Deutsch-polnische Jugendbegegnung: „Vergangenheit verstehen – Zukunft gestalten: 80 Jahre Kriegsende und seine Bedeutung für Jugendliche heute“

Auf einer Collage sind die deutsche und die polnische Flagge zu sehen sowie Situationen aus Workshops und Führungen.

Ende September kamen im Rahmen einer deutsch-polnischen Jugendbegegnung rund 20 Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren aus Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick und der polnischen Partnerstadt Szczecin (Stettin) in Berlin zusammen, um sich anlässlich des Gedenkjahrs zu 80 Jahren Kriegsende über die historische Bedeutung des Zweiten Weltkriegs sowie sein Nachwirken in die Gegenwart auszutauschen und weiterzubilden.

Im Ausstellungsraum der Gedenkstätte deutscher Widerstand gibt eine Frau Jugendlichen eine Führung.

Viele Parallelen zur weltpolitischen Lage der Gegenwart

Am Freitagnachmittag geht es mit einer Einführungs- und Kennenlernveranstaltung in der Jugendbildungsstätte Kaubstraße los. Alle Jugendlichen sind hier untergebracht, auch die Berliner*innen. So entsteht Raum für Unterhaltungen, Spiele und Austausch auch über das dichte inhaltliche Programm hinaus. In den nächsten Tagen besuchen die Jugendlichen mit ihren Lehrer*innen die Gedenkstätte Plötzensee, die Polnische Botschaft, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, das Pilecki-Institut, das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung und sie bekommen eine Stadtführung durch Kreuzberg.

Die Schüler*innen haben sich alle freiwillig für die deutsch-polnische Jugendbegegnung angemeldet und ihre Motivation, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ist hoch. Durch die Workshops und Führungen erkennen sie viele Parallelen zur weltpolitischen Lage der Gegenwart – Krieg in Europa, wachsender Antisemitismus und Rassismus, Flucht und Vertreibung marginalisierter Gruppen. Umso wichtiger, da sind sich alle Teilnehmenden einig, ist das Wachhalten der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg durch die nachfolgenden Generationen sowie der Austausch über Sprach- und Landesgrenzen hinweg. Die Jugendlichen aus Berlin und Polen verständigen sich untereinander auf Englisch; das Aufbessern der eigenen Fremdsprachenkenntnisse empfinden viele als angenehmen Nebeneffekt des Austauschs; manchmal helfen auch die Lehrkräfte simultanübersetzend weiter.

Bezirksstadtrat Max Kindler im Austausch mit den Jugendlichen.

Kreative Verarbeitung der Eindrücke

Nach den vielen inhaltlichen Eindrücken steht der letzte Tag im Zeichen der Reflexion und der kreativen Verarbeitung. Im Kreuzberger Jugendzentrum „gelbe Villa“ können die Jugendlichen in verschiedenen Workshops ihre Erlebnisse und Erkenntnisse künstlerisch festhalten und zum Ausdruck bringen. Zur Wahl stehen eine eigene Podcast-, Rap- oder Zine-Produktion sowie ein Foto- und ein Collagen-Workshop. Im Anschluss werden die Ergebnisse in der Gruppe präsentiert und diskutiert. Auch die Jugendstadträte der beteiligten Bezirke, Max Kindler und André Grammelsdorff, nehmen an der Abschlussveranstaltung teil und gehen mit den Jugendlichen in den Austausch.

Die Schüler*innen aus dem Zine-Workshop stellen ihr eigenes Mini-Magazin vor, in dem sich u.a. eine Wortsammlung zur Beschreibung der Projektwoche findet: Neben „krass“ und „cruelty“ liest man hier auch „schön“, „aufregend“ „learning“ und „respect“. Die Jugendlichen sind sich einig: „Das Programm der letzten Tage war sehr intensiv, aber auch sehr spannend, wir haben viel gelernt!“ Im Collagen-Workshop sind zwei Kunstwerke entstanden, eine Collage stellt die Brutalität der Deutschen gegenüber Pol*innen im zweiten Weltkrieg in den Fokus, die zweite widmet sich „Women in War“ und markiert die Parallelen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der heutigen Situation von Frauen in Kriegen weltweit.

Schülerinnen beim Foto-Workshop.

Verbindung über die Projektwoche hinaus

Als nächstes folgt die Vorführung verschiedener selbstproduzierter Rapsongs – auf Englisch, Deutsch und Polnisch, in welchen die Schüler*innen u.a. vor einer Wiederholung der Geschichte warnen. Das Podcast-Team hat die vielen Eindrücke der letzten Tage dank tatkräftiger Unterstützung des Kinder- und Jugend-Beteiligungsbüros Friedrichshain-Kreuzberg in drei mehrsprachigen Podcasts verarbeitet, die sich u.a. mit Demokratieverständnis und der Aufklärung über den Krieg auseinandersetzen und die man hier anhören kann.

Zum Abschluss des Tages und der gesamten Projektwoche bekommen alle Beteiligten die Aufgabe, sich noch vor Ort gegenseitig kleine Briefe zu schreiben – mit Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, Gedanken über die Erlebnisse der letzten Tage oder den eigenen Kontaktdaten – sodass alle auch nach der Abreise und der Rückkehr in den Schulalltag miteinander in Verbindung bleiben können, ganz im Sinne des städtepartnerschaftlichen Austauschs.

Das Projekt wurde möglich durch eine Förderung des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes, sowie durch finanzielle Unterstützung des Bezirksamtes Treptow-Köpenick und durch den Städtepartner Stettin e.V., der die Städtepartnerschaft zwischen Stettin und Friedrichshain-Kreuzberg pflegt.