11/2025 – Demokratietag setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus

Einladung Demokratietag V01 (148 x 105 mm)

November 2025

Demokratie ist ein zartes Pflänzchen, das Tag für Tag gehegt und gepflegt werden muss. Sie ist auch in der westlichen Hemisphäre längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Alte Gewissheiten schwinden, Zusammenhalt und der Gleichklang westlicher Verbündeter stehen auf dem Prüfstand. Deshalb ist es die Pflicht aller Demokratinnen und Demokraten, immer wieder aktiv für ihren Erhalt einzutreten. In enger Verbindung mit dem Einsatz für Demokratie steht die Bekämpfung von Antisemitismus, der seit dem 7. Oktober 2023 nicht selten verschleiert auftritt – etwa im Gewand des „Antizionismus“. Mehr noch: Der Umgang eines demokratischen Gemeinwesens mit Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen ist ein Gradmesser seiner demokratischen Resilienz.

Grund genug für das „Netzwerk Demokratiebildung“ im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, einen „Demokratietag“ in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek durchzuführen. Am 14. November 2025 hatten zahlreiche Gruppen und Initiativen aus Zivilgesellschaft und Bezirksamt die Gelegenheit, sich und ihre Projekte einem breiteren Publikum vorzustellen. Sie bildeten die Vielfalt demokratischen Engagements in unserem Bezirk ab.

14. November 2025: Offizielle Eröffnung des Demokratietages mit Bezirksbürgermeisterin Schellenberg (rechts), Bezirksstadträtin Böhm (Mitte) und Bidigi-Geschäftsführerin Wieland (links)

14. November 2025: Offizielle Eröffnung des Demokratietages mit Bezirksbürgermeisterin Schellenberg (rechts), Bezirksstadträtin Böhm (Mitte) und Bidigi-Geschäftsführerin Wieland (links)

Offizielle Eröffnung und Grußworte

Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg stellte in ihrem Grußwort diese Vielfalt heraus und wies darauf hin, wie wichtig es sei, sich für die Demokratie einzusetzen. Zusammen mit Carolina Böhm, Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit, eröffnete sie um 14:30 Uhr offiziell den Demokratietag. In einer am 29. Oktober 2025 verbreiteten Pressemitteilung erklärte Stadträtin Böhm: „Der erste Demokratietag in Steglitz-Zehlendorf findet zum richtigen Zeitpunkt statt. Mitreden, Mitgestalten, das sind die Grundlagen der Demokratie. Scheinbar selbstverständlich, aber diese Selbstverständlichkeit will gelebt werden“. Freiheit im Alltag garantiere nur eine demokratische Gesellschaft, ergänzte sie.

Frau Böhm ist für die „Partnerschaft für Demokratie“ im Bezirk verantwortlich. Mit diesem aus Bundesmitteln des Projekts „Demokratie leben!“ finanzierten Programm wird Demokratie gefördert, Vielfalt gestaltet und extremistischen Tendenzen vorgebeugt. „Demokratie leben!“ liegt im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Demokratietag

„Ziel dieses Tages ist es, Mut zu machen, Demokratie im Alltag zu leben, und die Bürger:innen unseres Bezirks zu einer aktiven Mitgestaltung zu ermutigen”, betonte Alisa Wieland, Gründerin des Netzwerks Demokratiebildung und Geschäftsführerin der Initiative „Mutwerk“, die vom Verein Bidigi e.V. getragen wird.

14. November 2025: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 1. Demokratietag in Steglitz-Zehlendorf

14. November 2025: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 1. Demokratietag in Steglitz-Zehlendorf

14. November 2025: Shay Dashevsky stellt sich am Infotisch den Fragen der Besucherinnen und Besucher

14. November 2025: Shay Dashevsky stellt sich am Infotisch den Fragen der Besucherinnen und Besucher

„I am from Israel – Ask Me Anything“

Mit Unterstützung des Beauftragten des Bezirksamts für Antisemitismusprävention, Christian Urlaub, konnte der jüdische Israeli Shay Dashevsky für ein zweigeteiltes Format zum Themenfeld Antisemitismus/Antizionismus gewonnen werden. Im ersten Teil setzte er sich hinter seinen Infotisch und stand allen geduldig Rede und Antwort, die ihr Wissen über Israel und jüdisches Leben in Deutschland ausweiten wollten. Nichts wurde dabei ausgeklammert; geduldig stellte er sich auch israelkritischen Fragen.

