Monika Hassenkamp

Kursleiterin Monika Hassenkamp

Ich bin seit mehr 25 Jahren in der Erwachsenenbildung als Dozentin tätig. Als ausgebildete Mediatorin, als Coachin und als Teamentwicklerin arbeite ich mit Kolleginnen in einer Praxis und hier vorwiegend mit Teams aus dem sozialen Bereich, mit Paaren und mit Einzelpersonen, die in beruflichen und privaten Veränderungsprozessen Begleitung wünschen.

An der VHS Pankow unterrichte ich Kommunikation, Mediation, Systemisches Coaching, Gewaltfreie Kommunikation, Transaktionsanalyse und Autobiografisches Schreiben.

Mir ist wichtig, dass das in meinen Kursen Erfahrene in den privaten und beruflichen Alltag der Teilnehmer*innen übertragbar ist. Das erlebnisorientierte Arbeiten in meinen Seminaren liegt mir am Herzen. Zu sehen, wie die Teilnehmer:innen auch voneinander lernen und von den individuellen Erfahrungen der anderen profitieren, stärkt mich in meiner Rolle als Dozentin.

Vom Streit zur Verständigung – Ein Interview mit Monika Hassenkamp über Konflikte und wie man sie rechtzeitig entschärft

  • Frau Hassenkamp, was verstehen Sie unter einem Konflikt?

    Die meisten Menschen reden von Konflikten, wenn sie eigentlich Auseinandersetzungen meinen. Ein Konflikt beginnt, wenn die Konfliktpartner:innen bewusst das Gegenüber zu diskreditieren versuchen, wenn sie das Ziel verfolgen, zu gewinnen – koste es, was es wolle. Der Konflikt eskaliert dann in verschiedenen Stufen, die der Konfliktforscher Friedrich Glasl skizziert hat, bis hin zur Zerstörung der gemeinsamen Grundlagen. Im Gegensatz zu Konflikten, gehören Auseinandersetzungen zu einer demokratischen Gesellschaft dazu. Es braucht mehr Streitkultur, das heißt die wertschätzend ausgetragene Diskussion unterschiedlicher Interessen, Meinungen, Positionen.

  • Welche verschiedenen Arten von Konflikten gibt es und wie unterscheiden sie sich in ihrer Dynamik?

    Es gibt Sachkonflikte, die meist leicht zu klären sind, da sie zum Beispiel aufgrund von Fehlinformationen entstehen. Daneben unterscheiden wir zwischen Ziel-, Werte, Interessens-, Beziehungs- und strukturellen sowie intra-personellen Konflikten, also Konflikten innerhalb einer Person. In ihrer Dynamik ähneln sich die Konfliktverläufe, inwieweit sie eskalieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das können etwa hierarchische Unterschiede sein, die mit Machtausübung verbunden sind. Auch starke Emotionen, die nicht kontrolliert werden können, spielen eine entscheidende Rolle. Wenn es nicht gleich zu Beginn zu einer Klärung der Kommunikation und zu einer Rückkehr zu einer wertschätzenden, die unterschiedlichen Positionen respektierenden Auseinandersetzung kommt, nimmt die zerstörende Dynamik meist zwangsläufig ihren Lauf.

  • Warum fällt es vielen Menschen schwer, mit Konflikten umzugehen?

    Wir erleben meist Konflikte als Kampf um Gewinn und Verlust – Gewinn oder Verlust der eigenen Meinung, der eigenen Positionen, des eigenen Wertes. Der/die Andere wird zum Gegner, den es zu bekämpfen gilt. Und deshalb meiden wir Konflikte in Beziehungen, sowohl privaten als auch beruflichen. Damit ist das Problem aber nicht gelöst. Das erlebe ich bei meiner Arbeit sehr oft: Menschen trauen sich nicht, Konflikte anzusprechen, aus Angst, es könnte dann noch schlimmer werden. Wir kennen aus der Evolution die Verhaltensweisen Flucht, Angriff, Verteidigung und Totstellen. Viele Menschen „stellen sich tot“ und versuchen so, der Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen.
    Eine weitere, sehr verbreitete Meinung zu Konflikten ist es, man müsse nur versuchen, sachlich zu bleiben, die Emotionen seien ja gerade das Problem in konflikthaften Auseinandersetzungen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn Emotionen gehören zu Konflikten dazu. Zu lang aufgestaute negative Emotionen führen oft gerade dazu, dass ein Konflikt ausbricht und seine zerstörende Kraft entfaltet. Es geht nicht darum, das Gefühl herunterzuschlucken, sondern es ernst zu nehmen als das, was es ist: ein wichtiges Anzeichen dafür, dass etwas nicht (mehr) stimmt.

