Transformation gestalten – Potenziale nutzen

Zwei Frauen arbeiten im Büro

Transformationsprozesse betreffen alle: Unternehmen und Organisationen in Berlin stehen vor der Frage, wie sie sich auf die neuen Anforderungen an Prozesse, Produkte und Arbeitsorganisation einstellen und gleichzeitig die richtigen Fachkräfte finden können. Berlinerinnen und Berliner sehen sich mit einer stetig wandelnden Arbeitswelt konfrontiert – unabhängig davon, ob sie beschäftigt oder erwerbslos sind. Das Land Berlin ist gefragt, gute Rahmenbedingungen zu gestalten, die Menschen und Betriebe in der Transformation unterstützen. Ziel ist es, sowohl die vorhandenen Potenziale der technologischen Entwicklung als auch der erwerbsfähigen Personen auszuschöpfen.

Die Ausgangslage ist gut: In Berlin leben vergleichsweise viele Menschen im erwerbsfähigen Alter und ihre Zahl bleibt auch in den kommenden Jahren voraussichtlich stabil. Allerdings passen die bei den Erwerbspersonen vorhandenen Qualifikationen nicht immer zu den von den Unternehmen gesuchten. Steigende Arbeitslosigkeit kann deshalb auch bei steigenden ungedeckten Fachkräftebedarfen auftreten. Wenn es gelingt, das Matching von Qualifikationen und Bedarfen zu verbessern, kann das sowohl die Fachkräftesicherung unterstützen als auch die Arbeitslosigkeit senken. Dafür müssen Menschen, die potenziell als Fachkraft arbeiten können, auf ihrem Weg dahin unterstützt werden.

In diesem Ziel der Fachkräftestrategie 2035 geht es daher insbesondere darum, die Chancen zu nutzen, die sich aus dem technologischen Wandel und aus kontinuierlicher Qualifizierung von (potenziell) Beschäftigten ergeben. Es setzt darüber hinaus bei den bisher ungenutzten Potenzialen an, um den Fachkräftebedarf der Unternehmen zu senken und gleichzeitig die Fachkräftebasis auszuweiten. Dabei stehen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Fokus, die die Veränderungsprozesse häufig mit begrenzten Ressourcen stemmen müssen.

Die Handlungsfelder in diesem strategischen Ziel stehen in einem engen Wechselverhältnis miteinander, adressieren jedoch unterschiedliche Zielgruppen.

Diese Ziele werden durch Aktivitäten in fünf Handlungsfeldern verfolgt:

  • Berlin unterstützt Unternehmen bei der Integration neuer digitaler Technologien und KI-gestützter Verfahren in Unternehmensabläufe und Arbeitsorganisation. (►Transformation gestalten)
  • Berlin fördert die kontinuierliche und systematische Weiterbildung von Erwerbspersonen. (►Mehr Beschäftigte in Weiterbildung bringen)
  • Berlin unterstützt Menschen ohne oder mit formal niedrigen Bildungsabschlüssen beim Erwerb qualifizierter Abschlüsse sowie von Fähigkeiten und Kenntnissen der Grundbildung. (►Basiskompetenzen und Upskilling fördern)
  • Berlin stellt differenzierte Angebote zur Überwindung von Erwerbslosigkeit, unfreiwilliger Teilzeit, unterqualifizierter Beschäftigung sowie struktureller Benachteiligung am Arbeitsmarkt bereit und wirbt für Gute Arbeit sowie Diversität. (►Arbeitsmarktzugänge schaffen — Erwerbspotenziale nutzen)
  • Berlin ist „Willkommensstadt“ und ermöglicht es neuen Berlinerinnen und Berlinern – ob als Internationale High Potentials, internationale Studierende, EU-Bürgerinnen und -Bürger, Drittstaatenangehörige oder Geflüchtete – ihre Talente, Fähigkeiten und Qualifikationen einzubringen und die deutsche Sprache zu erlernen. (►Willkommensstadt Berlin)

Transformation gestalten (Federführung: SenASGIVA)

Der enorme Handlungsdruck auf Unternehmen und Erwerbspersonen ist nicht nur quantitativ begründet. Auch qualitativ entwickelt sich die Art und Organisation des Arbeitens in vielen Berufen und Tätigkeitsfeldern weiter. Transformationsprozesse sind dabei aber nicht nur herausfordernd, sie bieten auch Chancen. In diesem Handlungsfeld geht es daher darum, mit der flexiblen Organisation von Arbeitsprozessen Fachkräfte zu entlasten und gleichzeitig innovative, technische Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung und Arbeitserleichterung zu nutzen, um den Fachkräftebedarf zu senken.

