Ein Stück Normalität im ukrainischen Kriegsgebiet – VHS Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt Schüler*innen in Chmelnyzkyj mit moderner Technik

Maik Walter, Direktor der VHS Friedrichshain-Kreuzberg, Bärbel Schürrle, Leiterin des Amtes für Weiterbildung und Kultur, Inna Arion, stellv. Direktorin der Kunstschule Zarichhia und Dr. Daryna Rahemtulla, VHS-Dozentin

Maik Walter, Direktor der VHS Friedrichshain-Kreuzberg, Bärbel Schürrle, Leiterin des Amtes für Weiterbildung und Kultur, Inna Arion, stellv. Direktorin der Kunstschule Zarichhia und Dr. Daryna Rahemtulla, VHS-Dozentin

Nur rund 1.170 Kilometer von Berlin entfernt, im vom russischen Angriffskrieg erschütterten Chmelnyzkyj, erleben Schulkinder und Lehrende einen Hoffnungsschimmer: Dank einer Spendenaktion der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg und engagierter Initiatorinnen erhalten sie moderne interaktive Whiteboards – ein kleines Stück Normalität in schweren Zeiten.

Während in Berlin neue Technik Einzug in den Unterricht hält, steht sie anderswo für einen Traum, der fast unerreichbar scheint: In Chmelnyzkyj, einer immer wieder bombardierten Stadt in der Westukraine, fehlten digitale Unterrichtsmittel an vielen Schulen. Hier setzt die Geschichte zweier Schwestern an: Inna Arion, stellvertretende Direktorin der Kunstschule Zarichhia in der Ukraine, und Dr. Daryna Rahemtulla, Dozentin an der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg.

Viele Helfer*innen verpackten die Technik und machten sie für einen sicheren Transport fertig

Viele Helfer*innen verpackten die Technik und machten sie für einen sicheren Transport fertig

Zahlreiche Einzelspenden für die Transportkosten

Daryna Rahemtulla brachte die Idee ins Rollen, als sie während einer Schulung an der VHS nach dem Schicksal ausgedienter, aber noch funktionsfähiger digitaler interaktiver Whiteboards fragte. Sofort war ihr klar: Diese Geräte könnten in Chmelnyzkyj einen gewaltigen Unterschied machen und dem von Krieg betroffenen Alltag der Kinder ein wenig Stabilität und moderne Bildung bringen.

Die Idee fand offene Ohren und nach kurzer Abstimmung erklärte sich die VHS bereit, die insgesamt acht ausrangierten Whiteboards zu spenden – inklusive Unterstützung bei der oft aufwendigen Bürokratie des Transports in die Ukraine. Rasch wurde eine Spendenaktion von den Schwestern ins Leben gerufen, um die Transportkosten in Höhe von über 2.200 Euro zu finanzieren.

Die Resonanz war überwältigend: Viele Menschen, auch besonders viele Ukrainer*innen beteiligten sich mit kleinen Beträgen, oft zehn oder zwanzig Euro, um einen Beitrag für die Zukunft der Kinder in ihrer Heimat zu leisten. „Sie wollten ihnen zeigen, dass man an sie denkt und ihnen trotz des Krieges Hoffnung schenkt“, berichtet Daryna Rahemtulla.

Mit dem Einzug dieser modernen Lehrmaterialien ist die Schule inzwischen zur beliebtesten in der gesamten Stadt geworden

Mit dem Einzug dieser modernen Lehrmaterialien ist die Schule inzwischen zur beliebtesten in der gesamten Stadt geworden

Die 355 Schüler*innen freuen sich über die moderne Technik

Maik Walter, Direktor der VHS Friedrichshain-Kreuzberg, betont: „Jetzt erst recht wollten wir, dass die Boards in der Schule ankommen – für die Kinder, damit sie mit Zuversicht lernen können.“

Dank des gemeinsamen Engagements wurde der Transport schließlich gesichert.
Inna Arion reiste extra nach Berlin, um bei der sorgfältigen Verpackung der Geräte persönlich dabei zu sein: „Als alle Geräte im LKW geladen waren, begann für uns eine schlaflose Woche. Wir wussten nicht, ob alles klappt auf dem Weg in die Ukraine.“ Doch die Hoffnung und der gemeinsame Einsatz zahlreicher Menschen ließen die Anspannung bald weichen – es klappte! Die Technik erreichte sicher die weit entfernte Stadt Chmelnyzkyj.

