Fachkräfte in Branchen mit hohen Bedarfen sichern

Ingenieurin bei der Arbeit

Für viele Bereiche der Berliner Wirtschaft wird ein wachsender Fachkräftebedarf prognostiziert, der durch die Berliner Fachkräftestrategie 2035 adressiert wird. Das Thema trifft die Berliner Wirtschaft in der gesamten Breite, in Handwerk, Handel, im Dienstleistungssektor und in der Industrie. Innerhalb der Grundgesamtheit gilt es jedoch zu fokussieren. Das erste Ziel der Berliner Fachkräftestrategie 2035 konzentriert sich dabei auf den Bedarf von Unternehmen in Wirtschaftszweigen, die aus Sicht des Berliner Senats für eine zukunftsgerechte und innovative Entwicklung Berlins besondere Bedeutung haben.

Die damit verbundene Schwerpunktsetzung wird sowohl in der Gemeinsamen Innovationsstrategie mit dem Land Brandenburg als auch der Deep Tech Agenda Berlin, die eine Fokussierung auf Technologie- und Anwendungsfelder vornimmt, erfolgen. Beide Strategien werden aktuell erarbeitet und sollen 2026 beschlossen werden.

Mit Blick auf die in diesem Zusammenhang erforderliche Fachkräftesicherung profitiert Berlin zwar bereits jetzt von den guten Bedingungen einer starken Wissenschafts- und Forschungslandschaft sowie den Netzwerkeffekten einer Start-Up-Metropole. Zukünftig wird jedoch eine erheblich wachsende Zahl von Fachkräften aller Qualifizierungsniveaus erforderlich sein, um vorhandene Innovationsstärken sichern und ausbauen zu können und aus der Skalierung von Innovationen neue Chancen für regionale Wertschöpfung zu generieren. Gleiches gilt für das Erreichen weiterer Ziele Berlins, wie beispielsweise im Bereich der Klimaneutralität: Ohne Fachkräfte kann die Klimaanpassung nicht gelingen.

Auch die Fachkräftesicherung in Gesundheits- und Pflegeberufen steht im Fokus. Hier steigt der Bedarf an Fachkräften vor allem demografisch bedingt besonders stark. Auch im Sinne einer guten städtischen Daseinsvorsorge und für die Fähigkeit Berlins, Fachkräfte gewinnen und halten zu können, ist dieses Handlungsfeld besonders relevant.

Der Bereich Erziehung und Bildung ist ebenso als Zukunftsfeld definiert. Hier braucht es mehr Fachkräfte, um den Herausforderungen der Transformationen zu begegnen, der wachsenden Bedeutung des lebensbegleitenden Lernens zu entsprechen und ein gutes und nachhaltiges Bildungssystem zu gestalten.

Fachkräfte für Berliner Schlüsseltechnologien und -felder (Federführung: SenWiEnBe)

Der Fokus des Handlungsfelds liegt auf Berufen und Kompetenzen, die für die Zukunftsfähigkeit der Berliner Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind. Das sind insbesondere hochqualifizierte Berufe in den Berliner Schlüsseltechnologien und Zukunftsfeldern, also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) sowie in innovativen Anwenderbranchen. Das betrifft aber beispielsweise auch klimarelevante Berufe im Handwerk. Der in den Bereichen MINT und Handwerk besonders niedrige Anteil weiblicher Beschäftigter vergrößert die Fachkräftelücke. Einige der Schlüsseltechnologien betreffen darüber hinaus die Gesundheitswirtschaft und die Medizintechnik (►Fachkräfte in Gesundheit und Pflege). Der Bedarf an Fachkräften ist in diesen Feldern auf allen Qualifikationsniveaus hoch.

Einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs leisten neben den dual ausbildenden Unternehmen auch die Berliner Hochschulen. Diese lehren und forschen nicht nur zu den relevanten Schlüsseltechnologien, sondern sorgen auch für einen entsprechenden Wissens- und Technologietransfer.