Ob und in welchem Umfang Unternehmen entsprechende Maßnahmen ergreifen können, hängt nicht zuletzt von der Unternehmensgröße ab. Daher steht insbesondere die Unterstützung von KMU und ihrer Beschäftigten bei der Anpassung an den digitalen Wandel im Vordergrund des Handlungsfelds. Ziel ist es, sie bei der Einführung von digitalen Tools und der Weiterentwicklung von Arbeitsorganisation und -prozessen zu unterstützen. Das heißt auch, bestehende Angebote bekannter zu machen und mehr KMU als bisher zu erreichen.

Dies unterstützt der Berliner Senat insbesondere über zwei Leitaktivitäten:

  • Die Digitalagentur Berlin berät Unternehmen in allen Fragen der Digitalisierung, vernetzt diese mit Expertinnen und Experten und hält ein umfangreiches Dienstleistungsspektrum bereit. Hierzu gehört die Absicherung der IT-Systeme vor Bedrohungen, die Information über Finanzierungsmöglichkeiten für Digitalisierungsvorhaben sowie die Ermittlung des unternehmensbezogenen digitalen Reifegrads.
  • Auch das Zukunftszentrum Berlin unterstützt Unternehmen im Bereich der Digitalisierung und der Einführung von KI. Die Informations-, Beratungs-, Vermittlungs- und (betrieblichen) Weiterbildungsangebote richten sich an Führungskräfte und Personalverantwortliche, Beschäftigte sowie Betriebsrätinnen und Betriebsräte bzw. Interessensvertretungen. Insbesondere KMU soll ein niedrigschwelliger Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten und digitalen Lösungen ermöglicht werden.

Mehr Beschäftigte in Weiterbildung bringen (Federführung: SenASGIVA)

Technologische Entwicklungen, neue Prozesse und Verfahren, veränderte Geschäftsfelder und Berufsbilder, Digitalisierungsfortschritte, die Einsatzmöglichkeiten von KI – all das fordert von Beschäftigten und Betrieben in Berlin viel Engagement. Die kontinuierliche Anpassung von Kenntnissen und Kompetenzen an neue Anforderungen ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine gelingende Transformation.

Viele Unternehmen und Beschäftigte in Berlin stellen sich diesen Herausforderungen bereits und nutzen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die bisherigen Anstrengungen reichen jedoch noch nicht aus, um dem bestehenden Anpassungsbedarf gerecht zu werden. Nach den Ergebnissen des Betriebspanels Berlin nahmen im Jahr 2024 in Berlin nur 28 % aller Beschäftigten an Weiterbildung teil. Auch in keinem der Vorjahre haben mehr als 40 % der Berliner Beschäftigten Weiterbildungsangebote genutzt. Gerade in Zeiten, in denen Weiterbildungen besonders dringlich sind, ziehen sich vor allem kleinere Betriebe aus Weiterbildung zurück. Ziel ist es, Betriebe dabei zu unterstützen, Weiterbildung zu ermöglichen und deutlich mehr Berliner Beschäftigte aller Qualifikationsniveaus in Weiterbildung zu bringen. Hierzu soll auch die Vernetzung von Weiterbildungsakteuren einschließlich der Hochschulen in Berlin intensiviert werden.

