Kinderchöre der Musikschule: Jedes Kind ist willkommen

Kinderchöre

Das Instrument des Jahres 2025 ist die Stimme. Für all diejenigen, die nicht nur unter der Dusche oder beim Kochen singen möchten, gibt es in unserem Bezirk ein vielfältiges Angebot an Chören – mit ganz unterschiedlichen Profilen. Allein die Musikschule unseres Bezirksamtes hat elf verschiedene Chöre. Auch für Kinder ab vier Jahren, die gern singen, gibt es entsprechende Angebote.

Teresa Rieth leitet die drei Kinderchöre der Musikschule am Standort Kreuzberg. Für die Kleinsten gibt es den Chor für Kitakinder von 4 bis 7 Jahren. Junge Schulkinder singen im Chor für 7- bis 9-Jährige. Im Anschluss gibt es den Chor für 9- bis 12-Jährige. Wer danach dabeibleiben möchte, kann in den Jugendchor wechseln.

Viele der Kinder, die mit vier Jahren anfangen, wachsen mit den Chören auf. „Das ist für mich immer sehr rührend, wenn ich diejenigen im Jugendchor sehe, die als Kitakinder bei mir angefangen haben.“ Für die Teilnahme an einem der Chöre wird ein Beitrag für die Musikschule fällig. Für Kinder, die an der Musikschule bereits ein Instrument lernen, gelten die Chöre als Begleitfach, sodass keine zusätzlichen Gebühren fällig werden.

Teresa Rieth

Chorleiterin Teresa Rieth

Viele Kinder kommen über frühmusikalische Angebote

2015 übernahm Teresa Rieth die Leitung aller fünf Kinderchöre der Musikschule. Neben den drei Chören in Kreuzberg war sie damals auch noch für die zwei Kinderchöre am Friedrichshainer Standort zuständig. Die Leitung dieser Chöre in der Zellestraße hat inzwischen ihre Kollegin Alexandra Schulz übernommen. Die Nordrhein-Westfälin kam 2013 nach Berlin und ist seitdem an der Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg. Sie bietet unterschiedliche Formate der musikalischen Früherziehung an, gibt Gesangsunterricht und leitet die Chöre. In ihrer Kindheit hat sie selbst keine Musikschule besucht, kommt aber aus einem sehr musikalischen Elternhaus und war während ihrer Schulzeit an einer Waldorfschule regelmäßig in musikalische Projekte eingebunden, wie die Inszenierung der Dreigroschenoper, in der sie mitsang. Nach der Schule wollte Teresa Rieth ursprünglich Opernsängerin werden, entschied sich dann aber um und studierte elementare Musikpädagogik und Gesangspädagogik an der Universität Wuppertal. Nach dem Studium arbeitete sie erst beim Knabenchor „Wupppertaler Kurrende“ und anschließend an der Musikschule Bochum.

Viele der kleinen Kinder, die mit vier oder fünf Jahren zum Chor kommen, haben vorher Eltern-Kind-Kurse der elementaren Musikpädagogik besucht oder an einem frühmusikalischen Angebot mit ihrer Kita teilgenommen.

Kinderchöre

Inklusive und integrative Arbeit

An den Kinderchören darf jedes Kind teilnehmen, das Lust hat zu singen. „Es ist unsere Aufgabe als Musikschule, inklusiv und integrativ zu arbeiten.“ Auch wenn ein Kind im Chor fünf Jahre lang brumme, sei das völlig in Ordnung. „Wo sollen denn alle Kinder gemeinsam singen, wenn nicht in der Musikschule!“ Gleichzeitig gibt Teresa Rieth den Sänger*innen ehrliches Feedback, wenn sich jemand auf ein Musikgymnasium bewerben will. Viele der Chormitglieder wechseln nach der Grundschule aufs Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium am Frankfurter Tor. „Leider hören dann viele mit dem Chor auf, weil sie dort musikalisch eingebunden sind. Das ist natürlich etwas schade für uns. Wir bereiten sie vor – und wenn sie dann richtig gut singen können, gehen sie weg.“ Generell erlebt die Chorleiterin ihre jungen Sänger*innen als extrem selbstbewusst. „Die Kinder können schon sehr gut kommunizieren und sagen, was sie wollen und was nicht.“ Das sei in der Zusammenarbeit eine große Freude.

