Berufliche Zukunft und Fachkräftepotenziale junger Menschen sichern

Nachwuchskraft beim Unterricht

Junge Menschen haben für die Fachkräftesicherung eine besondere Bedeutung. Sie stehen am Anfang ihres Berufslebens und können dadurch längerfristig dem Arbeitsmarkt als Fachkräfte zur Verfügung stehen. Zudem kann mit einer gezielten Beruflichen Orientierung hin zu zukunftsfähigen Ausbildungsberufen und Studiengängen eine berufliche Perspektive eröffnet werden, von der sowohl die jungen Menschen als auch Berlin profitieren.

Unter „jungen Menschen“ werden hier grundsätzlich Personen unter 30 Jahren verstanden. Hochschulische Weiterbildungen und Hochschulstudium (auch berufsbegleitend) für Personen über 30 Jahre werden im Rahmen der Fachkräftestrategie 2035 dem Handlungsfeld „Mehr Beschäftigte in Weiterbildung bringen“ zugeordnet.

Berlin hat gegenüber anderen Bundesländern den demografischen Vorteil einer vergleichsweise jungen Bevölkerung. Allerdings verlassen derzeit noch zu viele junge Menschen in Berlin die Schule ohne Abschluss. Vielen gelingt kein sicherer Übergang in Ausbildung und Berufsleben. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Die Fachkräftestrategie 2035 setzt hier an. Ziel ist es, die Zahl der erfolgreichen Schulabgängerinnen und -abgänger zu erhöhen, den Übergang von der Schule in eine berufliche Ausbildung bzw. in ein Studium zu verbessern und erfolgreiche Abschlüsse zu unterstützen. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Berliner Strategie gegen Kinderarmut, die den Blick darauf richtet, wie Hürden für armutsbetroffene Jugendliche im Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf abgebaut werden können.

Berlin zieht Studierende aus Deutschland und aus dem Ausland an. Anliegen der Fachkräftestrategie ist es, mehr Studieninteressierte für Fächer mit hohem Fachkräftebedarf zu erschließen (z. B. Frauen in MINT-Fächern). Ziel ist es außerdem, Hochschulabsolventinnen und -absolventen über das Studium hinaus als Fachkräfte in Berlin zu halten. Studienabbrüche sollen reduziert und Studienabbrecherinnen und -abbrecher dabei unterstützt werden, sich alternative Berufswege z. B. durch den Wechsel in eine duale Ausbildung zu erschließen.

Um diese Ziele zu erreichen, werden Aktivitäten in den folgenden vier eng miteinander verzahnten Handlungsfeldern umgesetzt:

  • Das Handlungsfeld Schule konzentriert sich auf die Stärkung und Weiterentwicklung der Beruflichen Orientierung sowie auf Verbesserungen im Bereich der sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen. (►Schule)
  • Im Übergangssystem werden Ausbildungsplatzsuchende dabei unterstützt, ihren Weg Richtung Berufsabschluss zu gehen und einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. (►Übergangssystem)
  • Im Handlungsfeld Berufliche Ausbildung sollen einerseits die erfolgreiche Aufnahme beruflicher Ausbildungen erhöht, andererseits Ausbildungsabbrüche reduziert werden. (►Berufliche Ausbildung)
  • Bei der Hochschulbildung liegt der Fokus auf der Erhöhung des Studienerfolgs, dem Erschließen zusätzlicher Potenziale in Fächern mit hohem Fachkräftebedarf, dem Halten von Absolventinnen und Absolventen in Berlin sowie dem Aufzeigen möglicher Alternativen für Studienabbrechende im Rahmen der beruflichen Qualifikation oder von Beschäftigung. (►Hochschulbildung)

Schule (Federführung: SenBJF)

Die Grundlagen für einen erfolgreichen beruflichen Werdegang werden über die Familienförderung, die frühe Bildung in Kitas bis in die allgemeinbildenden Schulen gelegt. Dabei geht es insbesondere auch um die Vermittlung sprachlicher und mathematischer Kompetenzen sowie eine gute und geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung.

Hierbei sind fundierte Basiskompetenzen der Schlüssel zu einem erfolgreichen Schulabschluss. Er verbessert die Chancen zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung signifikant und damit auch für einen qualifizierten Start ins Erwerbsleben. Davon profitieren nicht nur die jungen Menschen selbst; hierin liegt auch eine wesentliche Voraussetzung zur Sicherung des zukünftigen Fachkräftepotenzials.

