Lesen, Schreiben, Schulschwimmen! Bezirksentscheid - Schwimmwettkampf der 3. Klassen

Dirk Hermanns, Schulschwimmobmann für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg koordiniert das komplette Schulschwimmen der Schulen

Dirk Hermanns, Schulschwimmobmann für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg koordiniert das komplette Schulschwimmen der Schulen

In der dritten Klasse der Berliner Grundschulen ist der Schwimmunterricht fester Bestandteil des Lehrplanes. Das Ziel: Alle Schüler*innen sollen am Ende des Schuljahres schwimmen können. Einige wenige gehören sogar zu den vierzehn Besten ihres gesamten Jahrgangs. Sie vertreten ihre Grundschule gegenüber den Teams der anderen Grundschulen im Bezirk in vier Disziplinen.

Am vergangenen Mittwoch trafen etwa 120 Schüler*innen von neun Friedrichshain-Kreuzberger Grundschulen aufeinander, um in der Schwimmhalle Fischerinsel in Teams gegeneinander anzutreten. Dirk Hermanns, Schulschwimmobmann für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist zum Start des Wettkampfes zufrieden: „Es tut gut zu sehen, wie sicher sich die jungen Menschen hier im Wasser bewegen können und sich gegenseitig anfeuern. Dafür lohnt sich jede Mühe!“

Ebenso sei auch Geduld sehr wichtig, denn immer mehr Kinder bringen immer weniger Vor- oder Grundkenntnisse mit, wenn sie die dritte Klasse erreichen. So sei es vor der Pandemie üblich gewesen, dass die Kinder bereits mithilfe von Familienangehörigen oder in einem Schwimmkurs Vorerfahrungen im Wasser machen konnten. „Wir haben immer zwei Gruppen gehabt: Schüler*innen, die gut schwimmen können – und Schüler *innen, die nicht so gut schwimmen können, aber sich immerhin über Wasser halten können. Schon seit Jahren teilen wir daher die Klassen in drei Niveaustufen ein.

Kurz vor dem Start lädt das Wasser der Schwimmhalle Fischerinsel zu einem fairen Wettkampf ein, bei dem Spaß an der Bewegung im Vordergrund steht

Kurz vor dem Start lädt das Wasser der Schwimmhalle Fischerinsel zu einem fairen Wettkampf ein, bei dem Spaß an der Bewegung im Vordergrund steht

Los gehts mit der 10 x 25 Meter Schwimm-Tauch-Staffel

Doch heute geht es um die sportlichen jungen Menschen, die sich gerade an den fünf Startblöcken sammeln. Auf der einen Seite warten die Mädchen, die zuerst die 25-Meter-Bahnen nehmen und per Anschlag einen der Jungs in die Spur schicken. So geht’s abwechselnd durch die 10 × 25 Meter Schwimm-Tauch-Staffel.

Schulschwimmobmann Dirk Hermanns spricht letzte Anweisungen in sein Headset an die Startergruppen: „Zehn Meter schwimmst Du in einer Schwimmart, die Du Dir aussuchst. Dann fünf Meter tauchen, zwischen den zwei Leinen im Wasser. Dann wieder zehn Meter schwimmen.“ Die Kinder lauschen über einen großen Lautsprecher, und tatsächlich ist es einen kurzen Augenblick leise genug, dass alle den Startpfiff hören können. „Los geht’s!“

Die Kampfrichter haben viel zu tun, die fünf Bahnen und die Befolgung der Regeln im Auge zu behalten. Machen die Kinder Fehler, tauchen sie beispielsweise zu früh auf, oder zu weit, gibt es Strafsekunden auf das Zeitkonto.

Dirk Hermanns ist dankbar: „Heute werden wir von den angehenden Abiturient*innen des Andreas-Gymnasiums unterstützt. Sie haben sich bereiterklärt, an den Bahnen die Zeit zu messen, Fehler zu notieren und die Schwimmenden zu motivieren. Ohne diese Hilfe hätten wir ein echtes Personalproblem. Hier hilft die Schule den schwimmenden Schüler*innen, Groß hilft Klein. Wir freuen uns, dass sie heute hier sind!“

Dirk Hermanns (li.) gemeinsam mit den angehenden Abiturient*innen des Andreas-Gymnasiums, die als Punktrichter*innen den Bezirksentscheid unterstützen

Angehende Abiturient*innen des Friedrichshainer Andreas-Gymnasiums unterstützen den Bezirksentscheid

Das Team um den Organisator zählt fünf Personen, mit ihm sind es sechs: „Wir bereiten im Vorfeld hier alles vor, bauen auf, weisen ein und nehmen vor dem Start die Meldungen entgegen. Bis der erste Pfiff ertönt, haben wir hier richtig viel zu tun.“

Der zweite Wettkampf steht an – 10 × 25 Meter Bruststaffel. Letzte Hinweise erfolgen über das Headset und den Lautsprecher an die Kinder „Nach dem Start bitte nur einen Tauchzug machen und Beinscheren vermeiden.“ Sonst gibt‘s Sekunden aufs Zeitkonto.“

Die einzelnen Gruppen unterscheiden sich in den technischen Raffinessen enorm. Gut vorbereitet halten die Schwimmer*innen in ausgefeilten sprungbereiten Posen die Körperspannung auf dem Startblock. Auf den Abschlag folgen die Absprünge mit dem Kopf zuerst, und ziehen dann laute Anfeuerungsrufe nach sich. Der Lärmpegel steigt soweit, dass nur noch Ohrstöpsel helfen könnten.