Das Ziel soll insbesondere über drei Leitaktivitäten erreicht werden:

  • weiterbildung.berlin ist die zentrale Anlaufstelle für Unternehmen in Berlin zu Fragen der zukunftsorientierten betrieblichen Weiterbildung. Das Gemeinschaftsprojekt wichtiger Partnerinnen und Akteure bietet fundierte Beratung, Unterstützung bei der Planung betrieblicher Weiterbildungsaktivitäten und Zugang zu relevanten Fördermöglichkeiten. Die zielgerichtete Qualifizierung zur Abfederung des betrieblichen Fachkräftebedarfs bildet einen wichtigen Schwerpunkt des Angebots.
  • Das Berliner Modell Beratung Bildung & Beruf bietet umfassende Informationen, Beratung und Unterstützung für alle Weiterbildungsinteressierten. Dabei kann es sich sowohl um die berufliche Neuorientierung, den Wiedereinstieg nach Unterbrechungszeiten, Anpassungs- und Aufstiegsqualifizierungen als auch um Arbeitsmarktzugänge von Geflüchteten handeln. Beratungsstellen gibt es in allen Berliner Bezirken. Neben der allgemeinen Beratung sind vier fachbezogene Beratungsstellen auf folgende Schwerpunkte ausgerichtet: Sprache und Berufsabschluss, berufliche Nachqualifizierung, Qualifizierungsberatung für KMU sowie Gesundheit, Pflege und Soziales.
  • Um die Weiterbildungsbeteiligung weiter zu erhöhen, sind in den vergangenen Jahren die Weiterbildungsstudiengänge und akademischen Weiterbildungsangebote der Hochschulen ausgeweitet worden. Für den Überblick eignen sich vor allem die bundesweiten Onlineportale Hochschulkompass und das Informationsportal hoch & weit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Basiskompetenzen und Upskilling fördern (Federführung: SenASGIVA)

Der Bedarf an Hilfstätigkeiten sinkt und stellt die große Anzahl von Menschen ohne oder mit geringer formaler Qualifikation in Berlin vor Herausforderungen.

Die gezielte Unterstützung und Qualifizierung sowohl von Menschen, die erwerbstätig sind als auch von denen, die (noch) außerhalb des Beschäftigungssystems stehen, ist ein Schwerpunkt dieses Handlungsfeldes. Die Qualifizierungsmaßnahmen bieten die notwendige Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an weiterführenden Angeboten der Weiterbildung und verbessern so die Chancen zur Arbeitsmarktpartizipation. Betriebe werden dabei unterstützt, die Kompetenzen von Beschäftigten mit formal geringen Qualifikationen zu erkennen und auszubauen.

Ziel ist es, die Arbeitsmarktchancen formal geringqualifizierter Menschen über (berufs-)fachliche Qualifizierung, Qualifizierungsangebote der arbeitsorientierten Grundbildung und Literalisierung sowie der Stärkung der digitalen Kompetenzen deutlich zu verbessern.

Dieses Ziel soll durch folgende Leitaktivitäten unterstützt werden:

  • Die Fachstelle Qualifizierungsberatung in KMU unterstützt kleine und mittlere Unternehmen in allen zwölf Berliner Bezirken bei der betrieblichen Weiterbildungsplanung. Sie berät in Finanzierungsfragen und zu Qualifizierungszielen von Beschäftigten. Zudem sensibilisiert sie u.a. für die Weiterbildungsbelange geringqualifizierter Beschäftigter.
  • Mit der Berliner Landeskonzeption für Alphabetisierung und Grundbildung wird das Thema Grundbildung gezielt weiterentwickelt und eng mit der Arbeitsmarktförderung verzahnt. Mit dem Landesprogramm Qualifizierung Plus werden ergänzend niedrigschwellige Qualifizierungen zur Verbesserung berufsfachlicher und beruflich relevanter Grundkompetenzen für arbeitsmarktferne Zielgruppen gefördert. Durch verbesserte Schreib- und Lesefähigkeiten und berufsfachliche Grundkompetenzen können Menschen im weiteren Verlauf erfolgreich berufsbezogene Weiterbildungsangebote nutzen. Auch der Berliner Kooperationsverbund Arbeitsorientierte Grundbildung (BerKo) trägt – auf struktureller Ebene – zur besseren Verzahnung von Arbeit und Grundbildung bei. Zum Netzwerk gehören Organisationen der Arbeitsmarktförderung, der Bildungs- und Berufsberatung sowie Berufsverbände und bestehende Netzwerke wie die bezirklichen Alpha-Bündnisse. Ein wichtiges Thema ist hier auch die digitale Grundbildung.