Darüber hinaus versetzt eine zielgerichtete Berufs- und Studienorientierung Schülerinnen und Schüler in die Lage, verschiedene Berufe kennenzulernen und eine informierte und an ihren Interessen und Stärken orientierte Berufswahl zu treffen.

Gut begleitete Praktika mit Zeit für Reflexion spielen in der Beruflichen Orientierung eine zentrale Rolle. Hierüber gewinnen Schülerinnen und Schüler Einblicke in den Arbeitsalltag von Berufen und in die dafür benötigten Kompetenzen. Zudem knüpfen sie erste Kontakte zu Unternehmen. Es ist die Aufgabe und im Interesse von Kammern, Verbänden, Unternehmen und Hochschulen, ein ausreichendes Angebot für Schülerinnen und Schüler sicherzustellen. Eine zielgerichtete Berufliche Orientierung sorgt dafür, dass junge Menschen eine bessere Vorstellung von den jeweiligen Berufen haben und trägt dadurch dazu bei, Ausbildungs- und Studienabbrüche zu senken.

Mit folgenden Leitaktivitäten sollen die Ziele in diesem Handlungsfeld erreicht werden:

  • Das Land Berlin unterstützt Lehrkräfte sowie an Bildungsprozessen Beteiligte bei der Erhebung und Stärkung der mathematischen und sprachlichen Basiskompetenzen in allen Bildungsphasen (Elementar-, Primar- und Sekundarbereich). Hierfür werden u. a. entsprechende Materialien auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg zur Verfügung gestellt.
  • Das Landeskonzept Berufliche Orientierung Berlin sichert die Infrastruktur und Qualität der Beruflichen Orientierung an Berliner Schulen. Ziel ist eine zeitgemäße Berufliche Orientierung an den Schulen, die eine umfassende Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler fördert und den aktuellen Standards von Nachhaltigkeit und Innovation entspricht. Dazu gehören zwingend praktische Einblicke in die berufliche und die akademische Ausbildung.

Übergangssystem (Federführung: SenBJF)

Jedes Jahr bleibt für knapp 10 Prozent der Ausbildungsplatzsuchenden in Berlin die Suche erfolglos. Zum einen stehen nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung. Zum anderen bestehen häufig Passungsprobleme.

Neben den Aktivitäten zur Senkung der Schulabgangsquote ohne Schulabschluss, einer besseren Beruflichen Orientierung und den im Handlungsfeld Ausbildung vorgestellten Aktivitäten, sollen junge Menschen, die trotz aller Anstrengungen die allgemeinbildende Schule ohne Schulabschluss verlassen haben, Anschlussperspektiven aufgezeigt und nicht versorgte Ausbildungsplatzsuchende mit passenden Angeboten versorgt werden. Hierfür sind eine funktionierende Umsetzung des Datenaustauschs zwischen Bundesagentur für Arbeit und den zuständigen Landesstellen (§ 31a Abs. 2 SGB III) und eine zielgerichtete rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit zentral.

Dieses Ziel wird durch folgende Leitaktivität adressiert:

  • Die Jugendberufsagentur Berlin (JBA Berlin) soll alle jungen Menschen beim Übergang Schule und Beruf umfassend unterstützen, ihnen bei der Berufswahl zur Seite stehen und damit einen entscheidenden Beitrag zu einem erfolgreichen Berufsabschluss leisten. Dies erfolgt durch eine Beratung, bei der mit den jungen Menschen selbst die individuellen Berufsperspektiven geklärt werden und ein realistisches Qualifizierungsangebot unterbreitet wird. Hierbei arbeiten in der JBA Berlin alle Kooperations- und Bündnispartner eng zusammen. Das Unterstützungsangebot in der Beratung und Begleitung wird stetig im Kontext verfügbarer Ressourcen weiterentwickelt.

Berufliche Ausbildung (Federführung: SenASGIVA)

Berlin sieht sich auf dem beruflichen Ausbildungsmarkt zwei Herausforderungen gegenüber. Erstens werden trotz eines wachsenden Fachkräftebedarfs zu wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Dies führt zu der im bundesweiten Vergleich geringsten Angebots-Nachfrage-Relation¹ (66,4% zum Ende des Berichtsjahres 2024/2025).