  • Wie helfen Sie Ihren Kursteilnehmer:innen dabei, konfliktfähiger zu werden?

    Ein erster wichtiger Schritt ist die Unterscheidung von Auseinandersetzungen und Konflikten. Es geht darum, die Konfliktfähigkeit der Kursteilnehmenden zu reflektieren und zu stärken. Viele Teilnehmende haben wenig positive Erfahrungen mit der Austragung von Konflikten gemacht, ihre Sozialisation stärkt sie in einem Vermeidungsverhalten oder in destruktiven Mustern der Konfliktaustragung. Die Grundhaltung, dass Konflikte normal sind, da wir alle unterschiedlich sind und es unweigerlich zu Spannungen kommt im Kontakt, wird gestärkt durch Methoden, die vorwiegend auf die gewaltfreie Kommunikation Marshall B. Rosenbergs zurückgehen. Hier erfahren die Teilnehmenden, wie ein Konfliktgespräch achtsam, konstruktiv und respektvoll ausgetragen werden kann. Neben der Vermittlung von Fachwissen spielt in meinen Kursen das Ausprobieren neuer Kommunikations- und Verhaltensweisen in einem geschützten, respektvollen Raum eine zentrale Rolle.

  • Gibt es Konflikte, die man lieber vermeiden sollte, oder ist jeder Konflikt eine Chance zur Weiterentwicklung?

    Ich bin kein Fan dieser Postkartensprüche, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Natürlich können in einer konstruktiv verlaufenden Konfliktaustragung auch Chancen der persönlichen Weiterentwicklung liegen. Doch nicht jeder Konflikt bietet diese Möglichkeit. Ob es zu einer positiven Weiterentwicklung kommt, hängt ja auch von unserem Gegenüber und dessen Bereitschaft ab, sich auf eine gute Klärung einzulassen. Konflikte, in denen sich das Gegenüber einer konstruktiven Klärung verweigert, sollte man lieber vermeiden. Hier gilt der kluge Satz des bekannten Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun: „Vom Ochsen kriegst du kein Kalbfleisch!“

  • Welche Rolle spielt Resilienz im Konfliktmanagement und wie kann man sie gezielt stärken?

    Es geht im Umgang mit Konflikten darum, sich der eigenen Gefühle und Bedürfnisse bewusster zu werden und diese achtsam und respektvoll zu kommunizieren, denn auch unser Gegenüber hat eigene Bedürfnisse, Werte, Gefühle, die es zu berücksichtigen gilt. Jede konstruktive Konfliktaustragung führt dazu, dass Menschen wachsen in ihrer Fähigkeit, Konflikte zu meistern und Herausforderungen im menschlichen Miteinander zu klären. Sich diesen Herausforderungen zu stellen trägt dazu bei, selbstsicherer aufzutreten und anderen respektvoller zu begegnen. Jede positive Erfahrung stärkt die Bereitschaft und die Fähigkeit, Veränderungen in der Beziehungsgestaltung offen zu begegnen, ohne dabei gleich den Boden unter den Füßen zu verlieren.

  • Was war eine der überraschendsten Erkenntnisse aus Ihrer Arbeit mit Konflikten?

