Dr. Gerhild Komander

Stadtführerin Dr. Gerhild Komander hält die Porträts zweier Frauen aus dem 15. Jahrhundert hoch
  • Gerhild H. M. Komander studierte Kunstgeschichte, Geschichte, Osteuropäische Geschichte, Germanistik sowie Literaturwissenschaft und promovierte in Kiel.
  • Seit 1990 lebt sie in Berlin. Sie ist als wissenschaftliche Autorin, Publizistin, Dozentin, Reiseleiterin und Stadtführerin tätig. Ihre Veröffentlichungen, Vorträge, Monografien und Aufsätze widmen sich vorwiegend der Berliner und brandenburgisch-preußischen Kunstgeschichte, Geschichte und Topografie. Seit 1998 erforscht sie die Geschichte der Frauen und die weibliche Geschichte der Stadt Berlin.

Ich will die Frauen in die Geschichte zurückholen

In vierzehn Vorträgen erzähle ich die Geschichte Berlins aus der Sicht der Frauen.

Diese Geschichte beginnt im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts. Menschen aus dem Harzgebiet und vom Niederrhein siedelten sich an. Die Stadt Berlin und ihre Schwesterstadt Cölln entwickelten sich aus zwei Siedlungen von Kaufleuten an beiden Ufern der Spree. Dass sie Stadtrechte erhielten, erfahren wir erstmals aus einer Urkunde von 1253.

Im Jahr 1220 verlor Markgräfin Mechthild ihren Ehemann Albrecht II. Sie leistete entscheidende Beiträge zum Wirken ihrer Söhne. Diese sollen ab 1225 (in diesem Jahr waren sie zwölf und zehn Jahre alt) zahlreiche Städte gegründet und Siedlungen mit Stadtrechten versehen haben. Mechthild kaufte die Lehnsvormundschaft, beriet ihre Söhne und gab ihnen Erfahrungen aus der väterlichen Regierungszeit weiter. Berlin und Cölln sollen um 1230 Stadtrechte erhalten haben. Die Verleihung könnte auch in der Regentschaftszeit Mechthilds erfolgt sein. War Mechthild dann die erste namentlich bekannte Berlinerin?

Die Markgräfin verheiratete ihre gleichnamige Tochter Mechthild mit dem Welfenherzog Otto I., genannt das Kind, und befriedete so einen 100 Jahre währenden Streit zwischen zwei sächsischen Fürstenhäusern. In der Berliner Geschichte kommt die Markgräfin nicht vor. So wie ihr ergeht es über 50 nachfolgenden Landesfrauen. Das erste brandenburgische Personenlexikon nannte nicht einmal Königin Luise in einem eigenen Beitrag.

Ein Gruppe steht mit Gerhild Komander auf der Fischerinsel

Die ersten Bürgerinnen, deren Namen ich belegen kann, sind die Schwestern Wins. Katharina und Margarete Wins wurden zwischen 1400 und 1415 geboren und heirateten in die älteste Berliner Familie, Familie Blankenfelde, ein. Das Bürgerrecht zu erwerben, war ihnen ebenso möglich wie den Männern. Es enthob sie nicht männlicher Vormundschaft, gab ihnen jedoch wichtige Rechte in wirtschaftlichen Dingen. Die Bürgerinnen Berlins erwarben Land, bauten Unternehmen auf, wirkten als Diplomatinnen. Sie vertraten die abwesenden Männer im Geschäft und nutzten ihre Netzwerke für Heiraten der Kinder und die Karrieren ihrer Söhne. Herausragend wirkte hier Margarete Blankenfelde. Durch umfangreiche Geldgeschäfte verhalf sie ihrem Sohn Johannes zu den Würden eines Bischofs von Reval 1514 und eines Erzbischofs von Riga 1524. Damit unterstützte sie ihren Landesherrn in seiner Gegnerschaft zur Reformation.

Mit der Einrichtung von Universitäten und Gymnasien seit dem 15. Jahrhundert wird weibliches und häusliches Wissen zunehmend entwertet. Das weibliche Geschlecht wird von höherer Bildung ganz ausgeschlossen. Während aber Kräuterfrauen Menschen heilen konnten, brachten Ärzte insbesondere den Frauen vielfach den Tod. Eine tätliche Verfolgung der weisen Frauen als Hexen gab es in Berlin nur in wenigen Fällen. Die bekannteste Kräuterfrau ist Kurfürstin Katharina, die am Berliner Schloss Apotheke und Kräutergarten anlegte.

Mit dem weiblichen Blick auf die Berliner Geschichte lassen sich nicht bloß Frauen entdecken, die die Geschichtsschreibung vergaß. Es ergeben sich auch neue Themen und Zusammenhänge. Umrunde ich den Schlossneubau, fällt mir die unpassende Kuppel auf. Da ich die Geschichte kenne, denke ich dabei zuerst an den Einfluss und den Machtwillen der Landesfrauen, die an diesem Ort wohnten: Hedwig von Polen, die an ihrem katholischen Glauben festhielt und den Gottesdienst in der Schlosskapelle feierte, als das Land protestantisch wurde. Und Anna von Preußen, die Lutheranerin blieb, als ihr Ehemann Calvinist wurde, und die Cranach-Altäre in die Kapelle rettete.

Meine Vorträge zur Berliner Geschichte holen die Frauen in die Geschichte zurück und stellen sie an den ihnen gebührenden Platz. In jeder Epoche der Berliner Geschichte gab es Frauen, deren Wirken und Einflussnahme erzählenswert sind. Im Frühjahr 2026 beginnt die Reihe „Frauenleben im Spiegel der Berliner Geschichte“ von vorn.

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