Zweitens wird etwa ein Drittel der in Berlin geschlossenen Ausbildungsverträge sowohl im dualen System als auch in der vollschulischen Ausbildung vorzeitig gelöst. Die Gründe für Ausbildungsabbrüche sind sehr vielfältig und betreffen u. a. die Ausbildungsqualität und das Tarifgefüge. Oftmals stimmen aber auch die Vorstellungen der jungen Menschen vom gewählten Ausbildungsberuf nicht mit der Realität überein.

Ziel der Fachkräftestrategie 2035 ist es, die realisierten Ausbildungseinmündungen zu erhöhen und gleichzeitig Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Folgende Leitaktivitäten tragen zum Erreichen dieses Ziels bei:

  • Mit der Förderung der betrieblichen Ausbildung (Richtlinienförderung) erhalten Unternehmen finanzielle Unterstützung, um zusätzliche Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche zur Verfügung zu stellen.
  • Im Landesprogramm Mentoring werden Projekte gefördert, die dazu beitragen, Ausbildungsverhältnisse zu stabilisieren und Jugendliche so zu stärken, dass diese ihre Ausbildung erfolgreich absolvieren und abschließen.

Hochschulbildung (Federführung: SenWGP)

Jedes Jahr schließen in Berlin deutlich über 30.000 Studierende ihr Studium erfolgreich ab. Sie bilden einen wichtigen Pool für die dringend benötigten hochqualifizierten Fachkräfte in Berlin. Auch internationale Studierende sind hier eine relevante Zielgruppe.

Ein Anliegen der Fachkräftestrategie 2035 ist, den Studienerfolg insbesondere in Fächern mit hohem Fachkräftebedarf, zum Beispiel den MINT-Fächern, zu erhöhen sowie zusätzliche Potenziale von Studieninteressierten zu erschließen. Unter anderem die Orientierungs- und Studienvorbereitungsangebote der Hochschulen, die vielfältigen Unterstützungs- und Beratungsangebote während des Studiums sowie die Weiterentwicklung der Diversitäts- und Antidiskriminierungsstrukturen sollen dafür einen Grundstein legen.

Um einen relevanten Beitrag zur Fachkräftesicherung in Berlin zu leisten, müssen die Bedarfe insbesondere der im ersten Ziel genannten Branchen in Berlin berücksichtigt werden. Hierbei spielen die Career Center der Hochschulen sowie eine frühzeitige Vernetzung der Studierenden mit Unternehmen, z. B. über Praktika oder Alumni- und Mentoringprogramme eine wichtige Rolle. Zudem ist das Format des dualen Studiums in verschiedenen Branchen ein erfolgreiches Instrument der Fachkräftesicherung und -bindung.

Um die Ziele in diesem Handlungsfeld zu erreichen, sind insbesondere folgende Leitaktivitäten vorgesehen:

  • Ein zentrales Steuerungsinstrument für die Umsetzung der hochschulpolitischen Ziele des Landes Berlin sind die Hochschulverträge. Das Thema Fachkräftesicherung wird jeweils in einem eigenen Teilkapitel behandelt, in dem u. a. die Sicherung von Studienkapazitäten in Bereichen mit hohem Fachkräftebedarf vereinbart wird. Darüber hinaus ergreifen die Hochschulen selbstständig Maßnahmen, um den eigenen Fachkräftebedarf zu decken und Beschäftigte zu fördern.
  • Das Land Berlin unterstützt mit dem Programm „Qualitäts- und Innovationsoffensive“ an den staatlichen Hochschulen Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Qualität von Studium und Lehre, die u. a. mit den Zielen der Erhöhung des Studienerfolgs und der gezielten Adressierung spezifischer Gruppen (z.B. internationaler Studierender) zur Fachkräftesicherung beitragen.
  • Das duale Studium kombiniert die wissenschaftliche Hochschulbildung mit betrieblichen Praxiseinsätzen. Die Dachmarke Duales Studium des Landes Berlin bündelt relevante Informationen sowie Serviceangebote und ist ein wichtiges Instrument, um das duale Studium qualitativ und quantitativ zu stärken.
  • Auch Studierende, die ihr Studium vorzeitig beenden und die Hochschule ohne Abschluss verlassen, sollen als Fachkräfte gewonnen werden. Das Beratungsnetzwerk Queraufstieg zeigt Alternativen zum aktuellen Studium auf und unterstützt beim Übergang in eine berufliche Ausbildung.
  • Verweise:
    1 Die Angebots-Nachfrage-Relation ist die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote je 100 Ausbildungsplatzsuchende in einem Berichtsjahr mit Stichtag 30. September.

Arbeit und Berufliche Bildung

Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung,
Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung