Soziales Unternehmertum in Berlin

Die Soziale Ökonomie ist ein wichtiger Faktor für eine inklusive, innovative, gerechte und nachhaltige Wirtschaft. Sie verfolgt in erster Linie soziale und ökologische Ziele. Gewinne sind untergeordnet und dienen vor allem der Erreichung der sozialen bzw. ökologischen Ziele.
Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe begleitet und unterstützt diesen in sich vielschichtigen und heterogenen Wirtschaftsbereich im Rahmen von Projekten, Förderprogrammen und in der Ausgestaltung geeigneter Rahmenbedingungen für die Unternehmen der Sozialen Ökonomie.

Was ist Soziale Ökonomie

Organisationen der Sozialen Ökonomie generieren für die Wirtschaft und Gesellschaft Mehrwerte, die über den rein ökonomischen Mehrwert oder auch die reine Schaffung von Arbeitsplätzen hinausgehen. Der Sektor bietet Lösungen für die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit.

Dieser Sektor bzw. diese Art zu wirtschaften erfährt in jüngster Zeit eine zunehmende Aufmerksamkeit und einen Ausbau der Unterstützung. Dies belegen z.B. folgende politische Meilensteine:

Traditionell zählen zur Sozialen Ökonomie v.a. “Einrichtungen, die Waren und Dienstleistungen für ihre Mitglieder oder die Gesellschaft insgesamt anbieten: Genossenschaften, Gegenseitigkeitsgesellschaften, Vereine (einschließlich Wohlfahrtsverbänden) und Stiftungen” (Quelle: EU-Aktionsplan für die Sozialwirtschaft).

Fokus auf der Förderung von Sozialen Unternehmen

Ein weiterer Organisationstyp der Sozialen Ökonomie sind Soziale Unternehmen. Unternehmen dieses Sektors zielen z.B. auf die Integration von marginalisierten Gruppen ab, kreieren innovative, zirkuläre Geschäftsmodelle oder schaffen – als Arbeitgeber – bessere Arbeitsbedingungen bspw. in der Reinigungsbranche. Im Mittelpunkt des Geschäftsmodells steht die soziale Wirkung, nicht die individuelle Gewinnorientierung.

Laut EU-Definition sind dies Unternehmen

  • für die das soziale oder gesellschaftliche gemeinnützige Ziel Sinn und Zweck ihrer Geschäftstätigkeit darstellt, was sich oft in einem hohen Maße an sozialer Innovation äußert,
  • deren Gewinne größtenteils wieder investiert werden, um dieses soziale Ziel zu erreichen
  • und deren Organisationsstruktur oder Eigentumsverhältnisse dieses Ziel widerspiegeln, da sie auf Prinzipien der Mitbestimmung oder Mitarbeiterbeteiligung basieren oder auf soziale Gerechtigkeit ausgerichtet sind.“

Soziale Unternehmen sind nicht an einer bestimmten Rechtsform erkennbar, da sie u.a. als e.V., eG, GmbH oder gGmbH organisiert sind. Auch Ein-Personen-Unternehmen können soziale Unternehmen sein. Die Differenzierung zwischen den Akteuren der Sozialen Ökonomie allgemein und Sozialen Unternehmen im speziellen ist vor allem über die Tätigkeit am Markt möglich.
Deshalb verstehen wir als Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Soziale Unternehmen zusätzlich als solche, wenn sie

  • ihre Einnahmen zu mindestens 25 – 50 % am Markt durch den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen generieren.

Dieser Prozentsatz unterscheidet sich je nach Förderprogramm, Projekt bzw. Maßnahme.
Neben den Begriffen der Sozialen Ökonomie und der Sozialen Unternehmen werden auch weitere Begriffe wie „Sozial Solidarische Ökonomie“, „Social Entrepreneurship“ „Gemeinwohlorientierte Unternehmen“, „Purpose Economy“ und ähnliche verwendet, um die beschriebenen Organisations- bzw. Wirtschaftsformen zu benennen.

Studie „Soziale Unternehmen in Berlin – Bestandserhebung, Bedarfs- und Potenzialanalyse“

Am 11. März 2026 wurde die von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe beauftragte Studie „Soziale Unternehmen in Berlin – Bestandserhebung sowie Bedarfs- und Potenzialanalyse“ vorgestellt.
Die Studie liefert erstmals umfassende Erkenntnisse zur Anzahl, zur Struktur sowie zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung Sozialer Unternehmen in der Hauptstadt. Ziel war es, die Wissensbasis über den Sektor zu verbessern, Herausforderungen und Bedarfe zu identifizieren und Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen.
Nach Berechnungen der Studie gibt es in Berlin rund 3.000 idealtypische Soziale Unternehmen, das entspricht etwa zwei Prozent aller Berliner Unternehmen. Sie sind in zahlreichen Branchen aktiv, besonders häufig im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Handel. Hochgerechnet erwirtschafteten sie in 2024 einen geschätzten Gesamtumsatz von 5,2 bis 6 Milliarden Euro und leisten damit einen relevanten Beitrag zur Wirtschaft in Berlin.
Neben ihrer ökonomischen Bedeutung tragen Soziale Unternehmen in besonderem Maße zur Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen bei – etwa in den Bereichen Gesundheit, Inklusion, Bildung, nachhaltiger Konsum und sozialer Zusammenhalt. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Soziale Unternehmen resilient sind: In den Jahren 2020 – 2024 konnten die idealtypischen Sozialen Unternehmen ihre Umsätze stärker steigern als die Unternehmen der anderen Gruppen in der Studie.
Gleichzeitig benennt die Studie zentrale Herausforderungen, etwa beim Zugang zu Kapital, bei der Sichtbarkeit bestehender Förderangebote oder bei der Berücksichtigung sozialer und ökologischer Wirkungen im Wettbewerb. Daraus leitet sie Empfehlungen für eine stärkere strategische Förderung und bessere Vernetzung des Sektors in Berlin ab.
Genauere Informationen finden Sie im umfangreichen Abschlussbericht, dem anschaulichen Kurzbericht oder der zweiseitigen Executive Summary:

  • Abschlussbericht 2026 - Studie: Soziale Unternehmen in Berlin. Bestandsaufnahme, Bedarfs- und Potenzialanalyse

    PDF-Dokument (9.5 MB)

  • Kurzbericht 2026 - Studie: Soziale Unternehmen in Berlin. Bestandsaufnahme, Bedarfs- und Potenzialanalyse

    PDF-Dokument (2.5 MB)

  • Executive Summary 2026 - Soziale Unternehmen in Berlin. Bestandsaufnahme, Bedarfs- und Potenzialanalyse

    PDF-Dokument (537.7 kB)

Kriterienkatalog für Soziale Unternehmen

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat 2023 einen Kriterienkatalog entwickelt, um Soziale Unternehmen genauer definieren und von anderen Organisationen und Unternehmen abgrenzen zu können. Dieser basiert auf dem Gutachten zur Definition von Unternehmen der Sozialen Ökonomie.

Sie können den Kriterienkatalog und das Gutachten hier herunterladen:

  • Kriterienkatalog für Soziale Unternehmen

    PDF-Dokument (1.3 MB)

  • Gutachten Soziale Ökonomie

    PDF-Dokument (3.7 MB)