Gesundheitsmonitoring SZ Themenfeld 8.2: Übergewicht und Adipositas

Inhaltsübersicht

Das Themenfeld 8.2 Übergewicht und Adipositas umfasst eine Einleitung zum Themenfeld und zwei Indikatoren:

Für jeden Indikator besteht eine Unterseite mit interaktiven Diagrammen und Text. Unten auf dieser Seite werden die Datenblätter zu den zwei Indikatoren im pdf-Format zur Verfügung gestellt. Der Inhalt der Datenblätter ist identisch mit den Unterseiten zu den einzelnen Indikatoren. Zudem kann eine Excel-Mappe mit allen dargestellten Daten im Themenfeld 8.2 Übergewicht und Adipositas heruntergeladen werden.

Einleitung

Übergewicht ist einer der bedeutsamsten Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. Es entsteht in der Regel durch ein Ungleichgewicht von Energiezufuhr durch Essen und Trinken auf der einen Seite und Energieverbrauch durch Bewegung auf der anderen Seite. Deshalb ist das Themenfeld Übergewicht und Adipositas zusammen mit den Themen Bewegung (Themenfeld 5.2 im bezirklichen Gesundheitsmonitoring) und Ernährung (Themenfeld 5.3) von großer Bedeutung für Gesundheitsförderung und Prävention.

Für die Beurteilung des Körpergewichts werden Körperlänge und Körpergewicht ins Verhältnis gesetzt. Es wird ein Body Mass Index (BMI) nach der Formel BMI = Gewicht [kg] / Körperlänge [m]² berechnet. Bei Erwachsenen werden BMI-Grenzwerte für Übergewicht (ab 25 kg/m²) und Adipositas (ab 30 kg/m²) nach Kriterien der WHO angewendet [1]. Kinder werden anhand alters- und geschlechtsspezifischer Vergleichswerte in die Gewichtskategorien eingeteilt [2].

Bereits im Kindesalter geht Übergewicht mit negativen gesundheitlichen Auswirkungen auf Stoffwechsel (z.B. in Form von Diabetes Typ 2) und Herz-Kreislauf-System einher [3]. Außerdem haben übergewichtige Kinder weniger Freude an Bewegung und verbringen weniger Zeit mit körperlicher Aktivität als normalgewichtige Gleichaltrige [4]. Bei extremem Übergewicht kommen psychische Belastungen und soziale Ausgrenzung hinzu [4].

Ein großer Teil übergewichtiger Kinder nimmt dieses Problem mit ins Jugendalter [3]. Im Vorschulalter sind erst relativ wenige Kinder von Übergewicht und Adipositas betroffen, die Prävalenzen nehmen dann im Laufe des Schulalters deutlich zu [4]. Dennoch werden die Daten der Einschulungsuntersuchungen zum Körpergewicht der Kinder als geeignet für evidenzbasierte gesundheitspolitische Entscheidungen angesehen [3].

Im Erwachsenenalter erhöht Adipositas das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebserkrankungen und Muskel-Gelenk-Erkrankungen [5, 6]. Außerdem wird ein Zusammenhang zwischen Adipositas und vorzeitiger Sterblichkeit gesehen [7].

Übergewicht und Adipositas sind sozial ungleich verteilt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit niedrigem Bildungs- und Sozialstatus sind deutlich häufiger betroffen [4, 5, 8].

Die Prävalenz von Adipositas ist in Deutschland von 2003 bis 2023 deutlich angestiegen, und zwar in allen Alters- und Bildungsgruppen [9]. Der Anstieg spiegelt sich auch in ärztlichen Adipositas-Diagnosen [6]. Auch weltweit steigt der Beitrag von Übergewicht und Adipositas zur Krankheitslast („Burden of Disease“) in der Bevölkerung an [10].

Die Ursachen für Übergewicht und Adipositas sind vielfältig. Neben Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten können Krankheiten, Medikamente oder erbliche Veranlagung auf der individuellen Ebene eine Rolle spielen [11]. Allerdings wird die Wirksamkeit individueller Verhaltensprävention im Hinblick auf Übergewicht und Adipositas als beschränkt eingeschätzt [4, 9]. Umso wichtiger ist es, mit verhältnispräventiven Ansätzen Lebenswelt-Faktoren in den Blick zu nehmen, die sich auf die Entstehung von Übergewicht und Adipositas und deren sozial bedingte ungleiche Verteilung auswirken [8]. Verhältnispräventive Maßnahmen auf Bevölkerungsebene wie z.B. die Besteuerung gezuckerter Getränke oder die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit dem Nutri-Score werden in Deutschland jedoch bisher nicht oder nur freiwillig umgesetzt [4, 9].

Verschiedene Strategien und Programme auf Bundes- und Landesebene formulieren Zielsetzungen im Hinblick auf Übergewicht und Adipositas:

  • In den Nationalen Gesundheitszielen wird Adipositas im Kontext von Ernährung, Bewegung und Diabetes mellitus Typ 2 adressiert.
  • Der Nationale Aktionsplan „In Form“ hat sich die Prävention von Übergewicht und die Förderung eines gesunden Lebensstils in den Bereichen Ernährung und Bewegung zum Ziel gesetzt.
  • Im Berliner Kindergesundheitsziele-Prozess wurde im Jahr 2007 eine Erhöhung des Anteils normalgewichtiger Kinder und eine Verringerung der sozialen Ungleichheit bezüglich Übergewicht und Adipositas angestrebt.
  • Auch in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie wird Adipositas bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen adressiert (SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“) – der Anstieg soll dauerhaft gestoppt werden [12].