In jedem der Chöre sind 15 bis 30 Kinder. Damit sind die Kinderchöre voll belegt. Besonders gefragt ist der Chor für die Kleinsten. Die älteren Kinder hätten teilweise schon andere Hobbys und kämen vom Singen ab. „Aber das sollte auf keinen Fall abschrecken. Wer Lust hat, sollte sich auf jeden Fall auf die Warteliste setzen lassen.“ Die Listen seien zwar lang, jedoch stelle man fest, dass viele auf den Listen in der Zwischenzeit andere musikalische Aktivitäten gefunden hätten, sodass man auch auf den hinteren Plätzen der Liste die Chance hat, früher oder später mitzumachen.

Die absolute Mehrheit der Kinder in den Chören kommt aus Kreuzberg, viele von ihnen wohnen fußläufig zur Musikschule. Der Großteil der Sänger*innen komme aus gutbürgerlichen Familien. Die Chorleiterin würde sich eine stärkere soziale Durchmischung wünschen. Wenn sie in den Früherziehungskursen mit den Kitas feststellt, dass einzelne Kinder viel Begeisterung für Musik haben, versucht sie immer, über die Erzieher*innen die Eltern zu kontaktieren, um die Kinder für den Chor zu gewinnen. Nicht immer ist sie damit erfolgreich.

Kinderchöre

Mehr Mädchen als Jungen

Schon bei den Kleinsten sind mehr Mädchen dabei, als Jungen. Bereits im Kindergartenalter liegt die Quote bei rund 65 zu 35 Prozent. Mit zunehmendem Alter geht die Quote der Jungen immer weiter runter. „Das dünnt sich leider schnell aus und ist dann eine katastrophale Durchmischung.“ Generell habe das Singen bei den Jungs ein Imageproblem. Aktuell gibt es in allen drei Chören eine Hand voll Jungen, auch bei den 11- und 12-Jährigen. „Das ist eine absolute Ausnahme und ein echter Glücksfall.“

Eine weitere Herausforderung mit den Jungen, die in den Chören mitmachen, sei deren Verhalten. „Die nehmen teilweise den ganzen Unterricht auseinander und stören die Mädchen, die konzentriert dabei sind.“ Eine Idee sei daher, einen reinen Jungenchor anzubieten, in dem noch mehr mit Bewegung gearbeitet werde.

Gesungen wird alles, worauf die Chorleiterin und ihre jungen Sänger*innen Lust haben. Jahreszeiten und Feste geben einen Rahmen für saisonale Lieder. Neben den klassischen Kinderliedern, die die Kinder aus dem Elternhaus und der musikalischen Früherziehung kennen, ist das auch Musik aus aller Welt vertreten. „Sehr viele der Kinder haben mindestens ein Elternteil aus einem anderen Land. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in unserer Musik wider. Wir schauen immer gemeinsam auf der Karte, wo die Lieder herkommen, die wir singen.“ Wichtig sei, dass die Lieder nicht zu komplex seien, da die Kinder auswendig singen. Auch klassische Musik lässt die Chorleiterin immer wieder einfließen. Die Kinder können auch eigene Ideen einbringen: „Wenn sich das vorgeschlagene Lied eignet, nehme ich die Vorschläge gern auf. Gerade wenn sie älter werden, sind das dann häufiger Songs aus dem Radio.“

Kinderchöre

Aktuell übt sie mit den älteren Kindern „Hallelujah“ von Leonhard Cohen. Die Kleinen proben einen Kanon von Uli Führe. Auch pentatonische Musik singt Teresa Rieth mit den Kindern. „So bleibt das Hören frei. Außerdem passt das sehr gut zu den Kinderstimmen.“ Generell wird in den Chören viel mit Bewegung gearbeitet. Dazu gehören bei den Kleineren vor allem Tanz und Rhythmusspiele. Bei den Älteren müsse man die Körperarbeit dann schon etwas anders verpacken.

Schon bei den Kleinsten wird mit Kanons das zweistimmige Singen geübt. „Manchmal improvisieren wir beim Einsingen auch eine zweite Stimme.“ Bei den älteren Gruppen werden die Stimmen schon richtig aufgeteilt.
Auftritte haben die Kinderchöre immer mal wieder im Kontext der Musikschulveranstaltungen, etwa am Tag der offenen Tür, beim jährlichen Musikschulfest oder auf dem Weihnachtskonzert. Außerdem nehmen die Chöre im Rahmen des Festivals für neue Musik an der Klangwerkstatt teil.

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Im März haben wir im Bezirksticker den Kreuzberger Kitsch-Chor vorgestellt.