Sprache verbindet: Svitlana König im Einsatz für Senior*innen aus der Ukraine

Svitlana König

Wer die Begegnungsstätte „Lebensfreude“ in der Kadiner Straße betritt, merkt schnell: Der Name ist hier Programm. Unter der Leitung von Josipa Skejic finden Bürger*innen aus Friedrichshain ein breites Angebot – von der Smartphone-Sprechstunde über den Literaturkreis bis zur Wandergruppe. Doch klar ist auch: Orte wie dieser leben vor allem durch die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen. Zum Tag des Ehrenamts am 5. Dezember möchten wir einige vorstellen. Eine von ihnen ist Svitlana König. Gemeinsam mit Dr. Uwe Kaczisnki begleitet sie in der Begegnungsstätte „Lebensfreude“ das ukrainische Sprachcafé für Senior*innen. Hier treffen sich Ukrainer*innen aus Friedrichshain-Kreuzberg und anderen Berliner Bezirken, um mit ihrer Unterstützung die Grundlagen der deutschen Sprache zu erlernen.

Deutschunterricht

Von Pryluky nach Berlin

Svitlana König stammt aus Pryluky, einer Stadt rund 120 Kilometer von Kyjiw entfernt. Ihre Begeisterung für die deutsche Sprache begann bereits in der Schulzeit. „Ich konnte stundenlang Grammatikübungen machen“, erinnert sie sich. Kein Wunder, dass sie später Deutsch und Englisch an einer pädagogischen Universität studierte. Besonders prägten sie junge Professor*innen, die von ihren Studienaufenthalten in Deutschland erzählten – ihre Begeisterung sprang auf Svitlana über. In dieser Zeit lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen, einen deutschen Studenten aus der ehemaligen DDR.

Nach ihrem Abschluss arbeitete sie zunächst als Deutschlehrerin und zog anschließend zu ihrem Mann in die ukrainische Hauptstadt, wo sie in der Erwachsenenbildung tätig war. Im Jahr 1993, nachdem beide ihr Studium abgeschlossen hatten, entschieden sich für ein Leben in Berlin. Anfangs wohnte das Paar in Lichtenberg, seit 1996 aber sind sie Friedrichshainer *innen. Die ersten Monate in Deutschland waren nicht leicht: Die Anerkennung ihres Abschlusses zog sich hin, und das neue Studium der Germanistik und Anglistik ließ wenig Raum für Privates. Parallel unterrichtete sie Deutsch, vor allem für Spätaussiedlerinnen, bevor sie in die soziale Arbeit wechselte. Seit 18 Jahren ist sie in der Familienförderung und Hilfen zur Erziehung tätig.

Deutschunterricht

Der Weg ins Ehrenamt

Ihr Weg ins Ehrenamt war eher zufällig: Eine Bekannte erzählte ihr vor vielen Jahren vom Gratulationsdienst des Bezirks – einem Angebot, bei dem ältere Menschen zu Geburtstagen und Jubiläen besucht werden. Svitlana König schloss sich an und blieb so lange, dass sie den genauen Beginn kaum noch datieren kann. Sie berührt besonders, wie unterschiedlich die Menschen auf die Besuche reagieren: Manche nehmen das Grußwort still entgegen, andere öffnen nicht nur die Wohnungstür, sondern auch die Tür zu ihrer Lebensgeschichte.

Über die Ehrenamtskoordinatorin lernte sie später die Begegnungsstätte kennen und erfuhr sie von einer ukrainischen Senior*innengruppe, die keinen Zugang zu Sprachkursen hatte. Ihr spontaner Ausruf: „Warum hat mich keiner gefragt?“ Deutsch zu vermitteln, ist bis heute ihre Herzensangelegenheit. Für viele ältere Menschen ist das Sprachcafé die einzige Möglichkeit, Grundkenntnisse zu erwerben, da staatliche Programme eher jüngere Zuwander*innen im Blick haben.

Wöchentlich trifft sich nun eine Gruppe von Senior*innen in der Kadiner Straße. Die meisten sind zwischen 60 und 80 Jahren alt, eine Teilnehmerin ist bereits 86. Viele von ihnen kamen erst seit Beginn des Krieges nach Deutschland. Um ihnen den Alltag zu erleichtern, übt Svitlana König typische Situationen: Einkaufen, nach dem Weg fragen, Arzttermine vereinbaren. Manchmal hilft sie auch bei offiziellen Schreiben von Behörden. Die unterschiedlichen Vorkenntnisse und begrenzten finanziellen Mittel erschweren die Unterrichtsplanung, doch sie findet Wege. Besonders beliebt sind gemeinsame Märchenlesungen – viele Geschichten sind aus der Ukraine vertraut, was den Zugang erleichtert.

Mindestens genauso wichtig wie das Lernen ist aber das Miteinander. „Die Leute haben hier ihre Gemeinschaft, es geht nicht nur um Unterricht, sondern auch ums Zusammenkommen“, sagt Svitlana König. Auch Ausflüge werden von den Ehrenamtlichen -meist von Dr. Uwe Kaczinski – gelegentlich organisiert, zum Beispiel nach Potsdam oder Britz. Da viele Senior*innen kaum familiäre Kontakte in Berlin haben, sind Angebote wie das Sprachcafé entscheidend, um Isolation im Alter entgegenzuwirken. Nach ihrer Motivation gefragt, wird die gebürtige Ukrainerin Svitlana König kurz still. Viele Teilnehmer*innen sind vor den Folgen des Krieges geflohen, und noch immer ist kein Frieden in Sicht. „Es ist das Einzige, was ich tun kann, um den Leuten zu helfen“, sagt sie. Das Gefühl, etwas zurückgeben zu können, treibe sie an. „Es macht zufrieden zu wissen, dass man jemandem Freude bringen oder helfen kann.“

Svitlana König zeigt, wie wichtig persönliches Engagement für den Zusammenhalt im Bezirk ist. Mit ihrem Einsatz im Sprachcafé unterstützt sie ältere Menschen dabei, sich im Alltag besser zurechtzufinden und Anschluss zu finden. Ihr Beispiel macht deutlich, welchen Beitrag Ehrenamtliche jeden Tag leisten, oft leise, aber mit spürbarer Wirkung für viele.

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Sie haben auch Interesse, sich im Gratulationsdienst oder in einer der kommunalen Begegnungsstätten ehrenamtlich zu engagieren?

Ansprechpartnerin ist die Koordinatorin des ehrenamtlichen Dienstes, Frau Ratsiborynska.
Telefon: (030) 90298 2781
E-Mail: ehrenamt@ba-fk.berlin.de