Folgende vier Leitaktivitäten sind für die Fachkräftesicherung in diesem Feld bedeutsam:

  • Die Deep Tech Agenda Berlin ist die zentrale Strategie zur Stärkung der Innovationskraft im Bereich von Schlüsseltechnologien, für die die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Fachkräften von entscheidender Bedeutung ist. Insbesondere werden hochqualifizierte Fachkräfte in strategisch wichtigen Technologie- und Anwendungsfeldern gebraucht, in denen besondere Entwicklungspotenziale für eine Technologieführerschaft liegen. Die neue Gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg wird einen Fokus auf innovative Lösungen zur Bewältigung des demografischen Wandels setzen. Die Gewinnung und nachhaltige Bindung von Expertinnen und Experten sowie Spezialistinnen und Spezialisten ist ein entscheidender Erfolgsfaktor zur Sicherung der Innovationskraft Berlins. Dafür müssen berufliche und akademische Ausbildung die erforderlichen Kompetenzen vermitteln, Weiterbildungsangebote ein lebenslanges Lernen ermöglichen und der Wissens- und Technologietransfer über Köpfe gestärkt werden. Auch das Thema attraktive Beschäftigung spielt hier eine wichtige Rolle. Daneben unterstützt der Talent Service von Berlin Partner Unternehmen in den Schlüsseltechnologiebranchen bei allen Personalthemen in Berlin.
  • Berlin will spätestens im Jahr 2045 eine klimaneutrale Stadt sein. Ein wichtiger Baustein dafür ist der Masterplan Solarcity. Er verfolgt das Ziel, bis 2035 ein Viertel des in Berlin erzeugten Stroms aus Solarenergie zu gewinnen. Um das erreichen zu können, ist ein entsprechender Aufbau an Expertise in der Planung, der Installation, Wartung und Rückbau von Photovoltaikanlagen notwendig. Für diesen Fachkräftebedarf sieht der Masterplan im Handlungsfeld „Fachkräfte, Know-How-Transfer“ Maßnahmen vor, um Ausbildungs- und Studienplatzinteressierte von einer entsprechenden beruflichen Ausbildung oder einem Studium zu überzeugen. Diese Themen werden branchenübergreifend auch im Aktionsprogramm Handwerk adressiert und mit einem konkreten Maßnahmenbündel unterlegt.
  • Berlin war und ist Industriestadt. Die Transformation der industriellen Produktion hin zu neuen digitalen und ressourcenschonenden Geschäftsmodellen, Fertigungstechnologien und Produktionsabläufen birgt dabei besondere Herausforderungen. Sie wirkt sich u. a. erheblich auf Berufs- und Qualifikationsprofile in der Industrie aus. Der Masterplan Industriestadt Berlin 2022-2026 (MPI) zielt daher unter anderem auf die Entwicklung von Kompetenzen und von modernen Berufsbildern sowie von Arbeits- und Organisationsmodellen in diesem Bereich ab. Gleichzeitig geht es um kontinuierliche Weiterbildung entlang der Erwerbsbiographie. Für eine erfolgreiche Umsetzung des Masterplan Industriestadt Berlin arbeiten alle industriepolitisch relevanten Akteurinnen und Akteure eng zusammen.
  • Die Berliner Hochschulen leisten einen substanziellen Beitrag zum Innovationsstandort Berlin. Neben der Qualifizierung akademischer Fachkräfte in den Schlüsseltechnologien und -feldern wird dieser im Bereich von Forschung und Transfer insbesondere durch drei Bausteine erzielt: (1) Die Förderung von Forschenden aus dem In- und Ausland in frühen Karrierephasen in relevanten Schlüsseltechnologien¹, (2) Forschungsschwerpunkte mit Bezug zu Schlüsseltechnologien sowie (3) die Förderung der Gründung innovativer Deep-Tech-Ausgründungen der Hochschulen.²

Fachkräfte für Gesundheit und Pflege (Federführung: SenWGP)

