Wie Jake Wiest mit Herz und Musik Sprache erfahrbar macht
Ich liebe die englische Sprache schon seit meiner Kindheit, angefangen mit dem Alphabet-Lied. Und jetzt macht es mir große Freude, sie weiterzugeben!
Wenn ich Englisch unterrichte, bringe ich meine akademische Ausbildung als Schauspieler und meine Qualitäten als Moderator von Pub-Quiz-Veranstaltungen, Stand-up und Improvisationskomödien ein. Auch meine Erfahrungen, die ich mir als Singer-Songwriter auf der Straße in der „School of Hard Knocks“ erarbeitet habe, fließen in meinen Englischunterricht mit ein. Am schönsten für mich ist das Live-Spielen auf meiner Gitarre und die Einbeziehung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, denn Musik verinnerlicht das Sprachenlernen wie kein anderes Medium. Songtexte entschlüsseln, sie erkunden, all die versteckten Bedeutungen dazwischen finden und die große Bedeutung kleiner Phrasen entdecken – das sind die Dinge, von denen ich glaube, dass sie Selbstvertrauen schaffen und die Freude am Lernprozess wecken.
Als ich nach und nach Live-Songs in meinen Englischunterricht einbaute, stellte ich schließlich einen ganzen Lehrplan zusammen, der auf diesem Konzept basiert. So entstand der Kurs „Beat by Beat: Englisch lernen durch Songtexte“. Neben verschiedenen Musikgenres und den damit verbundenen Subkulturen beschäftigen wir uns auch mit der alltäglichen Umgangssprache in Songtexten. Meiner Meinung nach wird diese in den offiziellen akademischen Sprachlehrbüchern oft vernachlässigt. Dagegen ist die Sprache des Alltags in vielen Rock- und Popsongs präsent. Der Kurs bietet das gewisse Extra, um diese Lücken im Sprachverständnis zu schließen, damit auch die Alltagssprache fließender von der Zunge gehen kann.
Mein „Sonderzug nach Pankow“
Kurz nach meinem Abschluss in Geistes- und Sozialwissenschaften an der University of Idaho erwarb ich mein TESOL-Zertifikat (Teaching English to Speakers of Other Languages) in Berkeley, Kalifornien, mit dem Ziel, nach Spanien zu ziehen. Ich wollte ins exotische Barcelona, Straßenmusik machen, als Englischlehrer arbeiten und dort leben, ohne jemals zurückzuschauen zu wollen. Alles, was ich hatte, waren ein One-Way-Flugticket und fünfhundert Dollar in der Tasche.
Nur ging der Plan 2008 nicht auf. Die rasante Finanzkrise machte mir einen Strich durch die Rechnung: Viele Menschen in Spanien waren arbeitslos, und auf einen Künstler aus den USA hat sicher niemand gewartet. Erst 2016 unternahm ich einen neuen Versuch. Ich lebte einige Jahre in Freiburg im Breisgau und landete schließlich 2019 in Berlin.
Hier in Pankow habe ich mir mittlerweile eine schöne Nische geschaffen, und ich bin froh, an der VHS einen Ort gefunden zu haben, an dem ich die Freude an der englischen Sprache durch Lieder vermitteln kann.
Auf meinem eigenen Weg, mein Deutsch zu verbessern, habe ich viel Musik gehört, beispielsweise Die Ärzte, Die Fantastischen Vier, Rammstein, Anna Depenbusch, Feine Sahne Fischfilet und Nina Hagen. Die unvermeidlichen Frustrationen, die das Erlernen einer Sprache mit sich bringt, wurden spürbar durch die Freude ausgeglichen, einfach nur Lieder auf Deutsch zu lernen. Die Schönheit der Sprache war offensichtlich, sei es in Hagens theatralischem Gesangsfeuerwerk oder in der lyrischen Poesie von Thomas D. Und es ist genau diese Schönheit, die uns dazu bewegt, auf jeder Reise weiterzumachen … und Wege zu finden, damit Sprachenlernen Freude macht.