    Als Mediatorin arbeite ich viel in Teamkonflikten, auch in Konflikten innerhalb von Familien, bei Paaren. Überraschend ist es für mich immer wieder zu erleben, wie wenig Menschen miteinander kommunizieren – damit meine ich, wie wenig wir einander wirklich zuhören und zunächst versuchen, unser Gegenüber zu verstehen, bevor wir mit unseren eigenen Meinungen und Positionen rausplatzen. Wir sind schnell dabei, uns zu verteidigen, zu widersprechen, statt in Ruhe zu hören, zu fragen, damit wir besser verstehen. Jede von uns hat ja ihre eigene Sicht auf die Welt, fühlt sich „im Recht“. Zu erkennen und dann auch zu akzeptieren, dass in einer Auseinandersetzung beide Parteien Gründe haben, warum sie auf die eine oder andere Weise sich verhalten oder argumentieren, ist ein erster wichtiger Schritt zur Vermeidung eskalierender Konflikte.

  • Welche praktische Übung aus Ihren Kursen könnte jeder sofort anwenden, um besser mit Konflikten umzugehen?

    Da eignen sich einige Übungen, alle sind sehr praxisnah. Zum Beispiel die des kontrollierten Dialogs in Konfliktsituationen: Hier spricht zunächst die erste Person und die Zuhörerin fragt nach und fasst dann zusammen, was sie verstanden zu haben glaubt. Wenn die Sprecherin sich verstanden fühlt, spricht die zweite Person und der Vorgang wiederholt sich, so dass am Ende beide sich in ihrem Anliegen verstanden und respektiert fühlen. Das ist die Basis dafür, in weiteren Schritten die kontroversen Positionen zu verhandeln und zu versuchen, eine Lösung zu finden, die beide Konfliktpartner:innen tragen können. Der kontrollierte Dialog dient der Entzerrung und Verlangsamung der explosiven, eskalierenden Dynamik im Konfliktgeschehen.

  • Bitte nennen Sie noch ein paar Meilensteine aus Ihrem Lebenslauf, damit sich die Leser:innen ein Bild von Ihnen machen können.
    Besonders geprägt haben mich diesen Lebensphasen und Ereignisse:
    • Studium Germanistik und Politologie (MA) in Bonn, weil ich mich für Literatur und Politik begeistert habe
    • politisches Engagement: Arbeit auf Bezirksebene für die Partei Bündnis 90/Die Grünen. Austritt aus der Partei aus Protest gegen die Haltung zum Jugoslawienkrieg. Spätere journalistische Tätigkeit für eine parteipolitische Stadtteilzeitschrift
    • Weiterbildung zur zertifizierten Mediatorin (BM): Auseinandersetzung mit der eigenen Konfliktfähigkeit – Arbeit in der Konfliktvermittlung in Teams und in Paar- und Familienbeziehungen Weiterbildung(en) in Kommunikationspsychologie, Transaktionsanalyse und systemischem Coaching: Begleitung von Menschen in Veränderungssituationen – zunächst
    • als Beraterin in einem gemeinnützigen Verein, der mit langzeiterwerbslosen Menschen arbeitete, später in eigener Praxis mit Menschen aus unterschiedlichen Berufsfeldern und mit Führungskräften
    • persönliche Herausforderungen: Der Umzug von Bonn nach Berlin, der meine Perspektive auf Lebenswirklichkeiten verändert und erweitert und mich darin gefordert hat, den Berliner Humor zu verstehen

Kontakt zur VHS Pankow

Servicetelefon: (030) 90295-1700

Fax allgemein: (030) 90295-1704
Fax Deutschbereich: (030) 90295-3939

Haus der Volkshochschule in Pankow

Persönliche Anmeldung: Donnerstag
10.00 – 12.00, 15.00 – 18.00 Uhr
Bezahlung: Kreditkarte / Girocard / SEPA-Lastschrift
(leider nicht rollstuhlgerecht, kein Fahrstuhl)

Volkshochschule Pankow im Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner

Persönliche Anmeldung: Mittwoch,
10.00 – 12.00, 14.00 – 17.00 Uhr
Bezahlung: Kreditkarte / Girocard / SEPA-Lastschrift
(Haupthaus mit Fahrstuhl, Vorderhaus/ServicePoint ohne Fahrstuhl)

Volkshochschule Pankow im Bildungszentrum am Antonplatz

Persönliche Anmeldung:
Dienstag, 12.30 – 16.00 Uhr
Bezahlung: Kreditkarte / Girocard / SEPA-Lastschrift
(Fahrstuhl vorhanden)

Anmeldung

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