der Strecke, zwei weitere Frauen kümmern sich um die mitgebrachten Kinder, damit die Mütter sich voll und ganz auf das Rad konzentrieren können, während zwei weitere Frauen mit ihren Sprachkenntnissen dafür sorgen, dass es keine sprachlichen Missverständnisse gibt. Gut gelaunt berichtet eine Übersetzerin: „Ich selbst habe meine Wurzeln im Libanon. Ich lebe aber schon lange in Berlin. Meine Kollegin und ich sprechen türkisch, arabisch, ukrainisch, russisch, bulgarisch und englisch.“ Sie selbst habe ebenfalls erst später im Leben Radfahren gelernt – „Ich bin bei uns auf dem Balkon immer hin- und hergefahren. Inzwischen kann ich es, und bin mit dem Rad flott im Bezirk unterwegs.“
Um Punkt 11 Uhr sitzen bereits die ersten Frauen auf den Fahrrädern und nutzen den geschützten Rundkurs zwischen schattenspendenden Bäumen und blühenden Hecken. Die Unterstützerinnen heißen alle Neuankömmlinge herzlich willkommen: „Hallo, du möchtest gern Radfahren lernen?“ Eine Frau nickt etwas schüchtern und lässt sich dabei helfen, einen passenden Fahrradhelm zu finden. Sie kommt aus Afghanistan und hat zuvor noch nie auf einem Fahrrad gesessen.
Gemeinsam mit einer Helferin entscheidet sie sich für ein Minirad mit hohem Sattel, der es ihr erlaubt, mit den Fußsohlen den Boden zu berühren. So rollt sie ihre erste Runde auf dem Rad, als sei es ein Laufrad. Hochkonzentriert bemüht sie sich um Gleichgewicht, während die Helferin ihr nicht von der Seite weicht.
Nach der ersten Runde gibt es einen Radwechsel: „Das machst du richtig gut! Komm, wir versuchen es mal mit dem Fahrradtretroller.“ Die Helferin erklärt das ungewöhnliche Gefährt, das statt eines Sattels eine Stellfläche für die Füße bietet. Inzwischen hat die Frau bereits ein gutes Gefühl für das Gleichgewicht entwickelt und rollt, zunächst noch etwas wackelig, aber ohne Unterstützung von außen, langsam über die abgesteckte Strecke.