Rundgang durch die Kreuzberger Quartiersmanagementgebiete Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße und Wassertorplatz

Lars Viehmeyer und Julia Lehmann berichten im Familiengarten des MGH Wassertor über die umfängliche Unterstützung und Förderung durch das Berliner Quartiersmanagement

Lars Viehmeyer und Julia Lehmann berichten im Familiengarten des MGH Wassertor über die umfängliche Unterstützung und Förderung durch das Berliner Quartiersmanagement

Bereits seit 1999 unterstützt das Berliner Quartiersmanagement (QM) benachteiligte Stadtteile (Quartiere). Es startete als Pilotprojekt im Bund-Länder-Städteförderungsprogramm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“.

Seit Beginn arbeitet das Team „Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße im Quartiersmanagement mit besonderen sozialen Integrationsaufgaben daran, den Stadtteil und seine Ankerpunkte zu stabilisieren. Auch das Quartiersmanagement „Wassertorplatz trägt seit 2006 aktiv dazu bei, dass die Bewohnerschaft aktiviert wird und sich der Wassertorkiez weiterentwickeln kann.

Regelmäßig finden zwischen den zwölf Bezirken und deren Quartiersmanagements Austauschtreffen und Rundgänge statt. Anlässlich des 30. Jour Fixes luden Ende Mai zwei der drei Kreuzberger Teams zu einem Rundgang ein, auf dem sie die stetige Infrastrukturstärkung – in der nördlichen Luisenstadt und südlichen Friedrichstadt – vorstellten. Hier befinden sich die sogenannten Ankerpunkte, von denen aus die Arbeit des Quartiersmanagements in die Nachbarschaften hineinwirkt.

Dr. Jochen Lang (re.), SenStadt, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer*innen in den soziokulturellen Projekträumen Bona Peiser und Laila Atrache (mi.,grüne Jacke) erklärte die einzelnen Stationen des Rundgangs

Dr. Jochen Lang (re.), SenStadt, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer*innen in den soziokulturellen Projekträumen Bona Peiser und Laila Atrache (mi.,grüne Jacke) erklärte die einzelnen Stationen des Rundgangs

Bisherige Unterstützung aus QM-Projektfonds über 150.000 Euro für die Bona Peiser

Mehr als 80 Quartiersmanager*innen aus allen Berliner Bezirken und Vertreter*innen unterschiedlicher Senatsverwaltungen hörten interessiert den einführenden Worten von* Laila Atrache* zu, die zusammen mit den Quartiersmanagerinnen Nicole Bosa und Aline Zimmermann im QM-Gebiet „Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße“ arbeitet. Sie übergaben das Mikrofon an Julia Lehmann, Geschäftsführung Wassertor e.V. und Lars Viehmeyer, Büroleitung Quartiersmanagement Wassertorplatz, die gemeinsam mit den Teamkolleginnen Louisa-Christiane Arndt und Seyda Aksünger den weiteren Verlauf der Veranstaltung vorstellten.

Julia Lehmann findet lobende Worte für die soziokulturellen Projekträume Bona Peiser. Inzwischen sind die Räume einer ehemaligen Bücherei saniert und stehen seit 2018 mehr als 16 unterschiedlichen Vereinen und Initiativen für Gruppen- und Projektarbeiten zur Verfügung.

Einen guten Rat hat sie für andere Bauherren und –damen: „Wir haben die bauliche Umsetzung unserer Pläne in professionelle Hände gegeben, was ich sehr empfehlen kann. Alles ist sehr stabil und nachhaltig umgebaut worden, sodass wir auch heute davon noch zehren können. In professionelle Arbeit zu investieren lohnt sich in jedem Fall!“

Als Träger füllt Wassertor e.V. die Bona Peiser mit Leben. Neben unterschiedlichen Vereinen und Initiativen nutzt die Volkshochschule die Räume ebenso wie türkische Frauenvereine. Auf diesem Weg stärkt diese Einrichtung die soziale Infrastruktur. Durch langjährige Bemühungen sei es auch gelungen, Männer aus dem Kiez an die Einrichtung anzubinden.

Erfreut verkündet sie: „Wir bieten inzwischen ein volles Wochenprogramm an und haben damit sehr schnell nach der Öffnung in 2018 eine maximale Auslastung erreicht.“

Entlang der Hochbahn und über das Kottbusser Tor erreicht die Gruppe die Mittelpunktbibliothek Wilhelm Liebknecht/Namik Kemal

Entlang der Hochbahn und über das Kottbusser Tor erreicht die Gruppe die Mittelpunktbibliothek Wilhelm Liebknecht/Namik Kemal

Zahlreiche Projekte wie Straßenfeste, Jugendprojekte, Beratungsangebote für Anwohner*innen werden durch den QM-Projektsfonds unterstützt

So sind zum Beispiel die Sprachkurse für geflüchtete Frauen und auch weitere Bildungs- und Kulturprogramme mit sozialem, integrativem Charakter sehr gut im Kiez eingeführt.

Lars Viehmeyer stellt das Projekt „Gitti & Gerda – Gemeinsam Einsam” vor, welches sich großer Beliebtheit erfreut und älteren Menschen vielfältige Aktionen wie z.B. Tanzveranstaltungen oder Ausflüge mit motorisierten Dreirädern bietet.

