Martina Teschner – 40 Jahre im öffentlichen Dienst: Zwischen Detektivarbeit und Datenschutz

Martina Teschner und Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann

Martina Teschner hat in diesem Jahr ihr 40-jähriges Dienstjubiläum. In einer feierlichen Veranstaltung dankte Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann ihr für ihren langjährigen und engagierten Einsatz im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Ihre Laufbahn im öffentlichen Dienst begann 1985 im damaligen Bezirksamt Zehlendorf als Stadtinspektoranwärterin. Es folgten Stationen und Ausbildungen in verschiedenen Ämtern – unter anderem im Bau-, Sozial- und Haushaltsamt. Im Laufe ihrer Karriere absolvierte sie zahlreiche Weiterbildungen, etwa zur Ausbilderin und zur behördlichen Datenschutzbeauftragten.

Ursprünglich war dieser Berufsweg nicht geplant. Vor ihrer Zeit im öffentlichen Dienst arbeitete Martina Teschner in der Filmbranche als Cutterin. Doch geregelte Arbeitszeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gaben schließlich den Ausschlag für den Wechsel. „Heute mache ich drei Kreuze, dass ich diesen Schritt gegangen bin“, sagt sie rückblickend.

Seit 2010 ist Martina Teschner als Innenrevisorin tätig – zunächst im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf in der Abteilung für Bauwesen, Immobilien und Verkehr. 2018 wechselte sie in das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Aufgabenfeld Revision: Zwischen Kontrolle und Beratung

Die Innenrevision ist ein zentrales Instrument zur Korruptionsprävention und zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im öffentlichen Dienst. Martina Teschner prüft Einnahmen wie Ausgaben, hinterfragt Verwaltungsakte, bewertet Abläufe – immer mit dem Ziel, Fehlerquellen zu erkennen und Verbesserungen anzustoßen.

„Revision ist immer Detektivarbeit – man muss kreativ sein. Aber ich komme ans Ziel“, beschreibt sie ihre Tätigkeit. Besonders wichtig sei ihr dabei eine wertschätzende Haltung gegenüber den Beschäftigten: „Ich war selbst Sachbearbeiterin und habe auch Fehler gemacht. Ich kenne die andere Seite und will nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Ämter laufen.“

Bei auffälligen Vorgängen erstellt sie sogenannte Revisionsberichte, in denen sie die Sachlage dokumentiert und bewertet. Die Arbeit erfordert in Berlin nach wie vor meist den Zugriff auf Papierakten, da digitale Signaturen und vollständig elektronische Aktenführung noch nicht flächendeckend etabliert sind. Ihr Motto lautet daher: „Wer schreibt, der bleibt.“

Unabhängig, engagiert, vernetzt

Martina Teschner agiert weitgehend unabhängig. Mit Ausnahme der Bezirksbürgermeisterin ist sie keinen Weisungen unterworfen und kann so alle Ämter und Organisationseinheiten frei prüfen. „Ich bin sehr frei und habe umfangreiche Befugnisse im Rahmen meiner Tätigkeit“, betont sie.

Ein besonders wichtiges Anliegen ist ihr die Transparenz. So hat sie unter anderem die Einführung von EC-Karten im Zahlungsverkehr des Bezirksamts initiiert, um Bargeldtransaktionen zu minimieren und mehr Sicherheit zu schaffen. „Früher kam es regelmäßig zu Privatauslagen, das haben wir damit deutlich reduziert.“

Auch auf der Einnahmenseite schaut sie genau hin: „Wenn zum Beispiel ein Bußgeld verhängt wurde, prüfe ich, ob es auch tatsächlich eingezogen wurde – sonst gehen der Verwaltung Einnahmen verloren.“

Im Verdachtsfall bindet sie stets die Personalvertretung mit ein und achtet auf eine faire und wertneutrale Vorgehensweise: „Ich versuche immer, zu zweit in Gespräche zu gehen und urteile nicht vorschnell.“

Revision als Netzwerk und Austauschplattform

Berlinweit hat Martina Teschner ein Netzwerk für Revisor*innen aufgebaut, das sich regelmäßig zum fachlichen Austausch trifft. „Wir haben mit fünf, sechs Leuten angefangen. Inzwischen ist es eine große Runde. Das vierteljährliche Treffen ist zu einer festen Institution geworden.“

Auch als Ausbilderin war sie über viele Jahre aktiv. Vielen Nachwuchskräften konnte sie mit praktischen Beispielen den „Verwaltungsakt“ oder andere rechtliche Grundlagen anschaulich näherbringen – und sie so optimal auf Prüfungen vorbereiten. „Ich wollte ursprünglich mal Lehrerin werden“, erzählt sie. In gewisser Weise hat sie sich diesen Wunsch durch ihre engagierte Ausbildungstätigkeit erfüllt.

Zwischen Verantwortung und Menschlichkeit

Innenrevision sei ein „brisantes, aber spannendes Thema“, sagt sie. Das habe sie besonders gespürt, als sie einmal in einem Korruptionsfall als Zeugin vor Gericht aussagen musste. „Das war bisher der einzige vorsätzliche Fall in meiner Dienstzeit – alles andere entsteht meist aus Zeit- oder Personalmangel.“

Mit dem Vier-Augen-Prinzip und gezielter Aufklärung versucht sie, Fehler zu vermeiden, bevor sie entstehen. Dabei hilft ihr nicht nur ihr detektivischer Spürsinn, sondern auch ihre gelebte Haltung: „Ich bin für Sie da – das ist mein Motto.“ Sie sieht sich nicht nur als Prüferin, sondern auch als Unterstützerin, Beraterin und Vermittlerin. „Ich biete den Menschen die Rechtsgrundlage, damit sie sicher handeln können.“