Berliner Hausbesuche - „Wir bringen Zeit mit und hören gut zu!“

Sozialarbeiterin Annette Jooss ist als eine von vier Regionalkoordinator*innen in Berlin der "Berliner Hausbesuche"

Sozialarbeiterin Annette Jooss ist als eine von vier Regionalkoordinator*innen in Berlin der "Berliner Hausbesuche"

Die „Berliner Hausbesuche“ sind ein Projekt der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege (SenWGP) in Zusammenarbeit mit den Maltesern und den Bezirksämtern. Sozialarbeiterin Annette Jooss ist als eine von vier Regionalkoordinator*innen in Berlin verantwortlich für Friedrichshain-Kreuzberg sowie zwei weitere Bezirke.

Annette Jooss erklärt das kostenlose Informationsangebot für ältere Menschen ab 70 Jahren, das zum Ziel hat, frühzeitig auf Unterstützungsangebote in der eigenen Nachbarschaft aufmerksam zu machen. Damit können sich die Bürger*innen besser in der vorhandenen sozialen Infrastruktur orientieren.
„Im Jahr 2020 startete das Land Berlin die Umsetzung des Vorhabens, wie die Teilhabe älterer Menschen in der Stadt verbessert werden kann. Nach dem Vorbild Skandinaviens, wo ältere Menschen schon länger ein Anrecht auf präventive Hausbesuche haben, entwickelte Berlin gemeinsam mit wichtigen Akteur*innen aus der Seniorenarbeit das Projekt „Berliner Hausbesuche, das seit 2021 von den Berliner Maltesern umgesetzt wird.

Nach dem offiziellen Start des Modellprojekts im Jahr 2021, zunächst in den Bezirken Charlottenburg und Lichtenberg, sollen in Berlin 24 hilfreiche Lots*innen für die zwölf Bezirke tätig sein – derzeit sind 20 Lots*innen unterwegs. „Es sollen in jedem Bezirk zwei Lotsen unterwegs sein, die in ihrer Funktion als professionelle Fachkräfte der Berliner Malteser Menschen ab 70 Jahren über Angebote zu Freizeitaktivitäten, altersgerechtem Wohnen, Umgang mit digitalen Medien, Gesundheit und Pflege und Vielem mehr informieren.“
Im individuellen Gespräch mit den älteren Menschen informieren sie über die unterschiedlichen Angebote im Bezirk.

Kostenfreies Angebot für Menschen ab 70+

„Wir bringen bei unseren Hausbesuchen viel Zeit mit und hören genau zu, was unseren Gesprächspartnern fehlt, und was sie sich wünschen.“ Die einzelnen unterschiedlichsten Bedarfe werden so an die Lots*innen herangetragen.

„Manche ältere Paare machen sich Sorgen, was denn wäre, wenn der Partner eines Tages nicht mehr da sei. Andere leben allein und möchten mehr Sport machen oder einfach wieder andere Menschen treffen. Wieder andere interessieren sich zum Beispiel für die Erstellung einer Vorsorgevollmacht.“ In allen Fragen informieren die Lots*innen über Institutionen und helfen mit den richtigen Kontaktadressen weiter, maßgeschneidert.

Annette Jooss: „Bei unseren Besuchen zeigen wir den Menschen Möglichkeiten und Perspektiven, damit sie so lange wie möglich gesund bleiben, und so lange wie möglich eigenständig leben können.“

Das Angebot der „Berliner Hausbesuche“ ist kostenlos. Aus Datenschutzgründen dürfen die Lots*innen erst Kontakt aufnehmen, wenn die betroffenen Personen dies ausdrücklich wünschen. „Damit die Menschen in den Bezirken erfahren, dass es uns gibt, und was wir kostenfrei für sie tun können, wird zuvor das Bezirksamt aktiv.“

Ab dem 70. Geburtstag verschickt das Bezirksamt im Fünf-Jahres-Rhythmus persönliche Briefe an die Jubilar*innen. „Mit diesem Brief bekommen die Menschen unsere Kontaktdaten und eine Erklärung, was wir für sie tun können. Und wie sie uns erreichen können. Dann können sie uns anrufen.“ Aber auch alle Menschen, die über 70 Jahre alt sind und noch keinen Brief vom Bezirksamt erhalten haben, können einen Hausbesuch bekommen. „Bei Interesse kann man sich einfach bei uns melden.“

Täglich zwischen 9 Uhr und 16 Uhr ist das Team – Lots*innen arbeiten immer im Tandem – telefonisch erreichbar.