Am Tag der Ankunft standen die Kolleg*innen der Kunstschule bereits ab sechs Uhr morgens vor dem Schulgebäude bereit, voller Vorfreude und Dankbarkeit. Inna Arion berichtet: „Für mich und meine Kolleg*innen, besonders für die Kinder, bedeuten sie die große, weite und freie Welt! Sie haben unser Schulleben, die Art des Unterrichtens und Lernens von heute auf morgen verändert.“ Trotz der schweren Umstände sei es eine wahre Freude, den Kindern beim interaktiven Lernen zuzusehen. Besonders im Musikunterricht eröffnen die neuen digitalen Geräte ganz neue kreative Möglichkeiten und Raffinessen.

Mit dem Einzug dieser modernen Lehrmaterialien ist die Schule inzwischen zur beliebtesten in der gesamten Stadt geworden. „Zurzeit unterrichten wir im Vormittags- und Nachmittagsunterricht etwa 355 Schüler*innen. Das macht uns sehr stolz und glücklich. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich!“, so Inna Arion voller Zuversicht und Dankbarkeit.

Auch die Mutter der beiden Schwestern half beim Transport und ist happy, dass alles so gut geklappt hat

Auch die Mutter der beiden Schwestern half beim Transport und ist happy, dass alles so gut geklappt hat

Die VHS Friedrichshain-Kreuzberg spielt eine wichtige Rolle in der Unterstützung von Geflüchteten und Migrant*innen in Berlin

Die Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg spielt eine wichtige Rolle in der Unterstützung von Geflüchteten und Migrant*innen in Berlin. Aktuell lernen rund 200 Menschen aus der Ukraine hier die deutsche Sprache in Integrationskursen, zusätzlich besuchen etwa 50 Ukrainer*innen Elternkurse und noch einmal so viele besuchen Berufssprachkurse. Sie erhalten so notwendige Grundlagen für ein Leben in Deutschland.

Bärbel Schürrle, Leiterin des Amtes für Weiterbildung und Kultur, hebt die gegenseitige Bereicherung der Zusammenarbeit hervor: „Wir können von unseren Kolleg*innen in der Ukraine viel lernen. Wir freuen uns, dass die Geräte dort zum Einsatz kommen und dazu beitragen, wenigstens etwas Zuversicht und Optimismus zu verbreiten. Das brauchen die Menschen.“

Daryna Rahemtulla und Inna Arion sammeln erneut Spenden für einen weiteren Transport ausrangierter Technik

Daryna Rahemtulla und Inna Arion sammeln erneut Spenden für einen weiteren Transport ausrangierter Technik

Jede Unterstützung zählt!

Das Engagement der Schwestern hält weiter an: Inzwischen konnten sie zahlreiche weitere Geräte zusammentragen, die den Alltag an den Schulen in der Ukraine deutlich aufwerten sollen.

Dazu gehören 48 ausrangierte Monitore, 48 Computer, sowie ein Ladeschrank mit 24 Tablets. Für den Transport dieser dringend benötigten Geräte sind noch etwa 1.500 Euro Spenden notwendig.

Jede Unterstützung zählt, um das Projekt weiter voranzubringen und den Kindern vor Ort Zukunftschancen zu ermöglichen.

Daryna Rahemtulla: „Bisher haben wir 146 Euro für den Transport gesammelt, wir stehen noch am Anfang und freuen uns über jeden Cent, der uns dabei hilft, die Geräte in die Ukraine zu bringen!“

Hier kann mit einer Spende geholfen werden.