Was unterscheidet Ihren Kurs von einem klassischen Tanz- oder Musikunterricht?
Grundsätzlich geht es in meinem Kurs darum, Musik und Bewegung miteinander zu verknüpfen und sie nicht als voneinander getrennt zu betrachten. Mal kann der Fokus dabei mehr auf dem Hören liegen, mal mehr auf der (musikalischen) Bewegung. Dabei spielt der künstlerische Ausdruck eine untergeordnete Rolle, es geht vielmehr darum, die Körperwahrnehmung zu steigern und über die Bewegung eine Verbindung zu schaffen, zur Musik, zu sich selbst und zu den anderen Teilnehmenden – und das ganz ohne den Leistungsdruck eines klassischen Musik- oder Tanzunterrichts.
Gibt es ein Erlebnis aus dem Kurs, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Etwas, das zeigt, was „Rhythmus in Bewegung“ bei Menschen bewirken kann?
Es gab einmal eine Teilnehmerin, die sich mit dem Kurs bewusst herausfordern wollte. Sie war sehr frustriert davon, beim Musizieren den Rhythmus nicht halten zu können und koordinativ nicht fit genug zu sein. Sie besuchte den Kurs zweimal hintereinander und mit jedem Termin konnte ich sehen, wie sie an Selbstvertrauen gewann. Nach einer Weile konnte sie entspannter und wohlwollender mit Momenten des Noch-nicht-Könnens umgehen, ihr individuelles Lerntempo finden und annehmen. Später begegnete sie neuen Aufgaben nicht mehr mit Angst, sondern mit Neugier und strahlenden Augen. Solche Momente, in denen die Augen der Kursteilnehmenden vor Begeisterung und Spielfreude strahlen, finde ich wunderschön.
Welches Herz schlägt höher: das der Musikerin oder das der Tänzerin?
Mein Herz schlägt für Tanz und Musik gleichermaßen. Wenn ich tanze, verbinde ich mich anders mit Musik, als wenn ich sie selbst spiele. Für mich steht der Körper im Mittelpunkt. Der Körper, der hören, spüren und sich bewegen kann. Mal nimmt die tänzerische Bewegung mehr Raum ein, mal habe ich Phasen, in denen ich intensiv an Musikstücken übe und weniger zum Tanzen komme. Beides nutze ich als Kommunikationsmittel, als Ventil, um Emotionen zu verarbeiten und mich auszudrücken, um kreativ zu sein und zu forschen. Ich bin froh, dass ich mich nicht entscheiden muss.
In Ihrer Abschlussarbeit haben Sie untersucht, inwiefern die praktische Auseinandersetzung mit Komik im und am Körper im Rhythmikunterricht dazu beitragen kann, Offenheit für Andersartigkeit und Fremdheit in der Gesellschaft zu fördern. Was war bisher die zentrale Erkenntnis?
Die Arbeit mit Komik im künstlerischen Kontext verlangt viel Feingefühl und bringt eine große Verantwortung mit sich. Es braucht einen gut vorbereiteten Spiel- und Lernraum, um zu ermöglichen, dass sich die im Rhythmik-Unterricht angeregten inneren Prozesse und Erkenntnisse auch auf das soziale Miteinander außerhalb des Unterrichts übertragen lassen. Definitiv ist es die Mühe wert. Meine Erkenntnis ist, dass wir die positive Auswirkung von Lachen und Spielen oft unterschätzen. Es lohnt sich, dafür reale, physische Räume zu schaffen und dazu anzuregen, manchmal einen Schritt zurückzutreten und sich selbst, andere Menschen und Situationen mit wohlwollender, heiterer Distanz zu betrachten.