Der Fachkräftebedarf ist sowohl in Gesundheitsberufen als auch in den Pflegeberufen bereits heute groß. Dies wird sich in Zukunft weiter verstärken, da dieser Bereich mehrfach vom demografischen Wandel betroffen ist: Es müssen in Ruhestand gehende Gesundheitsfach- sowie Pflegekräfte ersetzt werden, die bereits bestehenden Lücken für eine gute Versorgung geschlossen werden und dem steigenden Bedarf an gesundheitlicher und pflegerischer Versorgung auf Grund der alternden Bevölkerung entsprochen werden. Die Sicherstellung einer guten gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungssituation ist gleichzeitig ein relevanter Faktor dafür, dass sich Fachkräfte für Berlin als Arbeits- und Lebensort entscheiden. Für die Fachkräftesicherung in Gesundheit und Pflege spielt schon heute die Fachkräfteeinwanderung sowie die nachhaltige Bindung von Beschäftigten aus dem Ausland eine bedeutsame Rolle.

In diesem Handlungsfeld liegt der Fokus darauf, bedarfsgerecht Fachkräfte für den Gesundheits- und Pflegebereich durch Qualifizierung (Ausbildung/Studium) zu gewinnen. Auch sollen Fachkräfte mit im Ausland erworbenen Abschlüssen durch die beschleunigte Anerkennung ihrer Abschlüsse schneller entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt werden können. Darüber hinaus sollen Innovationen und der Einsatz technologischer Unterstützung Fachkräfte entlasten. Ziel ist es, damit eine bessere gesundheitliche und pflegerische Versorgung zu erreichen.

Folgende Leitaktivitäten zahlen hierauf besonders ein:

  • Damit Fachkräfte mit einem im Ausland erworbenen Abschluss schneller qualifikationsadäquat in Deutschland arbeiten können, werden die Anerkennungsverfahren ausländischer Abschlüsse beschleunigt. Berlin begleitet dazu Gesetzgebungsprozesse auf Bundesebene und beteiligt sich an der Weiterentwicklung der Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe, mit der Anerkennungsverfahren optimiert werden sollen. Die Berliner Beratungsstelle für Fachkräfte mit ausländischem Pflegeabschluss bietet eine mehrsprachige Beratung sowohl von Pflegefachkräften aus dem Ausland als auch von Arbeitgebern in der Pflege an.
  • Für den Bereich Gesundheit sorgt das Gesundheitsfachberufeförderungsgesetz (GesfbFÖG) des Landes und für den Bereich Pflege das Pflegestudiumstärkungsgesetz (PflStudStG) für bessere finanzielle Rahmenbedingungen während Ausbildung und Studium. Mit dem Pflegefachassistenzeinführungsgesetz wird die neue bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung die landesrechtliche Ausbildung ab 2027 ablösen, die Finanzierung für Ausbildungsträger und Pflegeschulen verbessern und damit einen wesentlichen Beitrag zur Durchlässigkeit von Karrierepfaden, zum Ausbau des Qualifikationsmixes sowie zur Qualitätssicherung in der Pflege leisten.
  • Mit dem Berliner Bündnis für Pflege wurde ein berlinweites Netzwerk aufgebaut, das für Pflegetätigkeiten in Berlin wirbt und Träger bzw. Einrichtungen bei der Ausbildung und Weiterqualifizierung unterstützt. Ziel des Bündnisses ist es außerdem, Fachkräfte langfristig in Pflegeberufen zu halten. Es werden erfolgversprechende Ansätze der Fachkräftesicherung identifiziert, der dazugehörige Wissenstransfer über Vernetzungs- und Austauschformate abgesichert und in die Praxis getragen.
  • Die Ausbildungsoffensive Pflege Deine Zukunft gibt Berufliche Orientierung über die Pflegeberufe. Die Koordinierungsstelle Pflegeausbildung Berlin (KOPA) unterstützt Betriebe und Pflegeschulen in der Umsetzung der beruflichen und akademischen Pflegeausbildung. Eine Ombudsstelle steht Auszubildenden bei Problemen mit ihrem Ausbildungsträger während der Pflegeausbildung zur Seite.
  • Um eine Schulgeldfreiheit an staatlich anerkannten privaten Schulen für Gesundheitsberufe zu gewährleisten, werden vom Land Berlin jährlich „Schulgeldersatzleistungen“ erbracht.
  • Das Fachkräftemonitoring Pflege liefert eine wichtige Datengrundlage für den aktuellen und zukünftigen Fachkräftebedarf in der Pflege.