Arbeitsmarktzugänge schaffen — Erwerbspotenziale nutzen (Federführung: SenASGIVA)

In Berlin haben bestimmte Personengruppen eine deutlich niedrigere Erwerbsquote als der Durchschnitt. Hierunter fallen neben Menschen ohne Berufsabschluss, Menschen mit Migrationsgeschichte, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderungen auch ältere Menschen, Frauen und Geflüchtete. Außerdem sind in Berlin im Bundesvergleich überdurchschnittlich viele Menschen arbeitslos. Die Gründe hierfür sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Eines eint diese Gruppen jedoch: In ihnen liegen erhebliche Potenziale für die Berliner Fachkräftesicherung.

Die Fachkräftestrategie 2035 zielt in diesem Handlungsfeld darauf ab, diese Potenziale konsequent zu heben, also die Arbeitsmarktbeteiligung, das Arbeitszeitvolumen und die qualifikationsadäquate Beschäftigung zu erhöhen und flexible Zugänge in Arbeit zu schaffen. Dabei ist die konkrete Lebenssituation Ausgangspunkt für die passenden Angebote.

Es gilt sowohl individuelle Beratung und Förderung zu ermöglichen als auch strukturelle Hürden wie unfreiwillige Teilzeit, unterqualifizierte Beschäftigung, Diskriminierung und Barrieren im Job abzubauen. Die Gestaltung von Arbeitszeiten und -orten zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und privaten Verpflichtungen ist dabei genauso Thema wie bei Betrieben für die Bereitschaft zu werben, ihre Belegschaft diverser aufzustellen.

Gute Arbeit, flexible Arbeitsorganisation und Diversität sollen als Wettbewerbsvorteile bei der Fachkräftesicherung gestärkt werden. Eine inklusive Gesellschaft bedingt, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt und selbstbestimmt am Arbeitsleben teilhaben können. Beschleunigte und einfachere Anerkennungsverfahren und genügend Qualifizierungsangebote sind essentiell, damit Fachkräfte mit im Ausland erworbenen Abschlüssen schneller qualifikationsadäquat arbeiten können.

Zur Erreichung tragen vielfältige Aktivitäten der Senatsverwaltungen, insbesondere der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter in Berlin im Zusammenspiel mit vielen weiteren Akteuren bei. Auf Grund der Diversität der adressierten Personen in diesem Handlungsfeld lässt sich keine einzelne Leitaktivität bestimmen.

Beispiele für Aktivitäten, die auf einen verbesserten Arbeitsmarktzugang zielen, sind:

  • Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und Arbeitgebenden beim Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt durch Programme und Maßnahmen u.a. durch die Förderung von Barrierefreiheit und Assistenz am Arbeitsplatz. Der Senat plant außerdem, die bestehenden Beratungsangebote weiter zu stärken. So wurde die Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA) zum 1. Januar 2026 neu ausgeschrieben. Die hierfür vorgesehenen Mittel wurden deutlich erhöht.
  • Unterstützung beim Wiedereinstieg nach Geburt, Pflegezeiten, Krankheit oder Reha und Angebote zur Kinderbetreuung sowie die Reduzierung von Diskriminierung im Arbeitskontext. Informationsangebote zu diesen vielfältigen Themen unterstützen beim Einstieg oder Verbleib in Erwerbsarbeit auch in herausfordernden Lebenssituationen.
  • Frauenspezifische Fachberatung u.a. zu den Themen berufliche Orientierung, Laufbahnentwicklung, Arbeit, Weiterbildung durch die Beratung zu Beruf und Beschäftigung für Frauen sowie Kurse für berufliche Orientierung für Frauen.
  • Daneben existieren individuelle Angebote wie bspw. das Berliner JobCoaching, die Berliner Job Points sowie Beratungsangebote bei beruflicher Neuorientierung und Qualifizierung für die unterschiedlichen Zielgruppen (►Basiskompetenzen und Upskilling fördern und ►Mehr Beschäftigte in Weiterbildung bringen) sowie Programme der öffentlich geförderten Beschäftigung wie beispielsweise die Sozialen Betriebe.
  • Die Verstetigung der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung sowie die Harmonisierung des Anerkennungsrechts und die weitere Digitalisierung werden Berufsanerkennungsverfahren transparenter und effizienter machen.
  • Ergänzt werden diese Aktivitäten durch zielgruppenspezifische Angebote, wie z.B. die mobile Jobberatung für Geflüchtete, Jobmessen für Geflüchtete, Matching-Veranstaltungen sowie aufsuchende digitale Beratung in Social Media („Digital Streetwork“), Sprach- und Integrationskurse an VHS und bei privaten Sprachschulen und die Unterstützung bei der Anerkennung von Qualifikationen. (►Willkommensstadt Berlin)
  • 2026 startete die Netzwerkstelle für Gute Arbeit. Bei dieser Fortführung des Modellprojekts Joboption Berlin steht die Förderung Guter Arbeit mit Blick auf die Gewinnung, Bindung und Entwicklung von Fach- und Arbeitskräften unter Beteiligung von Sozialpartnern und weiteren Arbeitsmarktakteuren im Fokus.

Willkommensstadt Berlin (in Verantwortung: SenASGIVA, SenInnSport, SenWiEnBe, SenWGP)

Berlin ist Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. Für die einen ist die Stadt Migrationsziel, für die anderen eine Zwischenstation. Die damit verbundenen Ziele sind vielfältig. Die einen suchen berufliche Selbstverwirklichung, die anderen Schutz vor Krieg und Verfolgung, wieder andere werden von den Universitäten und Bildungseinrichtungen der Stadt angezogen. Temporäre oder dauerhafte Aufenthalte für Arbeit oder Ausbildung schaffen neue Netzwerke und stärken bestehende internationale Kontakte.

Berlin hat den Anspruch Willkommensstadt zu sein. Das meint auch, dass alle Menschen, die aus dem Ausland nach Berlin kommen, möglichst schnell mit ihren Talenten und Qualifikationen nachhaltige Berufsperspektiven finden. Dazu gehören transparente und faire Zugänge zu Ausbildung und Arbeit. Angesprochen sind dabei sowohl einwandernde Fach- und Arbeitskräfte als auch Geflüchtete, internationale Studierende, mitreisende Familienangehörige und nicht zuletzt Unternehmen, die Fachkräfte aus dem Ausland anwerben möchten. Es braucht einen vielsprachigen und zentralen Zugang zu allen notwendigen arbeits-, aufenthalts- und sozialrechtlichen Informationen.

Die Berliner Willkommensstrukturen sind auf eine ressort- und institutionenübergreifende Zusammenarbeit des Senats und weiterer relevanter Akteure angewiesen. Diese Zusammenarbeit soll kontinuierlich weiterentwickelt werden, um Prozesse zu bündeln, Zugänge zu erleichtern und Unterstützungsangebote systematisch zu vernetzen. Damit kann erstens abgestimmter auf bestehende Probleme und neue Entwicklungen z.B. im Rahmen des Prozesses zur Optimierung der Anerkennungsverfahren reagiert werden. Zweitens wird der Zugang zu Angeboten transparenter und zielgenauer.

Dabei arbeitet der Senat daran, alle Prozesse im Zusammenhang mit der Erteilung von Aufenthaltstiteln zu Beschäftigungszwecken sowie der Anerkennung von Qualifikationen¹ weiter zu vereinfachen und zu digitalisieren sowie daran nahtlose Übergänge beim Wechsel von Aufenthaltstiteln zu schaffen, so dass Unternehmen und Fachkräfte schneller und passgenauer zusammenkommen. Für das Ankommen im Arbeitsmarkt ist das Erlernen der deutschen Sprache und berufssprachlicher Kenntnisse zentral. Damit werden auch spezifische Bedarfe von bereits länger in Berlin lebenden Menschen mit Migrationsgeschichte adressiert (►Arbeitsmarktzugänge schaffen — Erwerbspotenziale nutzen). Eine nachhaltige Fachkräfteeinwanderung muss eine inklusive und diversitätsorientierte Arbeitswelt fördern und Eingewanderte sicher vor Diskriminierung und Arbeitsausbeutung schützen. Deshalb arbeitet Berlin auf Bundes- und Landesebene an guten Rahmenbedingungen und an der Umsetzung fairer Migration.

