Alberto Gobber und Mila Christina Heberlein

Drucktechniken mit Alberto Gobber und Mila Heberlein

“Analog zu drucken, macht einfach Spaß!”

Drucktechniken mit Alberto Gobber und Mila Heberlein

Über Lithografie, Radierung und Kurse im Atelier

Ein Interview mit Alberto und Mila

Hallo Mila, hallo Alberto, woher kommt bei euch diese Verbindung und Liebe zu analogen Techniken?

Alberto: Ich bin ein 90er-Kind. Ich bin mit Schreibmaschinen, VHS-Kassetten und Geräten mit Knöpfen aufgewachsen. In einer Welt voller Touchscreens vermisse ich das Haptische, Analoge einfach sehr.
Mila: Ich habe ab meinem 14. Lebensjahr »die Graphische« in Wien besucht und dort eine Art Fachabitur zur Graphikdesignerin absolviert. Zu meinem Glück war ich im letzten „analogen“ Jahrgang. In späteren Klassen hatten wir auch Computer, aber die Grundausbildung war reines Handwerk. Meinen Beruf komplett digital zu verstehen, liegt mir einfach nicht.

Wie ist es zur Übernahme des Ateliers gekommen?
Nach 10 Jahren Agenturalltag – wir waren damals in derselben Agentur angestellt – hatten wir Lust auf etwas Eigenes. Die vielen Umbrüche während der Pandemie haben uns den Anstoß gegeben, uns selbstständig zu machen. Wir wollten unser eigenes Ding, einen Ausgleich zur Computerarbeit und eine kurzweiligere Abwechslung zu den oft über einen langen Zeitraum laufenden Design-Projekten. Auf der Suche nach einem passenden Raum haben wir das Atelier entdeckt. Eberhard Hartwig, der damalige Inhaber, suchte Nachfolger. Wir waren sofort begeistert – nicht zuletzt durch unsere Liebe zu Illustration und Analogem.

Drucktechniken mit Alberto Gobber und Mila Heberlein

Wer macht welche Drucktechnik am liebsten?
Wir sind beide sehr fasziniert von Lithografie, dem Druck vom Stein. Es ist die einzige Technik, bei der der eigene Strich wie auf Papier erhalten bleibt. Man arbeitet direkt auf dem Druckstock/Stein und druckt genau, was man zeichnet – nur spiegelverkehrt. Der Prozess an sich hat etwas Magisches. Die Lithographie zählt zu den Flachdruckverfahren. Das heißt, der Druckstock hat im Gegensatz zu Hoch- und Tiefdruck keine Höhenunterschiede. Die druckenden und nichtdruckenden Flächen werden chemisch getrennt und es ist immer wieder verblüffend, dass das wirklich funktioniert. Auch ist der Stein an sich ein wunderbares Material. Man wird schon ehrfürchtig, wenn man bedenkt, wie alt dieser Stein ist — die Lithosteine sind 60 bis 150 Millionen Jahre alte Kalksteine, die für den weltweiten Export in Solnhofen in Bayern abgebaut werden.
Wegen unseres Designer-Alltags lieben wir natürlich auch den Bleisatz sehr. Typographie in Form von physischen Buchstaben zu erfahren und analog mit Prägung und tollen Farben zu drucken, macht einfach Spaß.

Ihr habt 2025 am Fachtag des Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer und Väter e. V. – teilgenommen. Müssen Männer besonders angesprochen und motiviert werden?
Wir betreiben nicht ausschließlich das Druckgraphik Atelier, sondern nutzen die Räume auch als Büro für unsere Design-Agentur DGA design for changemakers. Mit der Agentur haben wir uns einen Kundenstamm aufgebaut, der abseits der klassischen Werbung agiert. Wir betreuen also ganz bewusst Akteur:innen, die unserer Gesellschaft etwas Gutes tun wollen. Zu diesen zählt eben auch unser langjähriger Kunde, das Bundesforum Männer. Kurz gesagt bringen sie feministische Interessen aus der Perspektive von Männern voran. Der Besuch auf dem Fachtag hatte also wenig mit dem Interesse zu Drucken zu tun, aber ja, in der Tat sind etwa 75% der Workshop-Teilnehmenden weiblich gelesene Personen. Also: Männer, kommt drucken!

Drucktechniken mit Alberto Gobber und Mila Heberlein

Welche künstlerischen Voraussetzungen muss man mitbringen für einen Kurs bei euch?
Mit Neugierde ist man ausreichend ausgestattet, um einen Kurs bei uns zu besuchen. Wir lehren die Techniken von Grund auf. Es geht in den Kursen nicht darum, ein perfektes Kunstwerk zu erschaffen, sondern darum, das Druckhandwerk kennenzulernen. In dem Prozess kommt aber immer etwas Erfreuliches heraus.