Fachkräfte für Erziehung und Bildung (Federführung: SenBJF)

Die Analyse aktueller QuBe-Daten zeigt, dass bis zum Jahr 2035 insgesamt 8.800 Fachkräfte für Lehr- und ausbildende Berufe (einschließlich Lehrkräfte in der Weiterbildung) in Berlin fehlen. Hinzu kommen Erzieherinnen und Erzieher sowie weitere sozialpädagogische Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe, außerdem Schulsozialpädagoginnen und -pädagogen in allen Schulformen. Neben dem Personal an Schulen sowie in der Kinder- und Jugendhilfe besteht auch im Bereich der allgemeinen Weiterbildung ein wachsender Fachkräftebedarf. Hier ist das Leitprinzip „Gute Arbeit“ besonders relevant, da ein erheblicher Teil der Beschäftigung im allgemeinen Weiterbildungsbereich prekär ist. Auch in der Eingliederungshilfe (SGB IX) besteht ein Fachkräftebedarf, vor allem bei der Heilerziehungspflege.

Bei der Umsetzung des Handlungsfelds liegt der Fokus stark auf der Gewinnung von Studieninteressierten, Studierenden sowie Quereinsteigenden für ein Lehramtsstudium. Gleichzeitig sollen die Lehrkräfte durch zusätzliches pädagogisches Personal an den Schulen entlastet werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Gewinnung von Lehrkräften für den Bereich der Weiterbildung.

Daneben liegt ein Schwerpunkt auf der Beratung und Informationsbereitstellung zu den Themen Ausbildung, Studium, Quereinstieg in den sozialpädagogischen Berufen und Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe sowie zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen in diesen Bereichen. Auch damit soll die Fachkräftesicherung gestärkt werden.

Die folgenden Leitaktivitäten unterstützen die Fachkräftesicherung in Erziehung und Bildung:

  • Die Informationsplattform Berlin macht Schule dient der Gewinnung von Studieninteressierten und Quereinsteigenden für ein Lehramtsstudium. Die Informationsplattform Mach Berlin gross! informiert auch über sozialpädagogische Berufe, Ausbildung/Studium sowie Quereinstiegsmöglichkeiten.
  • Die standardisierten Fort- und Weiterbildungsangebote für Personen im Quereinstieg in der Kita und der außerunterrichtlichen und ergänzenden Förderung und Betreuung an der Ganztagsschule ermöglicht es Personen aus verwandten Berufen sozialpädagogische Fachkraft für Kita und Ganztag zu werden. Damit trägt das Angebot zur Fachkräftesicherung im Erziehungsbereich bei.
  • Die soziale Absicherung für freiberufliche Lehrkräfte in der Weiterbildung wird erhalten und ggf. unter Beachtung mit der vom Bund angekündigten Neufassung des Status der Selbständigkeit im SGB IV infolge des sog. Herrenberg-Urteils verbessert.
  • Verweise:
    1 In den Schlüsseltechnologien sind dies u. a. das DFG-Graduiertenkolleg „Überdenken der Quantenfeldtheorie“ an der Humboldt Universität zu Berlin (HU) sowie das internationale DFG-Graduiertenkolleg „Charging into the future“ an der Freien Universität Berlin (FU). Beide aktuellen Promotionszentren mit Promotionsrecht sind im Bereich der Schlüsseltechnologien angesiedelt: Das Promotionszentrum „Maschinelles Lernen, Robotik, Life Science und Interaktive Systeme“ an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) in Verbindung mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) sowie das Promotionszentrum „Energiesystemtransformation und Klimaneutralität“ an der HTW in Verbindung mit der BHT.
    2 Bei den Forschungsschwerpunkten sind die Exzellenzcluster der Berlin University Alliance, Berlin Quantum (Quantenforschung) sowie eines von fünf deutschlandweiten KI-Kompetenzzentren (BIFOLD) von Bedeutung. Die Förderungen innovativer Deep-Tech-Ausgründungen konzentrieren sich auf die Bereiche KI, Quantenforschung, Gesundheit sowie GreenChem.

Arbeit und Berufliche Bildung

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