Beim anschließenden Spaziergang erreichten die Teilnehmer*innen über die Kreuzberger Lobeckstraße, vorbei am Familienzentrum Ritterburg und dem Lobeckpark, der durch eine erfolgte Aufwertung durch das Straßen- und Grünflächenamt inzwischen wieder von Anwohner*innen als solcher genutzt werden kann, das Mehrgenerationenhaus (MHG) Wassertor.

Dort begrüßte Leiterin Julia Lehmann alle Gäste im prächtigen Nachbarschaftsgarten mit seinen Hochbeeten. Seit 17 Jahren arbeitet das MGH hier am Platz und schafft neue Netzwerke und Kooperationen. „Das hat geholfen, dass wir inzwischen zu einem echten Stadtteilzentrum ernannt wurden.“ Das Mehrgenerationenhaus wurde 2007 auf Initiative des Quartiersmanagements vor Ort gegründet. Das komplette Gebäude wurde durch QM-Mittel saniert, qualifiziert und ausgestattet. Seither hat sich der Standort beständig weiterentwickelt. Durch das Team wurden laufend die konkreten Bedarfe aus der Kiezbevölkerung gesammelt – wenn möglich – entsprechende Angebote entwickelt oder umgesetzt. Hierbei gab es stets eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Mehrgenerationenhaus und dem Quartiersmanagement, beispielsweise bei der Modernisierung des Gebäudes über den Baufonds.

Leiterin Ranija Hemieda erläutert die Rolle der Bibliothek im Kiez

Leiterin Ranija Hemieda erläutert die Rolle der Bibliothek im Kiez

Verbesserung der Attraktivität und Aufenthaltsqualität der Mittelpunktbibliothek in der Adalbertstraße

Nach etwa 15 Minuten Fußweg erreichte die Gruppe entlang der Hochbahn und über das Kottbusser Tor die Mittelpunktbibliothek Wilhelm Liebknecht/Namik Kemal. In der ersten Etage wurde sie von Leiterin Ranija Hemieda in der Kinder- und Jugendbibliothek erwartet, die erst kürzlich durch QM-Mittel farbenfroh und funktional gestaltet wurde. „Hier sind alle Möbel flexibel, da sie Rollen haben. So haben wir die Möglichkeit geschaffen, auch neue Nutzungsformen, so wie heute zum Beispiel, hier anzubieten.“

In einem kurzweiligen Vortrag führte Ranija Hemieda aus, warum dieser schöne Ort direkt am Kottbusser Tor eine sehr wichtige Rolle für das Gemeinwesen des Quartiers spiele. „Im letzten Jahr haben wir das 60. Jubiläum dieser Bibliothek gefeiert. Als sogenannter „dritter Ort“ erfüllt die Bibliothek eine wichtige Funktion, indem sie neben der Wohnung und der Schule bzw. der Arbeit einen dritten elementaren Sozialraum schafft, an dem Menschen sich begegnen und austauschen, Zeit miteinander verbringen und dabei keinem Konsumzwang unterliegen.“

Nach einer kurzen Besichtigungsrunde durch die Bibliothek zogen alle Teilnehmer*innen über die Adalbertstraße in die Oranienstraße 34. Im ersten Hinterhof öffneten sich die Türen zum Stadteilzentrum Familiengarten e.V..

Volles Haus im Familiengarten - Kotti e.V. ist seit 1986 mit der Nachbarschaftsarbeit in Sachen Bildung, Jugendhilfe, Beratung und Gemeinwesen tätig

Volles Haus im Familiengarten - Kotti e.V. ist seit 1986 mit der Nachbarschaftsarbeit in Sachen Bildung, Jugendhilfe, Beratung und Gemeinwesen tätig

Infrastrukturstärkung optimiert gemeinwesenorientierte Angebote im Stadtteilzentrum Familiengarten (Kotti e.V.)

Monique Messikh-Müller, Geschäftsführerin des Kotti e.V., stellte die umfangreiche Arbeit des Nachbarschafts- und Gemeinwesenvereins vor, der sich bereits seit 1986 mit der Nachbarschaftsarbeit in Sachen Bildung, Jugendhilfe, Beratung und Gemeinwesen beschäftigt. „Wir leben und arbeiten hier rund um das Kottbusser Tor für alle. Das heißt, für ganz junge Menschen, für die wir in einer unserer Kindertagesstätten Platz haben, bis hin zu den zahlreichen älteren Menschen, die ebenfalls bei uns willkommen sind. Es ist unser Ziel mit Hilfe unseres professionellen Teams, gemeinsam mit den Anwohnenden an der Verbesserung der Lebensqualität zu arbeiten. Was uns bisher sehr gut gelungen ist!“

Abschließend, bei einem gemeinsamen Imbiss, findet Alexandra Kast von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Worte des Dankes an alle Beteiligten.

Die Arbeit der drei Kreuzberger QM-Teams trägt täglich zur Bereicherung und Sicherung des Kiezlebens bei

Die QM-Teams „Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße“ und „Wassertorplatz“ haben an diesem frühen Nachmittag eindrucksvoll gezeigt, wie zahlreich die soziokulturellen Angebote in den verschiedenen Ankerpunkten im Kiez vertreten sind, und wie nachhaltig und erfolgreich diese, unter anderem aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement inzwischen arbeiten. So tragen sie täglich zur Bereicherung und Sicherung des Kiezlebens bei.

Gemeinsam mit dem dritten Kreuzberger Quartiersmanagementgebiet am Mehringplatz werden die QM-Gebiete am Kottbusser Tor und im Wassertorkiez Ende 2027 aus der Förderung entlassen.