Das sei Lebensfreude und Begeisterung pur, weiß Dirk Hermanns. „Ich arbeite seit 2013 als Schwimmlehrer im Bezirk. Seit 2019 bin ich als Schulschwimmobmann für die gesamte Koordination des Schulschwimmens hier im Bezirk verantwortlich.“ Seitdem setzt er sich dafür ein, so wie es in anderen Bezirken bereits üblich sei, ein allgemeines Schulschwimmen (Berzirksschulschwimmen) umzusetzen.

„Wir können die Schulen maßgeblich dabei unterstützen, Personal sinnvoller einzusetzen, indem wir vom Bereich Schulschwimmen die Schwimmlehrer*innen stellen. Diese erwarten in der Schwimmhalle bereits die Schulklassen, wenn sie vom pädagogischen Fachpersonal gebracht werden.“ Im Moment sei es so, dass über 130 Lehrkräfte sich mit dem Schwimmunterricht beschäftigten. „Das können wir mit 35 sehr praxisroutinierten Schwimmlehrer*innen sehr gut über das bezirklich organisierte Schulschwimmen absichern, dann können die Lehrkräfte in ihrer Schule anderen Unterricht sicherstellen, und weniger Unterricht ausfallen.“

Im Moment profitieren 14 Schulen vom bezirklichen Schulschwimmen in Friedrichshain-Kreuzberg. „Insgesamt haben 18 Schulen bereits Bedarf angemeldet. Das sind vier Schulen mehr, als wir abdecken können. Wir freuen uns, dass als nächstes die Modersohn-Grundschule unser Angebot übernehmen will. Dadurch fällt auch dort weniger Unterricht aus, weil es uns gibt.“ Der Schwimmunterricht wird von ausgebildeten Schwimmlehrer*innen durchgeführt, die regelmäßig auch ihre Rettungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen.

Am Beckenrand haben die Betreuer*innen und Punktrichter*innen auch immer motivierende Worte für die Schwimmer*innen

Am Beckenrand haben die Betreuer*innen und Punktrichter*innen auch immer motivierende Worte für die Schwimmer*innen

Spannende Sieger*innen-Ehrung

„Das gehört mit in meinen Verantwortungsbereich, ich bin neben meiner fachlichen Ausbildung zum Schwimmlehrer auch Ausbilder für Rettungsschwimmer*innen. Ich leite die Ausbildungsgänge im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und kann auch die entsprechenden Prüfungen abnehmen.“ Neben dem Schwimmunterricht, den er an zwölf Grundschulen erteilt, ist er als Schwimmobmann auch für die Erstellung eines Schwimmhallenbelegungsplan zuständig. „Ich koordiniere das komplette Schulschwimmen der Schulen im Bezirk, spreche mit den Bäderbetrieben, beantrage Wasserfläche in den Schwimmhallen und treibe das bezirkliche Schulschwimmen voran, indem ich auch mehr Schwimmlehrer*innen gewinne, die dann für uns tätig werden, und andere Schulen damit entlasten können.“ Eine große Idee, die Kinder stark macht und ihnen im Wasser Sicherheit gibt.

Jetzt ist es Zeit für den dritten Wettkampf: 10 × 25 Meter Beinarbeit mit Brett. Letzte Instruktionen von Dirk Hermanns: „Wir starten aus dem Wasser, das Brett bitte mit beiden Händen halten. „Rückenbeine“, „Brustbeine“, „Kraulbeine“ oder „Delfinbeine“ sind erlaubt.“ Die Kinder brüllen vor Begeisterung, und strampeln dabei mehr oder weniger koordiniert bis das Wasser hochspritzt. Es folgt ein wildes Gerangel um die ersten Plätze.

Doch bevor sich die Kinder auf die nächste und letzte Runde – 50 (!) Bahnen Dauerschwimmen – vorbereiten, erklärt der Schwimmobmann Hintergründe zum blitzenden Pokal, der bereits am Beckenrand auf seine feierliche Übergabe wartet: „In diesem Jahr wird es zum ersten Mal einen Wanderpokal vergeben. Damit möchten wir den Wettkampf langfristig noch attraktiver gestalten. Die Gewinner -Schule wird die Möglichkeit haben, den Pokal mit in die Schule zu nehmen – inklusive Gravur der Platzierung. So entsteht über die Jahre hinweg eine Art „Chronik“ der erfolgreichen Teilnahmen, die hoffentlich auch den sportlichen Ehrgeiz weiter fördert.