Zur Erreichung der Ziele tragen insbesondere folgende Leitaktivitäten² bei:

  • Das im 2. Quartal 2026 an den Start gehende Digitale Willkommenszentrum bietet als besonderes Angebot des Willkommenszentrums eine mehrsprachige Orientierungs-, Informations- und Verweisplattform für Menschen, die nach Berlin einwandern möchten oder bereits eingewandert sind. Sie finden hier wichtige Informationen zu Anerkennungsverfahren, arbeitsrechtlichen Fragen, sowie zu aufenthaltsrechtlichen Aspekten, beispielsweise nach Ende eines Hochschulstudiums. Daneben bleibt das Willkommenszentrum die etablierte zentrale Anlaufstelle für Eingewanderte und Neuankommende, die mehrsprachige Beratung zur Einreise, zum Aufenthalt, zu sozialen Leistungen, zur Arbeit und Ausbildung, etc. anbietet.
  • Für Unternehmen steht das Angebot des Business Immigration Service (BIS) zur Verfügung. Beim BIS handelt es sich um eine Serviceeinheit des Landesamts für Einwanderung, die in enger Kooperation mit der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, der Industrie- und Handelskammer Berlin, der Handwerkskammer Berlin, der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, der Bundesagentur für Arbeit und dem Bürgeramt des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf zusammenarbeitet, um Verfahren zu beschleunigen, bürokratische Hürden abzubauen und das Ankommen qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland nachhaltig zu erleichtern.
    Unternehmen, Gründerinnen und Gründer sowie Selbstständige finden beim BIS Beratung und Unterstützung bei aufenthaltsrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit potentiellen oder bereits in Berlin lebenden Beschäftigten und deren Familienangehörigen. Mit dem Talent-Service sowie der im Rahmen des Internationalisierungskonzepts für die Berliner Wirtschaft ausgeweiteten Ansprache von Talenten aus dem Ausland wird zusätzlich für Berlin als Arbeits- und Lebensort geworben.
  • Von besonderer Bedeutung für die Gewinnung von Fachkräften sind internationale Studierende in Berlin. Die Berliner Hochschulen sind international als attraktiver Hochschulstandort sichtbar. Ziel ist es, internationale Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen verstärkt für den Berliner Arbeitsmarkt zu gewinnen. Entsprechende Maßnahmen werden auch im Rahmen der gemeinsamen Strategie von Bund und Ländern zur „Internationalisierung der Hochschulen in Deutschland“ verfolgt. Die Maßnahmen der Hochschulen umfassen neben der akademischen Qualifizierung zum Beispiel die Informationsvermittlung zum deutschen Arbeitsmarkt. Die Hochschulen bieten Unterstützung bei der Praktikumssuche und beruflicher Weiterqualifizierung. Darüber hinaus machen sie Angebote zur Sprachförderung auch für Geflüchtete an den Berliner Hochschulen und führen Netzwerkveranstaltungen durch.
  • Verweise:
    1 Die Festlegung europäischer Standards, wie über das Paket zur fairen Mobilität oder die in Weiterentwicklung befindliche europäische Berufsanerkennungsrichtlinie, wirken unmittelbar auf die Verbesserung von Prozessen rund um die Anerkennung von Qualifikationen und der Erwerbsmigration allgemein.
    2 Weitere wichtige Aktivitäten zur Fachkräftesicherung sind die Informationsplattform talent.berlin, das Regionale Integrationsnetzwerk Berlin (RIN Berlin) im Rahmen des Förderprogramms IQ – Integration durch Qualifizierung sowie die Umsetzung der Aufenthalts- und Niederlassungserlaubnisse.

Arbeit und Berufliche Bildung

Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung,
Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung