Bildungsurlaub

Ein Auszubildender zum Gebäudereiniger beim Fensterputzen
Plakatmotive der Kampagne „Zeit für Bildung“
Bild: ariadne an der spree GmbH

Extraurlaub für Ihre Bildung

Berufliche und politische Weiterbildung sind kein Luxus. Sie sind elementar, um fit zu bleiben, mitzureden, voranzukommen. Es gibt so viele spannende Themen – sowohl berufsbezogene als auch gesellschaftspolitische, die Sie außerhalb Ihrer täglichen Arbeit interessieren könnten: Zum Beispiel ein Technikseminar oder ein Workshop zur Bürgerbeteiligung, vielleicht eine städtebauliche Exkursion, ein Sprachkurs im Ausland oder auch Übungen zur richtigen Atemtechnik in Stresssituationen. Hört sich reizvoll an, aber es fehlt die Zeit? Dann nehmen Sie sich Urlaub, genau genommen Bildungsurlaub. Übersetzt bedeutet das: bezahlte Freistellung für die eigene Weiterbildung. Lesen Sie hier alles, was Sie zum Thema Bildungsurlaub wissen müssen. Oder schauen Sie sich einfach unsere neuen Erklärvideos an.

Bildungsurlaub – Ihr gutes Recht auf Bildung

Bildungsurlaub heißt, dass Sie sich von der Arbeit freistellen lassen können, um an einer anerkannten Weiterbildung teilzunehmen – und das bei fortlaufender Lohnzahlung. Einen Rechtsanspruch darauf haben:

  • Beschäftigte (in Teilzeit und Vollzeit)
  • Auszubildende
  • freie Mitarbeitende
  • Heimarbeitende

Kurzum: Alle, die angestellt sind bzw. in einem arbeitnehmerähnlichen Beschäftigungsverhältnis stehen. (Einzig für Beamtinnen und Beamte gelten Sonderurlaubsregelungen des Bundes bzw. des Landes Berlin.) Verankert ist dieses Recht im Berliner Bildungsurlaubsgesetz (BiUrlG).

Und ist wirklich alles erlaubt? Ja, alles, was im Sinne des BiUrlG anerkannt ist und der politischen und/oder beruflichen Weiterbildung dient. Ob ein politisches Seminar oder eine berufliche Weiterbildung, z.B. auch eine Sprachreise, alles ist möglich. Bei beruflichen Weiterbildungen muss mindestens ein mittelbarer Bezug zur Arbeit vorliegen. Die Kosten für die Weiterbildungsveranstaltung tragen Sie selbst.

Bildungsurlaub richtig beantragen (TV-Beitrag vom 07.08.2019)

Mit dem Aufruf des Videos erklären Sie sich einverstanden, dass Ihre Daten an MovingImage übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Formate: movingimage

Im rbb wurde am 07.08.2019 in der Sendung zipp ein Beitrag mit wertvollen Tipps und Informationen zum Bildungsurlaub ausgestrahlt. Thematisiert werden unter anderem Anspruchsvoraussetzungen, anerkannte Bildungsmaßnahmen, Kosten des Bildungsurlaubs, Sonderreglungen und Beratungsmöglichkeiten.

Häufig gestellte Fragen

Den Bildungsurlaub beantragen Sie als Beschäftigte bzw. Beschäftigter bei Ihrem Arbeitgeber bzw. Ihrer Arbeitgeberin selbst – und das mindestens sechs Wochen vor Veranstaltungsbeginn. Dabei müssen Sie einreichen:
  • die Anmeldungsbescheinigung für die Teilnahme an der Bildungsveranstaltung
  • den Anerkennungsbescheid der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales
zuklappen

Der Bildungsurlaub beträgt bei Vollzeitbeschäftigung zehn Tage innerhalb von zwei Kalenderjahren. Beschäftigte unter 25 Jahren haben einen Anspruch von zehn Tagen pro Kalenderjahr. Bei Teilzeitbeschäftigung verringert sich der Anspruch.

Der Bildungsurlaub darf nur abgelehnt werden, wenn zwingende betriebliche Belange oder Urlaubsansprüche anderer Beschäftigter, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang haben, vorliegen.

Für Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten gelten besondere Regelungen.

zuklappen

Bildungsurlaub kann von den Beschäftigten für eine von der zuständigen Senatsverwaltung anerkannte Bildungsveranstaltung der beruflichen Weiterbildung und/oder politischen Bildung gewährt werden. Auszubildende können sich nur für politische Bildungsveranstaltungen freistellen lassen.