Im Spannungsfeld zwischen Antisemitismus und Antizionismus: Podiumsdiskussion mit Shay Dashevsky

Im Spannungsfeld zwischen Antisemitismus und Antizionismus: Podiumsdiskussion mit Shay Dashevsky

Im zweiten Teil fand eine moderierte Vortragsveranstaltung mit anschließender Publikumsdiskussion statt. Zu Beginn stellte sich Shay Dashevsky persönlich vor. Sein Anliegen besteht darin, Israel zu entdämonisieren und für mehr Ausgewogenheit in der Diskussion über Israel und Jüdinnen und Juden zu sorgen. Gerade im linken Milieu werde Antisemitismus gerne als weithin akzeptierter „Antizionismus“ verschleiert, sagte er.

Normalerweise tritt er bei diesem Format zusammen mit einem palästinensischen Partner auf, um seine Botschaft im dialogischen Austausch und multiperspektivisch zu transportieren. Bedauerlicherweise war dies krankheitsbedingt beim Demokratietag am 14. November nicht möglich.

14. November 2025: Shay Dashevsky und Moderatorin Hanan Liguori bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Demokratietages

14. November 2025: Shay Dashevsky und Moderatorin Hanan Liguori bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Demokratietages

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14. November 2025: Comics - ein künstlerischer Beitrag gegen Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit

14. November 2025: Comics - ein künstlerischer Beitrag gegen Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit

Künstlerischer Ansatz gegen Antisemitismus: wannseeForum zeigt Comic-Ausstellung

Mit einem künstlerischen Ansatz gegen Antisemitismus wartete die Stiftung wannseeForum beim Demokratietag auf: Die Ausstellung „Wie geht es dir? Zeichnerinnen gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus“ versammelt Arbeiten von über 40 Comic-Künstlern mit rund 60 Beiträgen, die im Dialog mit Betroffenen von menschenfeindlichen Ideologien entstanden sind.

Die eindrucksvollen Comics eröffnen einen jugendgerechten Zugang zu einem ernsten Thema. Sie erzählen persönliche Geschichten, schaffen Sichtbarkeit und regen zum Nachdenken an. Dank der Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Berlin konnte die Ausstellung neu aufgelegt werden.

Pädagogische Begleitmaterialien sowie eine Fortbildungsreihe wurden gemeinsam mit dem New Israel Fund Deutschland e.V. (NIF) erarbeitet. Der NIF „fördert seit mehr als 40 Jahren die Arbeit von Israelis und Palästinenser:innen, die sich gemeinsam für eine demokratische, gleichberechtigte und friedliche Zukunft einsetzen“, heißt es auf der Webseite.

"Blaue Wand nach Steglitz-Zehlendorf bringen": eines der erklärten Ziele des Demokratietages

"Blaue Wand nach Steglitz-Zehlendorf bringen": eines der erklärten Ziele des Demokratietages

Blaue Wand: Mahnmal für NS-Euthanasie-Opfer

Vor der Berliner Philharmonie erinnert ein gläsernes Mahnmal an die mehr als 300.000 Menschen, die dem systematischen nationalsozialistischen „Euthanasie“-Mordprogramm zum Opfer fielen. Seit 1940 befand sich an der Tiergartenstraße 4 die zentrale Dienststelle der sogenannten „T4“-Aktion. Das Mahnmal – eine 24 Meter lange, blaue Glaswand – symbolisiert den Himmel und das Gedenken an die Ermordeten. Eine umlaufende Informationstafel erläutert Hintergründe und Einzelschicksale.

Es ist Eileen Moritz, der Beauftragten für Menschen mit Behinderung in Steglitz-Zehlendorf, ein wichtiges Anliegen, die Blaue Wand als dem zentralen Erinnerungsort für Menschen mit Beeinträchtigungen in unserem Bezirk bekannter zu machen.