Nach dem Dauerschwimmen wird vom Kampfgericht in der Kabine gerechnet, die Strafsekunden werden addiert und die Urkunden werden ausgestellt. Die Kinder haben in vier Disziplinen alles gegeben und sich beim Bejubeln der Teamkamerad*innen ausgepowert. Aber jetzt sitzen sie aufgekratzt, teils in Bademänteln, auf dem Boden der Schwimmhalle am Beckenrand.

Die Spannung steigt, als Dirk Hermanns das 3. Gewinner*innen-Team bekanntgeben will: „Herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz an die Zille-Grundschule!“ Alle Schwimmer*innen der Friedrichshainer Zille-Grundschule bekommen Bronze-Medaillen und eine Urkunde. Frau Könitzer, die den Schwimmobmann heute tatkräftig unterstützt, fotografiert die Schüler*innen. Zille-Schülerin Olivia ist stolz: „Ich habe an allen Disziplinen teilgenommen, das hat Spaß gemacht, war aber auch ganz schön anstrengend. Dafür war das Wasser warm. Und alle dritten Klassen der Zille Grundschule haben gemeinsam den dritten Platz gemacht!“

Die Sieger*innen des Bezirksentscheids erhalten eine Medaille und tragen diesen Wanderpokal in ihre Schule

Die Sieger*innen des Bezirksentscheids erhalten eine Medaille und tragen diesen Wanderpokal in ihre Schule

Herzlichen Glückwunsch an die Schwimmer*innen der Justus-von-Liebig-Grundschule aus Friedrichshain!

Platz 2 geht an die Schüler*inneren der Friedrichshainer Hausburg-Grundschule! Auch hier werden Medaillen, allerdings silberne, verteilt.

Jetzt kommt das Gewinnerteam des ersten Platzes nach vorn, denen der Pokal und eine goldene Medaille winken. Die schnellsten Schwimmer*innen des Bezirks sind die Schüler*innen der Justus-von-Liebig-Grundschule aus Friedrichshain!

Es ist nur eine der teilnehmenden Gruppe des heutigen Tages die durch Herrn Hermanns trainiert wurden, denn auch die Gruppe der Spartacus-Grundschule und die Gruppe des Reinhardswald-Grundschule wurden von ihm trainiert. Er übte als Organisator aber professionelle Zurückhaltung.

Die zuständige Schwimmlehrerin Frau Schweizer freut sich darum umso lauter gemeinsam mit den Kindern: „Das ist einfach fantastisch! Dabei hatten wir mit unseren Trainingszeiten in diesem Jahr großes Pech, wir trainieren immer donnerstags, und in den letzten Wochen war donnerstags immer irgendein Feiertag. So hatten wir nur einen einzigen Tag für die Vorbereitung dieses Wettkampfes. Toll, dass wir es trotzdem so weit gebracht haben!“

Herzlichen Glückwunsch an Davia, Edda, Elise, Lia, Maxime, Sophia, Cosmo, Emil, Jacob, Jakob, Jona, Malik und Pepe, die mit ihrem Team der Justus-von-Liebig-Grundschule den ersten Preis gewonnen haben, und dafür den Pokal mit in die Schule nehmen dürfen!

Des einen Freud ist aber auch den anderen Leid – Mitschwimmerin Lotta, die für das Team der Modersohn-Grundschule gekämpft hat, ging mit ihrem Team leer aus: „Ich habe am Wochenende mit meinem Opa für den Wettkampf geübt. Er hat mir ein paar Techniken gezeigt. Vor dem Wettkampf war ich total aufgeregt. Jetzt bin ich traurig, weil wir noch nicht mal Medaillen bekommen haben. Aber Spaß gemacht hat der Wettkampf mir trotzdem.“

Denn genau darum geht es hier: „Um Spaß, wir machen unsere Schüler*innen mit dem Sport stark und mutig. Sie haben weniger Ängste, können sich messen und finden einen weiteren Weg sich auszupowern. Deshalb arbeiten wir für das Schulschwimmen, ein erfolgreiches Unternehmen, von dem wir alle profitieren. Ich danke allen, besonders unseren Schulräten im Schulamt und auch dem Schulstadtrat Andy Hehmke für die tatkräftige Unterstützung in allen Belangen.“

Für die drei besten Teams aus dem Bezirk geht es eine Runde weiter: Am 9. Juli findet der Entscheid auf der Landesebene statt. Die ersten drei Gewinner*innen des heutigen Tages können dort noch einmal zeigen, wie schnell sie im Wasser sind.

Diese Schulen haben am Bezirksentscheid teilgenommen:

  • Charlotte-Salomon-Grundschule
  • Hausburg-Grundschule
  • Justus-von-Liebig-Grundschule
  • Bürgermeister-Herz-Grundschule
  • Modersohn-Grundschule
  • Nürtingen-Grundschule
  • Rheinhardswald-Grundschule
  • Spartacus Grundschule
  • Zille-Grundschule