Wichtig sei eine Sensibilisierung für das Thema Gewalt. Dafür hatten die Mitarbeiter*innen des Dütti-Treffs die Idee, die Frauen aus ihrem Umfeld herauszuholen und mit ihnen an einem Ort abseits des eigenen Zuhauses, intensiv an Themen zu arbeiten. Dieser Ansatz kommt aus der Jugendarbeit, wo Gruppenreisen recht verbreitet sind. Gemeinsam mit der sozialraumorientieren Planung und Koordinierung des Bezirksamtes erarbeitete Emine Yilmaz das Konzept. Das Angebot der Mütterreisen wird aus Mitteln der kiezorientierten Gewaltprävention der Landeskommission Berlin gegen Gewalt finanziert. „Ich liebe dieses Projekt, weil es so viel in kurzer Zeit bewirkt.“
Seit 2019 reist Emine Yilmaz einmal im Jahr mit 25 Frauen für eine Woche in die Türkei. „Das ist aus zwei Gründen praktisch: Einerseits passt dieses Reiseziel vom Budget her sehr gut, andererseits spreche ich dort die Landessprache.“ Die letzte Fahrt fand im November 2024 statt. Wichtig sei, dass die Mütter tatsächlich alleine reisen. Nur im ersten Jahr war ein Säugling mit dabei. Inzwischen achtet Emine Yilmaz darauf, dass keine Kinder dabei sind. „Die Frauen freuen sich, mal eine Woche, ohne ihre Familie unterwegs zu sein.“ Die Bandbreite derer, die mitfahren, reicht von Müttern mit Kleinkindern über Mütter mit Töchtern und Söhnen im Jugendalter bis zu Müttern, deren Kinder bereits erwachsen sind. Es sei sehr wichtig, die Gruppe gut zu mischen.
Die Mütter, die sie auf die Reise mitnehmen möchte, spricht Emine Yilmaz selbst an. „Ich kenne die Frauen hier in der Nachbarschaft und deren Probleme sehr gut. Ich spreche also sehr gezielt diejenigen an und frage, ob sie Lust haben, mitzukommen, von denen ich denke, dass sie ein entsprechendes Angebot sehr gut gebrauchen können.“ Anfangs seien die Reaktionen sehr verhalten gewesen. Mittlerweile kämen manche Frauen aus dem Kiez eigenständig auf sie zu. Damit die Mütter mitkommen konnten, musste Emine Yilmaz in der Vergangenheit intensive Gespräche führen, auch mit den Ehemännern. Bei den Männern müsse sie teilweise viel Überzeugungsarbeit leisten. Das inhaltliche Ziel der Reise müsse sie dabei etwas verpacken.
„Mit dem Thema Gewalt mache ich keine Werbung.“ Über die Jahre habe sich aber rumgesprochen, was auf dieser Reise passiere und worum es gehe. Jetzt wisse man in der Siedlung natürlich mehr über das Projekt als früher. Vereinzelt gab es Situationen, in denen die Männer nicht überzeugt werden konnten. Warum eine Frau nicht mitkommen kann, wird in der Regel nicht so konkret gesagt, sondern aus anderen Gründen abgelehnt. „Meistens werden die Kinder vorgeschoben, aber zwischen den Zeilen, höre ich schon raus, dass der Ehemann oder auch die Schwiegermutter nicht möchten, dass diese Frau mitkommt.“ Es gebe Männer, die Emine Yilmaz proaktiv ansprechen und klarmachen, dass sie deren Frauen gar nicht erst fragen brauche. „Auf der anderen Seite gibt es aber durchaus auch Männer, die zu mir kommen und sagen, das Projekt sei cool.“