„Bei uns geht tatsächlich ein Mensch ans Telefon, das ist uns sehr wichtig! Schon beim Erstgespräch hören wir genau zu und unterhalten uns darüber, was genau wir für unsere Gesprächspartner tun können“. Wenn alles telefonisch besprochen ist, stellen die Lots*innen ein entsprechendes Informationspaket zusammen und besuchen die Person zu Hause. „Oder wir treffen uns in einem Café. Wir finden in jedem Fall einen Ort, der für ein Treffen passt. Da sind wir flexibel und respektieren den Wunsch unserer Gesprächspartner. “Immer wieder wählen auch die erwachsenen Kinder älteren Menschen die Nummer der „Berliner Hausbesuche“: „Sie melden sich bei uns, um zu fragen, welche Möglichkeiten sich für die Eltern im Bezirk ergeben. Wenn gewünscht, vereinbaren wir dann einen Hausbesuch mit der betroffenen Person, bei dem natürlich die Kinder oder andere interessierte Personen gern dabei sein können.“

Berliner Hausbesuche - freiwillig und kostenfrei für Menschen in Berlin ab 70+

Täglich zwischen 9 und 16 Uhr telefonisch erreichbar

Ein besonderes Augenmerk der „Berliner Hausbesuche“ richtet sich an Menschen in der Stadt, die isoliert und sehr zurückgezogen leben. „Einige Menschen melden sich bei uns und erzählen davon, dass sie sich nach einer Trennung oder dem Tod eines Partners mehr und mehr zurückgezogen haben. Und jetzt nicht wissen, wie sie wieder unter Menschen kommen können.“

In diesem Fall können die Lots*innen Angebote empfehlen, die dabei behilflich sein können, damit die betroffene Person wieder mehr an gesellschaftliche Aktivitäten angebunden wird. „Je nach Interessenlage könnten das Sprach- oder Kochkurse sein, gemeinsame Wanderungen oder ähnliche Aktivitäten, die in Gemeinschaft erlebt werden können.“

Auch Menschen in finanziell prekären Situationen können durch gezielte Informationen über Beratungsangeboteunterstützt werden „Oft reicht die Rente nicht, oder sie haben viel Geld verloren.“ Manche seien auch durch eine Trennung in finanzielle Schieflage geraten und könnten anhand einer passenden Beratung Unterstützung finden.

Annette Jooss: „Unser Angebot ist freiwillig und kostenlos! Wir sind auch für Menschen mit Migrationshintergrund da und organisieren nach dem Erstkontakt auch Dolmetscher, wenn es mit dem Deutsch noch nicht so klappt.“

Zusammenfassend betont Annette Jooss noch einmal, dass es das Ziel sei, auch diese besonderen Gruppen in die vorhandenen Versorgungsstrukturen zu integrieren. „Sei es eine Schuldenberatungsstelle oder Hilfe bei der Antragsstellung in der allgemeinen Sozialarbeit – unsere Lotsen wissen, wo es Hilfe gibt und übermitteln die Kontaktdaten.“

Sie betont, dass die Ratsuchenden in vielerlei Hinsicht profitieren können. „Ich erinnere mich sehr gut an eine ältere Frau, die sich sehr einsam fühlte und auf der Suche nach Gleichgesinnten war mit denen sie reisen kann. Selbst hier konnten wir vermitteln und noch mehr: Mit unserer Hilfe fand sie eine Reisepartnerin, mit der sie heute noch befreundet ist.“

Benötigen Sie Unterstützung?

Benötigen Sie in Ihrer Lebenssituation aktive wie unkomplizierte Unterstützung? Oder kennen Sie eine Person, die Sie gern unterstützen wollen?

Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin telefonisch unter der Woche zwischen 9 und 16 Uhr unter

Telefon: (030) 34 80 03 247 oder
E-Mail: bhb.friedrichshain-kreuzberg@malteser.org