Frau Lin, erzählen Sie bitte von sich!
Mein chinesischer Name ist Lin (Nachname), Kuan-wu (Vorname). „Lin“ bedeutet „Wald“, „Kuan-wu“ bedeutet „sich selbst überwinden“. Allerdings nennen mich alle Jasmin. Ich bin in Taiwan aufgewachsen und 1996 wegen meines Studiums nach Berlin gekommen.
Seit wann praktizieren Sie Tai Ji Quan und Qigong, und warum?
Seit 2015 unterrichte ich Tai Ji Quan und Qigong, seit 2019 an der VHS Pankow.
Es war für mich wie ein Kindheitstraum, wahrscheinlich beeinflusst durch Kung-Fu-Filme und -Fernsehserien. Sehr viele Kinder haben die Vorstellung, mit einem Schwert durch die Welt zu gehen und für Gerechtigkeit zu kämpfen. So einen ähnlichen Traum hatte ich auch. Zuerst hat das Tai-Ji-Schwert mein Interesse geweckt. Das war mein Einstieg in diesen Kampfkunstsport. Und durch Zufall, und natürlich auch durch das Lernen von Tai Ji Quan, bin ich auf Qigong gestoßen. So habe ich beides gleichzeitig gelernt.
Was ist der Unterschied zwischen beiden Formen?
Tai Ji Quan stammt aus einer Richtung der Kampfkunst. Da Kampfkunst heutzutage an Bedeutung verloren hat, wird Tai Ji Quan vordergründig als Training angesehen, um Körper und Geist fit zu halten. Qigong hieß ursprünglich Daoyin, was bedeutet „den Körper dehnen und das Qi leiten“. Dabei ist Qi der „Lebensfluss“ oder die „Lebensenergie“, die alles durchdringt, auch den Körper. Qigong dient der Gesundheit und Langlebigkeit. Von vornherein beschäftigt man sich mit der Dehnung des Körpers und den Energieleitbahnen.
Für wen ist welche Form besser geeignet?
Wer sich fit halten möchte, dem empfehle ich, mit Qigong anzufangen, denn Tai Ji Quan ist hinsichtlich Balance, Koordinationsfähigkeit und Raumorientierung viel anspruchsvoller. Qigong ist einfacher und für die meisten Menschen zugänglicher. Erstens sind die Bewegungen nicht so komplex und zweitens lernt man einiges aus der Traditionellen Chinesischen Medizin dazu. Dies ermöglicht eine gesteigerte Wahrnehmung des eigenen Körpers.
Für junge und fitte Menschen, die über eine exzellente Koordinationsfähigkeit verfügen, kann Qigong jedoch eine zu geringe Herausforderung darstellen und zu langweilig sein. Sie können natürlich gleich mit Tai Ji Quan beginnen. Im Kurs „Tai Ji Quan mit Fächer“ vereinen sich Tanz, Tai Ji Quan in Handform und andere Kampfkünste, sodass die Bewegungen sowohl kämpferisch dynamisch als auch anmutig erscheinen.
Wer unschlüssig ist, kann ja beide Formen ausprobieren und sich dann entscheiden. An der VHS Pankow gibt es dafür viele Möglichkeiten.