Die ersten Bürgerinnen, deren Namen ich belegen kann, sind die Schwestern Wins. Katharina und Margarete Wins wurden zwischen 1400 und 1415 geboren und heirateten in die älteste Berliner Familie, Familie Blankenfelde, ein. Das Bürgerrecht zu erwerben, war ihnen ebenso möglich wie den Männern. Es enthob sie nicht männlicher Vormundschaft, gab ihnen jedoch wichtige Rechte in wirtschaftlichen Dingen. Die Bürgerinnen Berlins erwarben Land, bauten Unternehmen auf, wirkten als Diplomatinnen. Sie vertraten die abwesenden Männer im Geschäft und nutzten ihre Netzwerke für Heiraten der Kinder und die Karrieren ihrer Söhne. Herausragend wirkte hier Margarete Blankenfelde. Durch umfangreiche Geldgeschäfte verhalf sie ihrem Sohn Johannes zu den Würden eines Bischofs von Reval 1514 und eines Erzbischofs von Riga 1524. Damit unterstützte sie ihren Landesherrn in seiner Gegnerschaft zur Reformation.
Mit der Einrichtung von Universitäten und Gymnasien seit dem 15. Jahrhundert wird weibliches und häusliches Wissen zunehmend entwertet. Das weibliche Geschlecht wird von höherer Bildung ganz ausgeschlossen. Während aber Kräuterfrauen Menschen heilen konnten, brachten Ärzte insbesondere den Frauen vielfach den Tod. Eine tätliche Verfolgung der weisen Frauen als Hexen gab es in Berlin nur in wenigen Fällen. Die bekannteste Kräuterfrau ist Kurfürstin Katharina, die am Berliner Schloss Apotheke und Kräutergarten anlegte.
Mit dem weiblichen Blick auf die Berliner Geschichte lassen sich nicht bloß Frauen entdecken, die die Geschichtsschreibung vergaß. Es ergeben sich auch neue Themen und Zusammenhänge. Umrunde ich den Schlossneubau, fällt mir die unpassende Kuppel auf. Da ich die Geschichte kenne, denke ich dabei zuerst an den Einfluss und den Machtwillen der Landesfrauen, die an diesem Ort wohnten: Hedwig von Polen, die an ihrem katholischen Glauben festhielt und den Gottesdienst in der Schlosskapelle feierte, als das Land protestantisch wurde. Und Anna von Preußen, die Lutheranerin blieb, als ihr Ehemann Calvinist wurde, und die Cranach-Altäre in die Kapelle rettete.
Meine Vorträge zur Berliner Geschichte holen die Frauen in die Geschichte zurück und stellen sie an den ihnen gebührenden Platz. In jeder Epoche der Berliner Geschichte gab es Frauen, deren Wirken und Einflussnahme erzählenswert sind. Im Frühjahr 2026 beginnt die Reihe „Frauenleben im Spiegel der Berliner Geschichte“ von vorn.
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