6. März 2026: Blaue Wand in Erinnerung an die Euthanasie-Mordaktion der Nationalsozialisten; im Hintergrund die Berliner Philharmonie

6. März 2026: Blaue Wand in Erinnerung an die Euthanasie-Mordaktion der Nationalsozialisten; im Hintergrund die Berliner Philharmonie

„Die Opfer kamen aus allen Schichten, von allen Orten, so auch aus Steglitz-Zehlendorf“, hieß es in der Ankündigung zu einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe im Oktober und November 2025. Sie beinhaltete einen inklusiven Gedenkspaziergang, eine Ausstellung mit Lesung und die Projektvorstellung „Die Blaue Wand nach Steglitz-Zehlendorf bringen“ beim Demokratietag am 14. November. „Wir möchten Gedenkorte besser bekannt machen und aufzeigen, wie Inklusion und eine lebendige Erinnerungskultur, der Ausgrenzung und Gefährdung von Menschen entgegenwirken kann“, umschrieben die Veranstalter ihr Anliegen.

6. März 2026: Blaue Wand in Erinnerung an die Euthanasie-Mordaktion der Nationalsozialisten; im Hintergrund die Berliner Philharmonie

6. März 2026: Blaue Wand in Erinnerung an die Euthanasie-Mordaktion der Nationalsozialisten; im Hintergrund die Berliner Philharmonie

Der Gedenkspaziergang am 9. Oktober 2025 erinnerte an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen. Ausgangspunkt war der Erinnerungsort Ihnestraße 22 in Berlin-Dahlem, das ehemalige „Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“, wo in die ideologischen und pseudowissenschaftlichen Grundlagen der „Aktion T4“ eingeführt wurde. Weitere Stationen waren der Stolperstein für Hildegard Blanckenhorn (1902-1940) in der Leydenallee 66 in Steglitz sowie das ehemalige „Haus Kinderschutz“ in der Claszeile 57 in Tiergarten.

Wegweiser mit Inklusion und Ausgrenzung

Hildegard Blanckenhorn wurde in Steglitz geboren und wuchs in einer liebevollen Familie auf. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne entwickelte sie 1928 schwere psychische Erkrankungen und wurde mehrfach in psychiatrische Einrichtungen eingewiesen, zuletzt in die Landesanstalt Eberswalde. Ihre Krankheit verschlimmerte sich trotz intensiver Versorgung durch die Familie, und 1940 fiel sie den nationalsozialistischen Euthanasie-Morden zum Opfer. Ihr Tod wurde der Familie zunächst unter einem falschen Vorwand mitgeteilt, die wahren Umstände blieben lange verschleiert. Erst über 70 Jahre später konnte ihre Urenkelin ihr Schicksal aufklären. Seit 12. November 2016 erinnert ein Stolperstein an Hildegard Blanckenhorn.

Die Veranstaltungsreihe wurde gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie, umgesetzt durch den Verein Zukunftssicherung Berlin e.V., und unterstützt durch den Förderkreis Gedenkort T4 e.V. sowie der Beauftragten für Menschen mit Behinderungen Steglitz-Zehlendorf.

Am Rad der Demokratie drehen ...

Am Rad der Demokratie drehen ...

Insgesamt setzt sich das Netzwerk Demokratiebildung aus über zwanzig lokalen zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen. Sie alle nutzten die Gelegenheit, sich mit teils partizipativen Angeboten beim ersten Demokratietag zu präsentieren.

Die Bekämpfung von Antisemitismus und die Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen sind wichtige Elemente, um Demokratie zu erhalten und demokratische Erinnerungskultur zu pflegen. Beim ersten Demokratietag in Steglitz-Zehlendorf hatten sie zu Recht ihren Platz.

Fragile ... Demokratie ist ein zerbrechliches, schützenswertes Gut.

Fragile ... Demokratie ist ein zerbrechliches, schützenswertes Gut.

Nach dem Demokratietag ist vor dem Demokratietag: Am 15. September 2026 wird es eine Neuauflage dieser Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek geben. Dieser Termin ist bewusst gewählt: Seit 2007 begehen die Vereinten Nationen den 15. September als “Internationalen Tag der Demokratie”, an dem die Bedeutung demokratischer Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Teilhabe und Menschenrechte ins Bewusstsein gerufen wird.

Bitte markieren Sie sich den Termin schon jetzt in Ihrem Kalender!

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub