Vorstandswechsel im Städtepartnerschaftsverein Friedrichshain-Kreuzberg e.V. – Norbert Michalski und Anna Naumann über den Mehrwert innerdeutscher Städtepartnerschaften

Clara Herrmann, Norbert Michalski, Anna Naumann

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann verabschiedet Norbert Michalski als Vorstand und begrüßt Anna Naumann als seine Nachfolgerin.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg pflegt insgesamt elf Partnerschaften zu Städten und Bezirken innerhalb Deutschlands und weltweit. Die Städtepartnerschaften werden durch sechs ehrenamtliche Vereine mitgestaltet. Dazu gehört auch der Städtepartnerschaftsverein Friedrichshain-Kreuzberg e.V., der älteste im Bezirk.

Norbert Michalski hat den Verein 1986 mitbegründet und war viele Jahre lang Vorsitzender, seit über 50 Jahren engagiert er sich für Städtepartnerschaften im Bezirk. Im Sommer dieses Jahres hat er den Vorsitz nun an seine Nachfolgerin Anna Naumann übergeben, die zuvor bereits als Kassiererin im Verein tätig war.

Historischer Ursprung innerdeutscher Städtepartnerschaften

Der Städtepartnerschaftsverein pflegt den Austausch mit und die Beziehungen zu fünf innerdeutschen Partnerstädten: Wiesbaden, Porta Westfalica, Kreis Bergstraße, Ingelheim und Limburg-Weilburg. Die Idee der innerdeutschen Städtepartnerschaft hat ihren historischen Ursprung im geteilten Deutschland der 1960er Jahre: „Nach dem Bau der Mauer appellierte Willy Brandt, damals Regierender Bürgermeister von Berlin, in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Städtetags an die bundesdeutschen Kommunen, die Westberliner Bezirke, insbesondere die Kinder, Jugendlichen und Senioren zu unterstützen“, erklärt Norbert Michalski.

Der studierte Jurist war in der Kreuzberger BVV u.a. für die Betreuung der Städtepartnerschaften zuständig – anders als heute gab es damals noch keinen bezirklichen Beauftragten für Städtepartnerschaften. Aus seiner Arbeit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) speiste sich Norbert Michalskis Motivation, einen Verein zu gründen, der einen Austausch zwischen den Partnerstädten auch auf Ebene der Bürger*innen organisiert, nicht nur für Personen aus der Politik und Verwaltung. 1986 gründete er mit Freund*innen und Gleichgesinnten den Verein, der in der Anfangszeit rund 120 Mitglieder zählte. In den folgenden Jahren regte Norbert Michalski auch die Gründung mehrerer Städtepartnerschaftsvereine in den Partnerstädten an. Seit 1990 gehört auch Kiryat Yam/Haifa in Israel zu den Partnerstädten des Vereins. Diese Städtepartnerschaft ruht aktuell.

Clara Herrmann und Norbert Michalski

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann ehrt Norbert Michalski und dankt ihm für sein langjähriges Engagement.

Austauschreisen, literarische Wanderungen und Kreuzberger Wein aus den Partnerstädten

Der Städtepartnerschaftsverein Friedrichshain-Kreuzberg organisiert Austausche für Jugendliche in Kooperation mit Schulen und Sportvereinen sowie Reisen in die Partnerstädte für Vereinsmitglieder. Bis 2024 veranstaltete der Verein auch „literarische Wanderungen durch die Mark Brandenburg auf den Spuren von Theodor Fontane“ – Wanderungen über fünf Tage hinweg mit einem umfangreichen Kulturprogramm und bis zu 6o Teilnehmenden aus allen Partnerkommunen. Ein besonderes Highlight der städtepartnerschaftlichen Verbindung ist außerdem der Kreuzberger Wein, der aus mehrmaligen Spenden aus Wiesbaden, Ingelheim und dem Kreis Bergstraße stammt und am Kreuzberg angebaut wird.

Zu den Aufgaben des Vorstands gehören vor allem viel Kontaktpflege zu den Vereinen vor Ort und zu den Partnerstädten sowie die Organisation von Veranstaltungen und Austauschreisen. „Das war wie ein zusätzlicher Job“, erzählt Norbert Michalski, der den Vereinsvorsitz jahrelang neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit in der Senatsverwaltung für Finanzen ehrenamtlich ausübte. „Das bedeutete viele Stunden Arbeit abends und am Wochenende, aber es war auch ein Hobby, also hat es immer sehr viel Spaß gemacht.“ Besonders freute er sich immer über die positive Rückmeldung der Jugendlichen. „Die meisten fahren ja mittlerweile nicht mehr innerhalb Deutschlands in den Urlaub, die kommen stets mit ganz neuen Eindrücken von den Austauschen zurück. Da passiert Persönlichkeitsbildung, das prägt für das gesamte Leben.“

Herausforderungen und Pläne für die Zukunft

Anna Naumann ist seit zehn Jahren Mitglied im Verein. Schon vor der Gründung des Städtepartnerschaftsvereins hat sie an Reisen in die Partnerstädte Wiesbaden und Ingelheim teilgenommen. „Ich halte diese Austauschmöglichkeiten und auch die Begegnungen zwischen den einzelnen Gemeinden und Vereinen für sehr wichtig und wusste immer, dass ich mich aktiv einbringen möchte, sobald ich in Rente bin. Jetzt habe ich ein bisschen mehr Zeit und kann das zurückgeben, was ich damals bekommen habe.“

Eine große Herausforderung für den Städtepartnerschaftsverein ist der Mitgliederschwund. Mittlerweile zählt der Verein nur noch rund 40 Mitglieder, nur wenige davon sind unter 60 Jahre alt. „Viele junge Leute können sich heute unter Städtepartnerschaften nichts mehr vorstellen, sie wissen gar nicht, was das Besondere daran ist“, erklärt Norbert Michalski. „Ich wurde auch schonmal gefragt, ob ich Partnervermittlung betreibe“, ergänzt er lachend. Anna Naumann möchte versuchen über eine intensivierte Zusammenarbeit mit den Sportvereinen im Bezirk wieder mehr junge Leute für den Verein zu motivieren. Durch Corona seien viele Kontakte eingeschlafen oder weggebrochen, da müsse man einiges wieder neu aufbauen. Besonders freut Anna Naumann sich, dass das Projekt „Zelle12“ dieses Jahr wieder angelaufen ist und dieser Austausch zwischen den Musikschulen auch in den nächsten Jahren weiter durchgeführt werden soll. Außerdem ist geplant, einen Verwaltungsaustausch für Auszubildende der Partnerstädte wiederaufleben zu lassen. Anna Naumann hat außerdem vor, mit anderen Initiativen zusammenzuarbeiten, z.B. Fluid Connections, die die Partnerschaftsvereine in Friedrichshain-Kreuzberg untereinander vernetzen und über einen Instagram-Kanal auch ein jüngeres Publikum erreichen.

Norbert Michalski bleibt Mitglied im Verein und wird weiterhin unterstützen, gleichzeitig möchte er auch dem neuen Vorstand eigene Entfaltungsmöglichkeiten lassen. „Ich werde nächstes Jahr 82, da wird es Zeit, etwas kürzer zu treten und sich mehr zu erholen.“ Urlaube und Reisen sind bereits in Planung. „Die Partnerstädte hat meine Frau als Urlaubsziele allerdings fürs Erste untersagt.“