Aber nicht nur das: „Oft sind bei Bauarbeiten die Wurzeln im Weg, die dann einfach entfernt werden.“ Die Wurzelverletzungen führen regelmäßig zu Fäulnis. Dabei sind Baufirmen in Berlin dazu verpflichtet, die Regeln des Baumschutzes einzuhalten und bei Wurzelfund nur händisch weiterzuarbeiten. Dennoch kommt es immer wieder zu Verstößen von Baufirmen gegen diese Auflagen. Aufgrund der hohen Anzahl von Baustellen und der teils nur kurzen Öffnungen der Straßen, kann das Bezirksamt bei dem ohnehin geringen Personal auch nicht immer die Einhaltung des Baumschutzes kontrollieren. Doch die Auswirkungen auf Standsicherheit und Gesundheit des Baumes können massiv schädlich sein. Sollten solche Verstöße gegen den Baumschutz beobachtet werden, können diese dem Amt gemeldet werden.
Hier fordert Kerstin Ehebracht größeren Respekt und Wertschätzung gegenüber den Bäumen, die die Wurzeln für die Standfestigkeit und für die Versorgung benötigen. Auch die sogenannten Feinwurzeln im oberen Bodenbereich sind unentbehrlich. „Der Nutzungsanspruch an den Straßenraum ist immens. Wir wissen nicht, was bei Bauarbeiten alles passiert. Sogar Starkwurzeln werden abgetrennt, die Gruben anschließend wieder geschlossen und schon der nächste Sturm kann das Elend zutage bringen“, weiß sie, „denn diese Bäume sind dann nicht mehr standsicher“.
Regelmäßig alle fünf Jahre werden Color-Infrarot-Luftbildaufnahmen erstellt und ausgewertet und anschließend die Ergebnisse im sogenannten ‚Straßenbaum-Zustandsbericht Berliner Innenstadt veröffentlicht. „Anhand dieser Bilder ist erkennbar, wie sich der Zustand der Stichprobenbäume entwickelt.“
Da die Bezirksämter ihrer Verkehrssicherheitspflicht nachkommen müssen, werden Bäume, die starke Schäden aufweisen und nicht mehr standsicher sind, gefällt. „Das entscheiden die bezirklichen Fachleute. Wir sehen mit Sorge auf die Gesamtzahlen im Verhältnis zu den Neupflanzungen: Allein in der Zeit von 2014 bis 2024 wurden in Berlin 38.500 Straßenbäume mehr gefällt als neugepflanzt!“
Für mehr Nachpflanzungen soll neben den bereits genannten Maßnahmen auch die seit 2012 bestehende Stadtbaumkampagne helfen. Hiermit unterstützt die Senatsverwaltung die Berliner Bezirksämter bei der Pflanzung und Nachpflanzung von Straßenbäumen, denn die Pflanzungen der Stadtbaumkampagne werden zusätzlich zu den Pflanzungen der Bezirksämter durchgeführt.
Kerstin Ehlebracht: „Wir müssen mehr für unsere Bäume tun – besser pflegen und mehr pflanzen. Vielen stehen sie im Weg, aber wir alle brauchen sie!“