Der Kinosaal wird zum Klassenzimmer – Die SchulKinoWochen Berlin

Laura C. Zimmermann und Roberta Huldisch

Laura C. Zimmermann und Roberta Huldisch, Projektleitung der SchulKinoWochen Berlin

Unterricht im Kinosaal? Das ist das Motto der SchulKinoWochen, die zwischen dem 14. und 28. November wieder in zahlreichen Kinos in Berlin stattfinden. Angeboten wird ein buntes Programm mit Filmvorführungen, begleitenden Workshops und Filmgesprächen für alle Altersklassen und Schulformen von der Grundschule bis zur Oberstufe. Von Animationsfilmen über Spielfilme und Dokumentarfilme bis hin zu Kurzfilmen ist alles dabei. Klassiker wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder „Good Bye, Lenin!“ sind ebenso im Programm wie Neuerscheinungen wie „Die Möllner Briefe“ oder „22 Bahnen.“ Auch einige Kinosäle in Friedrichshain-Kreuzberg werden in den nächsten Wochen zum Klassenzimmer!

Die SchulKinoWochen sind ein bundesweites Angebot zur Filmbildung, das von VISION KINO in Kooperation mit Partnerinstitutionen in allen sechzehn Bundesländern organisiert wird. Die gezeigten Filme knüpfen an Themen aus den Lehrplänen an, Schüler*innen erhalten reduzierte Eintrittskarten und es gibt begleitendes Unterrichtsmaterial für Lehrkräfte.

Das Berliner Projektbüro der SchulKinoWochen hat seinen Sitz in Kreuzberg, in Räumen des JugendKulturService. Laura Caterina Zimmermann und Roberta Huldisch sind gemeinsam für die Konzeption, Planung und Durchführung der Berliner SchulKinoWochen zuständig. „Die Arbeit ist sehr vielseitig“, erzählt Laura Caterina Zimmermann, die die SchulKinoWochen dieses Jahr bereits zum neunten Mal organisiert. „Das Programm kuratieren, Schulen akquirieren, Programmhefte einpacken oder Texte schreiben – unsere Aufgaben sind wirklich sehr abwechslungsreich. Außerdem sind die Filme jedes Jahr anders, da wird uns nie langweilig!“

Kinder im Kino

Perspektivenvielfalt im Programm

VISION KINO stellt in Zusammenarbeit mit Filmverleihern eine große Vorauswahl an Filmen zusammen. Aus diesem Pool kuratieren die Projektteams in den jeweiligen Bundesländern ihr eigenes Programm, auch Ergänzungen sind möglich. Laura Caterina Zimmermann und Roberta Huldisch sind beide neben ihrer Arbeit bei den SchulKinoWochen als selbständige Filmvermittlerinnen tätig, sie moderieren Filmgespräche, bieten Workshops zur Filmbildung an, konzipieren Unterrichtsmaterialien und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und besuchen Filmfestivals. „In vielen Phasen gehört es zu unserem Arbeitsalltag, sehr viele Filme zu schauen. Außerdem stehen wir regelmäßig im Austausch mit den Projektteams in den anderen Bundesländern und weiteren Filmvermittler*innen. Unser Anspruch ist eigentlich, immer alle neuen Filme zu kennen, damit wir einschätzen können, welche sich für die SchulKinoWochen eignen.“

„Besonders wichtig ist, dass die Filme an den Alltag der Kinder und Jugendlichen anknüpfen“, erklärt Roberta Huldisch. „Sie sollen ihre eigene Lebensrealität wiedererkennen und gleichzeitig neue Perspektiven kennenlernen. Wir versuchen außerdem immer, die Filme diskriminierungssensibel auszuwählen und achten darauf, dass möglichst keine Stereotypen reproduziert werden.“ Ein großes Anliegen ist es den beiden Filmvermittlerinnen zudem, dass das Angebot vielseitig ist, sodass für alle Schulformen und Altersklassen etwas dabei ist. „Wir streben bei allem eine gute Mischung an – zwischen deutschen und internationalen Produktionen, zwischen Low-Budget-Produktionen und einigen Mainstream-Filmen, zwischen Vorführungen in deutscher Sprache und in der Originalversion,“ erläutert Laura Caterina Zimmermann. Immer wieder schwierig sei es, genug altersgerechte Filme für Grundschulkinder zu finden. „Eigentlich sind wir stets auf der Suche nach guten Filmen für die erste und zweite Klasse. Also falls jemand unter den Lesenden zufällig solche Filme produziert, wir freuen uns über Einsendungen“, ergänzt ihre Kollegin scherzhaft.