Veranstaltungen dienen der beruflichen Weiterbildung, wenn sie Kenntnisse für den ausgeübten Beruf vermitteln oder jedenfalls Kenntnisse vermitteln, die im erlernten Beruf oder in der ausgeübten Tätigkeit verwendet werden können.

Der Anspruch auf Freistellung besteht nicht für Weiterbildungen, die nur der persönlichen Qualifikation der oder des Beschäftigten dienen. Thematisch besteht der Anspruch aber nicht nur für rein fachliche Veranstaltungen, sondern auch für Veranstaltungen, die nur einen mittelbaren Bezug zur Arbeit haben, wie z.B. Stressbewältigung, Rhetorik. Danach ist berufliche Weiterbildung nicht auf die bisher ausgeübte Tätigkeit beschränkt. Bildungsinhalte, die sich nicht unmittelbar auf eine ausgeübte berufliche Tätigkeit beziehen, sind eingeschlossen, wenn sie in der beruflichen Tätigkeit zumindest zu einem mittelbar wirkenden Vorteil des Arbeitgebers verwendet werden können. Ein Mindestnutzen muss für den Arbeitgeber gewährt sein.

Politische Bildung verfolgt das Ziel, das Verständnis für gesellschaftliche, soziale oder politische Zusammenhänge zu verbessern. Damit soll die in einem demokratischen Gemeinwesen anzustrebende Mitsprache in Staat, Gesellschaft oder Betrieb gefördert werden.

zuklappen

Alle anerkannten Weiterbildungsveranstaltungen finden Sie hier

Dort gibt es zum Beispiel Kurse zu:
  • Klimawandel – Ursachen und Folgen
  • Arbeitnehmerrechte
  • Stimmbildung und Improvisation
  • Weiterbildung zum Industriemeister
  • Gesundheit und Ernährung
  • Alterssicherung, u.v.m.

Übrigens: Berufliche Bildungsveranstaltungen, die von öffentlichen Schulen/Volkshochschulen, Hochschulen oder anerkannten Privatschulen durchgeführt werden, sind immer anerkannt. Schauen Sie auf das Angebot Ihrer Volkshochschule unter: www.berlin.de/vhs/kurse/beruf-karriere

zuklappen

Der Bildungsurlaub kann auch für Prüfungstage in Anspruch genommen werden, wenn es sich bei der Gesamtmaßnahme um eine berufliche und/oder politische Weiterbildung handelt und die Prüfungszeiten integraler Bestandteil der Bildungsmaßnahme sind.

Das häusliche Selbstlernen, zum Beispiel zur Prüfungsvorbereitung, oder das Anfertigen von Abschlussarbeiten sind nicht anerkennungsfähig – demzufolge gibt es dafür keinen Bildungsurlaub.

zuklappen

Ja. Es ist nicht ausschlaggebend, wo die Bildungsmaßnahme stattfindet oder wo die veranstaltende Bildungseinrichtung ihren Sitz hat. Maßgeblich ist, dass die Bildungsveranstaltung im Sinne des BiUrlG anerkannt ist.

zuklappen

Bildungsurlaub wird beim Arbeitgeber beantragt. Fragen zur Beantragung beim Arbeitgeber müssen mit der jeweiligen Personalstelle geklärt werden.

Inanspruchnahme und Zeitpunkt des Bildungsurlaubs sind dem Arbeitgeber so früh wie möglich, mindestens jedoch sechs Wochen vor Beginn der Bildungsmaßnahme mitzuteilen. Dem Arbeitgeber sind die Anmeldung zur Bildungsveranstaltung und der Anerkennungsbescheid der zuständigen Senatsverwaltung bzw. bei als anerkannt geltenden Veranstaltungen im Sinne des § 11 (1) des BiUrlG die Bestätigung der Einrichtung vorzulegen.

Den Anerkennungsbescheid erhalten Beschäftigte vom Bildungsveranstalter; er wird vom Veranstalter kostenfrei zur Verfügung gestellt.

zuklappen

Anträge auf Anerkennung von Bildungsveranstaltungen nach dem BiUrlG können nur vom Veranstalter der Weiterbildungsmaßnahme gestellt werden.

Der Antrag sollte zehn Wochen vor Beginn der Bildungsmaßnahme bei der zuständigen Senatsverwaltung unter Verwendung des amtlichen Vordrucks eingereicht werden (auch online möglich). Nachträgliche Anerkennungen sind nach dem BiUrlG nicht möglich.

zuklappen

Zögern Sie nicht! Nehmen Sie Ihre Bildung selbst in die Hand und erweitern Sie Ihren Horizont. Bildungsurlaub macht es möglich!