Für das Gesundheitsmonitoring im Themenfeld Übergewicht und Adipositas werden Daten zu zwei Indikatoren berichtet. Die beiden Indikatoren entsprechen den Empfehlungen der bundesweiten Arbeitsgruppe „Präventionsindikatoren“ [13], für das dortige Themenfeld 9 Übergewicht und Adipositas:

Untergewicht wird zwar in den Gesundheitszielen und Aktionsplänen nicht thematisiert, ist aber ebenfalls mit negativen gesundheitlichen Folgen wie z. B. Infektionskrankheiten und Osteoporose assoziiert [15]. Deshalb werden Daten für Untergewicht, soweit sie vorliegen, hier ebenfalls berichtet.

Literatur

[1] World Health Organization (2000). Obesity: preventing and managing the global epidemic. (Technical Report 894). Genf: WHO.

[2] Kromeyer-Hauschild K, Wabitsch M, Kunze D et al. (2001). Perzentile für den Body Mass Index für das Kindes- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben. Monatsschrift Kinderheilkunde, 149, 807-818.

[3] Kühnelt C, Starker A, Varnaccia G, Schienkiewitz A (2023). Schuleingangsuntersuchungen als kleinräumige Datenquelle für ein Monitoring der Kindergesundheit am Beispiel Adipositas. J Health Monit 8(2): 6–20. DOI 10.25646/11297.

[4] Schienkiewitz A, Brettschneider AK, Damerow S, Schaffrath Rosario A (2018) Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring 3(1):16–23. DOI 10.17886/RKI-GBE-2018-005.2.

[5] Schienkiewitz A, Kuhnert R, Blume M, Mensink GBM (2022). Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie GEDA 2019/2020-EHIS. J Health Monit 7(3): 23–31. DOI 10.25646/10292.

[6] Steffen A, Holstiege J, Akmatov MK, Bätzing J. Trends in der Diagnoseprävalenz der Adipositas in der vertragsärztlichen Versorgung von 2009 bis 2018. Versorgungsatlas-Bericht Nr. 21/10. Berlin 2021. DOI 10.20364/VA-21.10.

[7] Li K, Hüsing A & Kaaks R (2014). Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: a German cohort study. BMC Medicine: 1259. DOI 10.1186/1741-7015-12-59.

[8] Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung (2022). Übergewicht und Adipositas in Berlin. Kurz informiert 2022/01. Berlin: SenWGPG.

[9] Starker A, Schienkiewitz A, Damerow S, Kuhnert R (2025). Verbreitung von Adipositas und Rauchen bei Erwachsenen in Deutschland – Entwicklung von 2003 bis 2023. J Health Monit. 2025;10(1):e12990. DOI 10.25646/12990.

[10] GBD 2021 Risk Factors Collaborators (2024). Global burden and strength of evidence for 88 risk factors in 204 countries and 811 subnational locations, 1990–2021: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet, 403: 2162-2203. DOI 10.1016/S0140-6736(24)00933-4.

[11] Gesundheitsamt Bremen (Hrsg.) (2022). Übergewicht und Adipositas bei Kindern in der Stadt Bremen. Faktenblatt zur Schuleingangsuntersuchung 2022/2023 des Bremer Gesundheitsamtes.

[12] Die Bundesregierung (2025). Transformation gemeinsam gerecht gestalten. Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie Weiterentwicklung 2025.

[13] Oberwöhrmann S, Finger J, Borrmann B, Starker A, Windus G & Hermann S (2021). Entwicklung eines Indikatorensystems für die Präventionsberichterstattung der Länder. Unterarbeitsgruppe Präventionsindikatoren der Arbeitsgruppe Gesundheitsberichterstattung, Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin (AG GPRS) der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG).

[14] Schienkiewitz A, Damerow S, Schaffrath Rosario A & Kurth B-M (2019). Body-Mass-Index von Kindern und Jugendlichen: Prävalenzen und Verteilung unter Berücksichtigung von Untergewicht und extremer Adipositas. Ergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Bundesgesundheitsbl, 62: 1225-1234. DOI 10.1007/s00103-019-03015-8.

Download-Bereich

  • Indikatorenblatt 8.2.1 2025

    PDF-Dokument (872.1 kB) - Stand: 11.07.2025

  • Indikatorenblatt 8.2.2 2025

    PDF-Dokument (798.4 kB) - Stand: 11.07.2025

  • Datentabellen Gesundheitsmonitoring Steglitz-Zehlendorf 2025 Themenfeld 8.2

    Excel-Mappe mit allen auf dieser Seite enthaltenen Daten

    XLSX-Dokument (51.2 kB) - Stand: 11.07.2025

Gesundheitsberichterstattung

Dr. Susanne Bettge (QPK 5)

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