Fahnenhissung für die Ukraine

Fahnenhissung

Oliver Nöll, Nina Masol, Andy Hehmke

Anlässlich des dritten Jahrestages des Beginns des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wurde am Montagvormittag als Zeichen der Solidarität die ukrainische Fahne vorm Rathaus Friedrichshain gehisst. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Oliver Nöll und der Bezirksstadtrat Andy Hehmke empfingen dazu die ukrainische Botschaftssekretärin Nina Masol.

Seit 2022 besteht eine, von der SKEW (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt) vermittelte Solidaritätspartnerschaft mit dem Bezirk Darnyzja in Kyjiw. Damit erklärt sich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg solidarisch mit der Bevölkerung der Ukraine und ihrer Verwaltung während des anhaltenden völkerrechtswidrigen, russischen Angriffsrkriges. Die Solidaritätspartnerschaft schafft einen Rahmen, in dem, nach den Bedarfen von Darnyzja, Projekte umsetzen werden können.

Medizinische Hilfslieferung für Kyjiw-Darnyzja

Die medizinische Infrastruktur in der Hauptstadt Kyjiw ist weiterhin durch die massiven russischen Kriegshandlungen stark belastet. Im Rahmen der Solidaritätspartnerschaft mit dem Kyjiwer Bezirk Darnyzja organisiert unser Bezirk eine umfangreiche Hilfslieferung mit medizinischen Materialien und Geräten, die der medizinischen Versorgung der lokalen zivilen Bevölkerung in Darnyzja zu Gute kommen wird.

Die medizinischen Bedarfe in Darnyzja wurden vorab zwischen der Verwaltung von Darnyzja und der gemeinnützigen Organisation „Aid Pioneers“ abgestimmt. Das Berliner NGO-Startup unterstützt Gesundheitseinrichtungen in Krisengebieten durch Hilfsgütertransporte und hat seit Beginn der Vollinvasion bereits medizinische Güter im Wert von über 10 Millionen Euro an mehr als 140 Krankenhäuser in der Ukraine gesendet. Gemeinsam wollen das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und Aid Pioneers einen 40-Fuss-Container mit medizinischen Hilfsgütern im Wert von voraussichtlich 400.000€ nach Darnyzja schicken. Der Container wird mit gespendeten medizinischen Verbrauchsgütern in den USA befüllt, die der zuvor in Darnyzja erstellten Packliste entsprechen. Der Container wird aktuell noch in den USA abgefertigt und in den nächsten Monaten in Kyjiw-Darnyzja ankommen.

Teilnehmer*innen des Vernetzungstreffens medizinischer Fachkräfte aus der Ukraine und aus Berlin

Teilnehmer*innen des Vernetzungstreffens medizinischer Fachkräfte aus der Ukraine und aus Berlin

Vernetzung medizinischer Fachkräfte aus beiden Ländern

Finanziert wird das Vorhaben unter anderem durch bewilligte Mittel in Höhe von rund 15.000 Euro des Bezirksfonds der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, die so eine Hebelwirkung entfalten. Jeder Bezirk kann pro Jahr bis zu zwei Projekte über den Bezirksfonds beantragen, die die entwicklungspolitische Arbeit und bezirkliche Umsetzung der Ziele der Agenda 2030 unterstützen. Der Städtepartnerschaftsbeauftragte und die EU-Beauftragte unseres Bezirks haben erfolgreich Mittel über den Bezirksfonds beantragt, mit denen die Lieferung der Hilfsgüter bezuschusst wird. Auch Aid Pioneers beteiligte sich an den Kosten für den Hilfsgütercontainer.

Zusätzlich zur akuten Bereitstellung von medizinischen Hilfsgütern im Partnerbezirk Darnyzja sollen nachhaltige und langfristige Strukturen der medizinischen Zusammenarbeit zwischen Berlin und Kyjiw geschaffen werden. Die nachhaltige Verankerung von entwicklungspolitischen Vorhaben ist auch ein erklärtes Ziel, das im Rahmen von Bezirksfonds-Projekten erreicht werden soll. In Berlin leben etwa 50.000 bis 60.000 Geflüchtete aus der Ukraine, viele von ihnen brauchen psychologischen Unterstützung. Die Vernetzung medizinischer Fachkräfte aus beiden Ländern fördert die gemeinsame Entwicklung von Lösungen zur Bewältigung der Kriegsfolgen.

Zu diesem Zweck organisierten der Städtepartnerschaftsbeauftragte und die EU-Beauftragte aus Friedrichshain-Kreuzberg am 19. Dezember 2024 ein Vernetzungstreffen mit medizinischen Fachkräfte aus der Ukraine und aus Berlin. Von ukrainischer Seite nahmen Ärzt:innen und Psycholog:innen teil, die medizinische und psychosoziale Hilfe für Menschen aus der Ukraine leisten, die unmittelbar vom Krieg und dessen Folgen betroffen sind. Einige von ihnen versorgen direkt Soldaten an der Front, andere arbeiten mit Veteranen und deren Familien. Aus Berlin war das „Zentrum Überleben“ vertreten, das medizinische, psychotherapeutische und sozialarbeiterische Unterstützung für Überlebende von Gewalt und Flucht sowie Menschen mit unterschiedlichen Migrationserfahrungen leistet. Weitere Teilnehmende am Vernetzungstreffen waren die Stiftung Mission Ukraine mit Sitz in Kyjiw und der Kreuzberger Verein „Be an Angel e.V.“.

Der Beauftragte für Städtepartnerschaft des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Dr. Guido Rohmann (mi.) mit mit den Co-Foundern und Management Directors des Aid Pioneers e.V., Alexis Broschek (li.) und Julian Adler (re.)

Der Beauftragte für Städtepartnerschaft des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Dr. Guido Rohmann (mi.) mit mit den Co-Foundern und Management Directors des Aid Pioneers e.V., Alexis Broschek (li.) und Julian Adler (re.)

Großes Interesse an zukünftigen Kooperationen

Beim Austausch zwischen den Akteuren aus der Ukraine und Berlin wurden Arbeitsschwerpunkte vorgestellt und Schnittstellen identifiziert. Die Themen Traumabewältigung und psychosoziale Unterstützung boten in der Diskussion zahlreiche Anknüpfungspunkte. Das Zentrum Überleben blickt auf eine vieljährige Erfahrung im Umgang mit Überlebenden von Folter und Kriegsgewalt und berichtete von den diversen Angeboten, die das Zentrum u.a. auch für Geflüchtete und psychotherapeutische Fachleute aus der Ukraine macht. Die ukrainischen Fachkräfte sammeln in der Versorgung von Soldaten, Veteranen und traumatisierten Erwachsenen und Kindern wiederum zahlreiche Erfahrungen, von denen Organisationen wie das Zentrum Überleben lernen können. Gegenseitige Anregungen und Interesse an zukünftigen Kooperationen prägten das Vernetzungstreffen, das ebenfalls mit Mitteln des Bezirksfonds finanziert werden konnte.