80 dicke, glatte Mattenquadrate bedecken das Parkett in der modernen Turnhalle in der Schulstraße. Ihr mattes Hellgrün verleiht der Halle noch mehr Leichtigkeit und Harmonie. Zehn Teilnehmer:innen ganz unterschiedlichen Alters tummeln sich barfuß darauf und kommen sitzend im „Seiza“, dem Fersensitz, zur Ruhe.
Mit seiner weiß-schwarzen Kleidung wirkt Kursleiter Roland Klimpel wie ein designter Kontrapunkt im Raum. Man spürt die Kraft, die Ruhe, die Konzentration, die von ihm ausgehen. Freundlich und offen begrüßt er die Teilnehmer:innen mit einer Verbeugung, die sich „Re“ nennt. Seine Worte sind so klar und schnörkellos wie die elegante Atmosphäre in der Turnhalle. Aikido, so sagt er, bedeute in der ersten Silbe „Harmonie“ und in der letzten Silbe „Weg“. Das entscheidende „Ki“ in der Mitte ließe sich nur umschreiben: Es ist das mentale Bild, das über die Sache, das Objekt – vielleicht auch über die eigene Begrenztheit – hinausgeht. Das Ziel von Aikido ist es, der Kraft oder Gewalt nicht zu begegnen, indem man sie erwidert, sondern indem man sie lenkt und abwehrt. Das gelingt mit „Ki“, der Gedankenkraft. Deshalb sind die Teilnehmer:innen hier: Sie wollen lernen, wie man sich gezielt einer brenzligen Situation entziehen kann, wenn man sie nicht vermeiden konnte.
Als Träger des 6. Dan Aikido und langjähriger Lehrer für Aikido, Selbstsicherheit und Feldenkrais ist es Roland Klimpel wichtig zu vermitteln, dass man Sicherheit erlernen kann: Welche Signale körpersprachlicher Art helfen mir bei Gefahr? Wie setze ich meine Stimme wirkungsvoll ein? Wie löse ich mich aus einem Griff ohne viel Kraft? In seinen Kursen geht es um ein Erkennen der richtigen Antwort und um Bewegungspraxis. Denn erst wenn der Körper weiß, wie er sich korrekt bewegen kann, erlangt der gesamte Mensch die erforderliche Selbstsicherheit.
Zurück zum Kursgeschehen. Die Trainingspaare üben das „Umschubsen“ und ungläubiges Staunen weicht eindrücklichen Aha-Momenten der Praxis. Denn es ist wichtig, wie man seinen Stand „denkt“, das heißt, wie man sich seines Schwerpunktes unterhalb des Bauchnabels bewusst ist. Damit entsteht eine aktionsbereite Standfestigkeit, die Ausgangspunkt für schnelles Handeln wird. Und es geht noch imposanter! Ein leicht ausgestreckter Arm, gepackt von einem Angreifenden, erweist sich als erstaunlich stabil und wehrhaft, wenn man über den Angriffspunkt und den Angreifenden hinausdenkt – ganz im Sinne des „Ki“. Aber auch nur dann.
Das notwendige Hintergrundwissen vermittelt Roland Klimpel ebenso freundlich wie präzise und immer mit der notwendigen Ernsthaftigkeit. „Aikido ist kein Spiel“, betont er. „Aikido ist eine geistige Haltung des Nicht-Kämpfens. Sie erfordert Übung sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene.“