Integration entscheidet darüber, ob Menschen arbeiten, selbstständig ihren Lebensunterhalt sichern, ihre Kinder im Bildungssystem unterstützen und sich im Alltag sicher orientieren können. Sie entscheidet auch darüber, ob staatliche Leistungen kurzfristig oder dauerhaft in Anspruch genommen werden müssen.
Arbeitsmarktintegration beginnt mit Sprache
Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen: Wird der Zugang zum Sprachenlernen eingeschränkt, verschiebt sich die Arbeitsaufnahme. Menschen verbleiben länger im Leistungsbezug, Qualifizierungswege beginnen später, öffentliche Ausgaben steigen. Integration findet nicht weniger statt, sondern später und mit höheren Folgekosten.
Diese Verzögerung der Integration hat konkrete politische und wirtschaftliche Konsequenzen. Berlin trägt die konkrete Integrationsverantwortung – in Bezirken, Schulen, Jobcentern und Betrieben. Die maßgeblichen Zulassungsentscheidungen für Integrationskurse werden jedoch auf Bundesebene getroffen. Die aktuellen Einschränkungen werden bereits auf Länderebene kritisch adressiert (vgl. Entschließungsinitiative im Bundesrat). Der Bedarf an Sprachförderung bleibt weiterhin hoch. Wird er nicht zeitnah gedeckt, entstehen Verzögerungseffekte: Integration gelingt später und bindet länger Ressourcen auf Landes- und Bezirksebene. Eine Einschränkung beim zentralen Integrationsinstrument schwächt damit die Handlungsfähigkeit der Stadt. Dies setzt die massive Sparpolitik auf Bundesebene fort, die im letzten Jahr auch bereits die Berufssprachkurse getroffen hat. Hier konnten mehr als die Hälfte der geplanten Kurse an den Volkshochschulen nicht angeboten werden und Fachkräften wurden in vielen Fällen der Weg in den Arbeitsmarkt verwehrt.
Die Berliner Volkshochschulen sichern in allen Bezirken die Durchführung staatlich geförderter Integrationskurse.
Mit jährlich rund fast 700 Kursen, ca. 15.340 Teilnehmenden und 518 Kursleitenden stellen sie verlässlich Kapazitäten bereit.
Nach aktueller Einschätzung können 40–50 % der potenziellen Teilnehmenden nicht mehr an Integrationskursen teilnehmen.
Konkret würde das bedeuten:- Mehrere Kursplätze bleiben ungenutzt.
- Hunderte Zulassungsanträge wurden bisher nicht bearbeitet.
- Kurse konnten nicht beginnen oder mussten verschoben werden, dadurch sind auch diejenigen vom Einschnitt betroffen, die bereits eine Berechtigung erhalten haben.
- Einnahmeausfälle belasten die bezirklichen Haushalte.
- Lehrkräfte verlieren Planungssicherheit; qualifizierte Fachkräfte drohen wegzubrechen.
Diese Zahlen zeigen klar: Kurzfristige Haushaltsentlastungen dürfen nicht zu langfristig höheren Integrationskosten führen. Über Jahre mühsam aufgebaute Strukturen werden dadurch nachhaltig beschädigt und teils unwiederbringlich zerschlagen; ein Wiederaufbau wäre nur schwer möglich. Das hat gravierende Folgen – für die Betroffenen, für Betriebe mit dringendem Bedarf an Arbeits- und Fachkräften, für die Dozierenden sowie für die Volkshochschulen.
Verlässlichkeit in der Integrationspolitik bedeutet, Ziele und Instrumente in Einklang zu halten.
Integration gelingt dort, wo politische Zielsetzungen und operative Strukturen ineinandergreifen. Die Berliner Volkshochschulen stehen bereit, diese Aufgabe weiterhin zuverlässig zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Integrationsinfrastruktur unter den aktuellen bundespolitischen Rahmenbedingungen stabil gesichert werden kann.
Arbeitsgemeinschaft der Direktor*innen
der Berliner Volkshochschulen