Als Julia Grebe vor rund zehn Jahren ihren ersten Kurs an der VHS Pankow gab, war sie begeistert von der Vielfalt der Teilnehmenden. „Da saßen Menschen aus unterschiedlichen Berufen, Altersgruppen und Lebenssituationen zusammen und plötzlich wurde Bildung zur Begegnung.“ Als überzeugte Verfechterin des lebenslangen Lernens liebt sie Orte, an denen Wissen geteilt und Neugier geweckt wird. Die VHS ist für sie so ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, die sich sonst nie begegnet wären, etwa die Controllerin mit der Pflegedienstleiterin oder der Start-up-Gründer mit der Teamleiterin aus dem öffentlichen Dienst.
In ihren Kursen geht es um Fertigkeiten, die im beruflichen Kontext benötigt werden, wenn es um Teamentwicklung, Konfliktbewältigung, Verhaltenssteuerung in besonderen Situationen oder um Führung geht. Statt langer Vorträge setzt sie auf Austausch, kurze Übungen und Ausprobieren. Grebe: „Ich sehe mich weniger als Dozentin, sondern als Begleiterin von Entwicklungsprozessen. Die Teilnehmenden bringen so viel Wissen mit. Meine Aufgabe ist, dieses Potenzial sichtbar zu machen.“
Auf die Frage, was sich beim Lernen und Lehren verändert hat, stellt Grebe fest, dass zwar digitale Lernformen selbstverständlich geworden sind, jedoch das Bedürfnis nach Präsenz und direktem Austausch nicht kleiner geworden ist. Kursteilnehmende vermissen die Energie im Raum, sagt sie und betont, dass es entscheidend sei, eine gute Verbindung zu und zwischen den Teilnehmenden zu schaffen, ob am Bildschirm oder am Tisch.
Auch die Themen haben sich verändert, resümiert sie: „Heute handelt es sich weniger um Fachwissen, sondern um Haltung, Selbstführung und innere Klarheit. Gerade in Führungsfragen wünschen sich viele Teilnehmende praktische Werkzeuge, die sie sofort im Alltag ausprobieren können. Theorie ist wichtig, aber sie sollte ins Handeln führen.“
Bei moderner Führung geht es, nach Grebes Meinung, um die Fähigkeit, Menschen zu entwickeln, statt nur zu steuern. Dazu gehören Empathie und Klarheit in der Kommunikation. Ihr Ziel ist es, Führungsqualitäten der Teilnehmenden sichtbar zu machen und zu festigen. Sie freut sich, wenn gemeinsam geübt wird und jemand plötzlich merkt: Ich kann das ja schon, ich darf es nun zeigen. „Genau in solchen Momenten beginnt Entwicklung.“, schwärmt sie.
Im Kurs ist es lebhaft. Julia Grebe zwinkert und lacht. Die Teilnehmer:innen haben sichtlich Freude und Erkenntnisgewinn, beim spielerischen Ausloten von Führungsrollen. Am Ende des 5-tägigen Bildungszeitkurses Wie sieht Führung 4.0 aus? Agiles Coaching und Führung können die angehenden Führungskräfte viel Anwendbares mit in ihr Berufsleben.
Einen Tipp gibt Julia Grebe den Teilnehmer:innen besonders oft mit auf den Weg: Stelle eine Frage mehr, als du ursprünglich wolltest!