Von Vero Leali
Ich bin in Italien aufgewachsen – einem Land, das stark von katholischer Moral und traditionellen Normen geprägt ist. Mein Weg zur queeren Selbstbestimmung war daher alles andere als geradlinig. Als nicht-binäre, queere Person mit Migrationsgeschichte führte mich meine persönliche und berufliche Entwicklung über die Kunstgeschichte zur Sexualpädagogik – und aktuell zur Ausbildung in beziehungsdynamischer Sexualtherapie.
Durch mein Kunstgeschichtsstudium in Berlin habe ich begonnen zu verstehen, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Körper, Begehren und Geschlecht über Bilder vermittelt und geformt werden. Ich erkannte, wie stark visuelle Kultur unser Bild von „Normalität“ prägt – und wie queere Körper und Identitäten häufig ausgelöscht oder verzerrt dargestellt wurden. Das weckte in mir den Wunsch, aktiv gegenzusteuern. Sexualität wurde mein Zugang, Kunst wurde mein Werkzeug – um Räume für Sichtbarkeit, Reflexion und Selbstbestimmung zu schaffen.
Ein Schlüsselmoment war ein queerer Workshop beim Lesben- und Schwulenverband Berlin, der sich mit der Intersektion von sexueller Bildung und Kunst befasste – ein Workshop, den ich auch in der Volkshochschule gebe. Dort spürte ich: Das ist mein Beitrag. Ich möchte Räume schaffen, in denen queere Menschen lernen können, sich sichtbar zu machen, sich zu schützen und sich verstehen. Die Ausbildung zur Sexualpädagog*In gab mir das nötige Wissen, um Themen wie Körper, Konsens, Vielfalt und Beziehung pädagogisch fundiert zu bearbeiten. In der aktuellen Ausbildung zur Sexualtherapeut*In vertiefe ich diese Arbeit – mit dem Fokus auf Beziehung, Dynamik und Heilung.
In meinen Kursen an der VHS-Pankow geht es um mehr als Wissensvermittlung. Es geht um Empowerment. Um queere Geschichte, die nicht vergessen werden darf. Um Geschlechtervielfalt, die nicht erklärt, sondern erlebt werden will. Und um Selbstbestimmung – als kollektiven Prozess. Ich glaube an Sichtbarkeit und Akzeptanz als Grundpfeiler einer vielfältigen Gesellschaft.
In einer Zeit, in der Queerfeindlichkeit wieder salonfähig wird, in der Sprache politisiert und Identitäten angezweifelt werden, ist unsere Arbeit notwendiger denn je. Gendergerechte Sprache ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Wer sagt, Gendern sei „übertrieben“, verkennt, dass Sprache Realität schafft – und Anerkennung mit Anrede beginnt. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, queere Themen nicht nur in Nischen und Bubbles zu verhandeln, sondern sie als gesellschaftliche Querschnittsthemen zu verankern – in Bildung, Gesundheit, Medien und Politik. Hoffnung geben mir Menschen, die zuhören wollen. Die sich mit ihren eigenen Prägungen auseinandersetzen. Und die bereit sind, zu lernen – auch wenn es unbequem wird.
Ich wünsche mir, dass Menschen aus meinen Kursen Mut und Verständnis mitnehmen: für sich selbst, für andere, für neue Gespräche. Und dass sie begreifen, dass Inklusion keine Sondermaßnahme ist – sondern das Fundament einer solidarischen Gesellschaft.