Die pharmazeutische Industrie ist technologisch und historisch eng mit der chemischen Industrie verbunden, nimmt in Berlin jedoch eine eigenständige Rolle ein. Mit einem Jahresumsatz von rund 6,3 Milliarden Euro (2024) ist sie die umsatzstärkste Industriebranche der Hauptstadt. Rund 11 % des bundesweiten Pharmaumsatzes entfallen auf Berlin – ein Ausdruck der hohen wirtschaftlichen Bedeutung des Standorts. Die Branche ist Teil des länderübergreifenden Clusters HealthCapital Berlin Brandenburg gehört zu den investitionsstärksten Standorten der pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Führende produzierende Großunternehmen wie Bayer (am Standort Berlin Produktion u.a. in den Therapiegebieten
Augenheilkunde und Radiologie), B. Braun Melsungen (produziert an zwei Berliner Standorten sterile Injektionslösungen in Ampullen und Fläschchen und kardiovaskuläre Produkte für die interventionelle und diagnostische Kardiologie, Radiologie, Hämodynamik und Gefäßchirurgie), Bausch + Lomb (flüssige Augenpräparate) und Berlin-Chemie (Medikamente) prägen die industrielle Basis. Der Mittelstand ist ebenfalls stark vertreten mit Unternehmen wie Klosterfrau
(Lutschtabletten, flüssige Arzneiformen sowie sterile Einwegspritzen – Marken wie neo-angin®, Soledum®, nasic®, Instillagel®, Bronchicum®, Monapax® verlassen täglich das Werk in Berlin.), Dr. KADE (Arzneimittel und Medizinprodukte) und CPL Sachse (Syntheseentwicklung von pharmazeutischen Wirkstoffen).
Die Pharmaindustrie beschäftigt rund 6.977 sozialversicherungspflichtige Mitarbeitende.
Die Nähe zu exzellenter Forschung, spezialisierten Hochschulen und internationalen Kliniken macht Berlin besonders attraktiv für hochqualifizierte Fachkräfte und eine dynamische Startup-Szene, insbesondere in den Bereichen Biotechnologie und Digital Health. Im Zusammenspiel mit der chemischen Industrie entstehen Synergien bei Wirkstoffentwicklung, Analytik und nachhaltiger Produktion. So trägt die enge Verbindung beider Branchen zur Stärkung der industriellen Basis und Innovationsfähigkeit Berlins bei.
Innovationsdynamik und Transformationsdruck
Die Berliner Chemieunternehmen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Spezialisierung, Innovationskraft und eine zunehmende Ausrichtung auf Nachhaltigkeit aus. Hergestellt werden unter anderem Wasch- und Körperpflegemittel, Reinigungs- und Imprägniermittel, Farben und Lacke, Chemiefasern, Spezialkunststoffe sowie Materialien für die additive Fertigung. Diese Grundstoffe kommen in Konsumgütern, im Bauwesen, in der Textilindustrie und in Hightech-Anwendungen zum Einsatz und prägen damit industrielle Prozesse und unseren Alltag.
Die Branche steht zugleich vor großen Herausforderungen: Hohe Energiepreise, volatile Rohstoffmärkte, Fachkräftemangel in MINT-Berufen und wachsende regulatorische Anforderungen erhöhen den Transformationsdruck. Auch die geplante EU-weite Regulierung von PFAS-Stoffen führt zu Unsicherheit, insbesondere bei Halbleiter- und Medizintechnikanwendungen. Hinzu kommt der Bedarf an umfassender digitaler Transformation, um Prozesse zu automatisieren, Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten und Ressourceneffizienz zu verbessern.
Innovative Verfahren und Materialien