Was ist euch besonders wichtig, den Kursteilnehmer:innen mitzugeben?
Dass sie den Prozess und seine Eigenheiten annehmen. Ein Linolschnitt wird sehr unwahrscheinlich wie eine Bleistiftzeichnung aussehen. Wir wünschen uns, dass die Teilnehmenden sich auf den Prozess, nicht auf das Ergebnis, fokussieren können und sich in unserem Atelier wohlfühlen und eine gute, erfrischende Zeit haben.

Alberto, was hat dich nach Berlin geführt?
Meine Familie. Ich war fertig mit der Uni, meine Schwester hat in Berlin gelebt und damals ein Kind bekommen. Ich wollte in der Nähe sein, unterstützen können und meinen Neffen aufwachsen sehen. Außerdem hat mir die Stadt sehr gut gefallen, mit ihren bunten Plakaten, dem Graffiti überall, der Offenheit und Inklusivität.

Mila, was verbindet euch am meisten in Bezug auf eure Arbeit?
Unsere Herangehensweise ähnelt sich sehr, und wir teilen die gleichen Werte. Wir machen schöne Sachen ohne Schnickschnack für spannende Menschen – das trifft sowohl auf das Atelier als auch die Agentur zu. Wir probieren Dinge aus, ohne vorher zu lange darüber zu reden, und wir vertrauen einander und gehen bei Entscheidungen mit, wenn eine:r von uns wirklich überzeugt ist. In den Bereichen, in denen wir uns unterscheiden, ergänzen wir uns sehr gut.

Wodurch zeichnet sich eurer Arbeit besonders aus?
Ein großer Teil unserer Arbeit ist Kommunikation, und schlussendlich gestalten wir diese auch. In der Agentur verzichten wir bewusst auf eine zwischengeschaltete Projekt-Management-Ebene und kommunizieren lieber direkt mit unseren Kund:innen. Im Atelier ist gute Kommunikation mit unseren Kund:innen zwingend nötig. Wir vermitteln Wissen – das will verständlich und interessant verpackt werden.

Drucktechniken mit Alberto Gobber und Mila Heberlein

Der Unterschied zwischen Hoch- und Tiefdruckverfahren

Das Schöne an den deutschen Bezeichnungen in der Druckgraphik ist, dass sie sehr selbsterklärend sind. Im Hochdruck drucken die erhabenen Flächen, im Tiefdruck die vertieften.
Beim Hochdruck berührt die Farbwalze nur die erhabenen, obenliegenden Flächen des Druckstocks. Die vertieften Bereiche bleiben farbfrei – und damit im fertigen Druck weiß. Das bedeutet: Man schneidet beim Vorbereiten des Druckstocks alle Flächen heraus, die nicht drucken sollen. Das klingt einfacher als es ist, denn das Denken in Positiv und Negativ kann anfangs etwas verwirren. Eine klare Skizze oder eine direkte Vorzeichnung auf dem Druckstock ist deshalb sehr empfehlenswert.
Beim Tiefdruck ist es umgekehrt: Hier drucken genau die Stellen, die mit einem Werkzeug in die Platte geritzt oder gekratzt wurden. Zum Einfärben wird die gesamte Platte zunächst mit Farbe getränkt und anschließend wieder sauber abgewischt – die Farbe bleibt dabei in den feinen Vertiefungen haften. In der Druckpresse wird sie dann mit hohem Druck auf das Papier übertragen.

Kontakt zur VHS Pankow

Servicetelefon: (030) 90295-1700

Fax allgemein: (030) 90295-1704
Fax Deutschbereich: (030) 90295-3939

Haus der Volkshochschule in Pankow

Persönliche Anmeldung: Donnerstag
10.00 – 12.00, 15.00 – 18.00 Uhr
Bezahlung: Kreditkarte / Girocard / SEPA-Lastschrift
(leider nicht rollstuhlgerecht, kein Fahrstuhl)

Volkshochschule Pankow im Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner

Persönliche Anmeldung: Mittwoch,
10.00 – 12.00, 14.00 – 17.00 Uhr
Bezahlung: Kreditkarte / Girocard / SEPA-Lastschrift
(Haupthaus mit Fahrstuhl, Vorderhaus/ServicePoint ohne Fahrstuhl)

Volkshochschule Pankow im Bildungszentrum am Antonplatz

Persönliche Anmeldung:
Dienstag, 12.30 – 16.00 Uhr
Bezahlung: Kreditkarte / Girocard / SEPA-Lastschrift
(Fahrstuhl vorhanden)

Anmeldung

Anmeldeformular siehe Download.
Tipp: Schneller geht es per Onlineanmeldung.
Informationen zur Anmeldung und zur Beratung finden Sie hier.