Laura Caterina Zimmermann freut sich besonders darüber, dass sie immer öfter Filme ins Programm der SchulKinoWochen aufnehmen können, bevor sie ihren offiziellen Kinostart in Deutschland haben. Dazu gehört dieses Jahr beispielsweise „Hola Frida“, ein Animationsfilm über die Kindheit der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo, der für Kinder ab der 1. Klasse empfohlen wird. Ein besonderes Highlight der diesjährigen SchulKinoWochen ist für die Filmvermittlerin auch die Preview des deutschen Coming-of-Age-Films „Nulpen“ von Sorina Gajewski, der bei der feierlichen Eröffnung am 14. November gezeigt wird. Der Berlinfilm erzählt von zwei Freundinnen nach dem Schulabschluss, von den großen und kleinen Fragen, von zwei jungen Frauen in einer politisch aufgeladenen Welt „Es ist ein bisschen wie ein Roadmovie – aber halt zu Fuß durch Berlin“ – und einige Szenen spielen sogar in Friedrichshain-Kreuzberg.

Moderation einer Filmvorführung

Der Kinobesuch als kollektives Erlebnis

Die SchulKinoWochen haben jedes Jahr verschiedene thematische Schwerpunkte in Kooperation mit anderen Partnerinstitutionen. Gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung steht dieses Jahr das Thema „Presse, Recht und Ethik im Film“ im Fokus, dazu passend werden u.a. die Filme „September 5“ und „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ gezeigt. Außerdem sind jedes Jahr Filme aus dem Filmprogramm „17 Ziele – Kino für eine bessere Welt“ dabei, die sich mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung beschäftigen, sie kritisch hinterfragen und zum Diskutieren anregen, dazu zählen etwa die Filme „Flow“, „No Other Land“ oder „Zirkuskind“.

Im Idealfall bereiten die Schüler*innen den Kinobesuch im Unterricht vor, schauen dann zusammen den Film im Kino an und bleiben anschließend zu einem Filmgespräch, bei dem sie Fragen stellen, Emotionen teilen und gemeinsam über ihr Filmerlebnis sprechen können. Oft sind auch Fachexpert*innen oder Filmschaffende anwesend, die am Film beteiligt waren und mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch kommen. Es ginge aber nicht nur um die Vermittlung von Inhalten, sondern auch darum, Kinos den Schüler*innen als wichtige kulturelle Orte nahezubringen, betonen die beiden Filmvermittlerinnen. Gerade bei den jüngeren Kindern sei es für viele der erste Kinobesuch. „Das ist sehr aufregend zu wissen, dass man ein Teil von diesem Erlebnis ist, aber auch eine große Verantwortung. Wir möchten ja, dass sie wiederkommen“, erzählt Roberta Huldisch. „Wir wollen die Kinder und Jugendlichen als Publikum von morgen für das Kino begeistern!“

Kinder verhalten sich im Kino oft auch ganz anders als Erwachsene, sie stehen zwischendrin auf und fangen an zu singen und zu tanzen, wenn Musik kommt, oder unterhalten sich mit ihren Sitznachbar*innen über das Gesehene. „Es ist schön zu sehen, wenn die Kinder mit dem Film interagieren. Uns ist wichtig, dass sie nicht die ganze Zeit stillsitzen müssen. So war Kino ursprünglich auch gar nicht gedacht. Wenn man an die historischen Ursprünge zurückdenkt, sollte Kino ein Spektakel sein, ein kollektives Erlebnis. Das ist leider ein bisschen verloren gegangen – zumindest bei den erwachsenen Zuschauer*innen.“ Das Besondere am Kinobesuch sei aber ja gerade das gemeinschaftliche Erlebnis, die geteilte Erfahrung und der gemeinsame Austausch über das Gesehene, sind sich die beiden Filmvermittlerinnen einig.

Das Angebot wird in Berlin sehr gut angenommen: 2024 nahmen ca. 34 % der Berliner Schulen an den SchulKinoWochen teil, viele Lehrkräfte kommen jedes Jahr wieder mit ihren Schulklassen. In Friedrichshain-Kreuzberg sind folgende Kinos beteiligt: Kino Intimes, Moviemento, Sputnik, Yorck & New Yorck. Mehr Infos zum Programm und zur Anmeldung gibt es hier.