LAFT Berlin Performing Arts Programm (PAP)

Interview

Vor den Brettern, die die Welt bedeuten In einer alten Berliner Spielstätte unterstützt ein Verband Künstler auf ihrem Karriereweg

Mit dem Performing Arts Programm (PAP) hat der Landesverband freie darstellende Künste e. V. in Berlin ein Projekt aufgelegt, das in der Kunst- und Kulturszene deutschlandweit Beachtung findet. Finanziert wird es durch das Programm „INP – Stärkung des Innovationspotenzials in der Kultur“, dessen Gelder aus EFRE-Mitteln stammen. Hier finden angehende wie professionelle Tanz- und Kulturschaffende unter einem Dach Unterstützung bei ihrem künstlerischen Werdegang. EFRE wirkt:

Wir treffen Janina Benduski im Theatersaal des Ballhaus Ost in Prenzlauer Berg. Hier sitzt auch der Landesverband freie darstellende Künste Berlin e. V. (LAFT Berlin). Bis 2012 war Benduski noch Vorstandsmitglied im LAFT Berlin, dann wechselte sie in das Projekt, von dem sie heute erzählt: „Das Performing Arts Programm verfolgt das Ziel, die freien darstellenden Künste Berlins, also die Spielstätten, die Einzelkünstler, die Gruppen und Ensembles, in ihrer Tätigkeit zu unterstützen.“ Heute werden im Performing Arts Programm, kurz PAP, junge Künstlerinnen und Künstler beraten und durch erfahrene Mentoren begleitet, Branchentreffs sowie Marketingwettbewerbe initiiert und dem Publikum unbekannte freie Spielstätten vorgestellt.

Interview

Die Idee, die freie Kunstszene so umfassend wie möglich zu unterstützen, kam aus der Verbandsarbeit heraus: „Seit der Gründung des LAFT Berlin 2007 waren das Fragestellungen aus der Praxis, bei denen wir gedacht haben: Da fehlt etwas, was an bestimmten strategisch wichtigen Punkten unterstützt und Hilfestellungen gibt. Diese Thematik hatte sich der Verband neben der kulturpolitischen Tätigkeit auch schon im Gründungsmanifest als Ziel gesetzt.“ Gemeinsam mit ihrem Kollegen Stefan Sahlmann fügte Benduski diese Ideen 2012 zu einem Konzept zusammen.

EFRE-Mittel stärken Neuerungen in der Kunstszene

Als Benduski und Sahlmann dann bei der Senatskanzlei, Kulturelle Angelegenheiten mit der Idee vorstellig wurden, um über eine Finanzierung zu sprechen, stellte diese das Programm „Stärkung des Innovationspotenzials in der Kultur“ (INP) im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) vor. Schnell sah das Duo hierin die Möglichkeit, das PAP umzusetzen. Bei der Antragstellung halfen dann die grundsätzlichen Erfahrungen, die die Theaterszene seit jeher mit Förderanträgen hat. Zur Herausforderung wurde nur das Anpassen an europäische Formulierungen: „Wir mussten erst einmal unsere Projektidee und die EU-Richtlinien übereinanderlegen und ein paar Vokabeln verstehen, dann war der Anteil der Passgenauigkeit von Idee und Anforderungen sehr hoch“, erinnert sich Benduski. „Ich glaube, das ist auch der Grund, warum die EFRE-Förderung teilweise weniger genutzt wird, als sie genutzt werden könnte. Weil man das Vokabular am Anfang eben erst übersetzen muss, um zu verstehen, was gemeint ist.“

Doch der Aufwand lohnte sich: Rund 395.000 Euro flossen aus EFRE-Mitteln zwischen 2012 und 2015 an den LAFT als Träger des PAP. Aus Landesmitteln kam noch einmal fast der gleiche Betrag hinzu. Daraus wurden fünf halbe Stellen geschaffen und Büroräume angemietet. „Auch 30.000 Euro jährlich als Preisgeld für den Marketingwettbewerb waren möglich. Sowie Honorare für Expertinnen“, erzählt Benduski.

So profitieren freie Künstlerinnen und Künstler am Anfang ihrer Karriere genauso wie bereits erfahrene Freischaffende vom Praxiswissen und aktuellen Fragestellungen. „Wir versuchen, an ganz verschiedenen Stellen anzudocken“, erklärt Benduski die Kontaktmöglichkeiten zum PAP, „und dann als Schnittstelle zu fungieren.“

LAFT Berlin Performing Arts Programm (PAP)

Das Performing Arts Programm besteht aus sieben Bausteinen

Heute ist das PAP eine der ersten Adressen in Berlin für Tanz- und Theaterschaffende. „Das Projekt ist von den Menschen selbst entwickelt worden, denen es zugutekommt“, hebt Benduski die Besonderheit hervor. Die Ideen, die hier umgesetzt werden, entstammen den Wünschen und Bedürfnissen der Kreativen: „Uns war wichtig, dass wir möglichst viele Praktiker in unserem Projekt haben, die parallel in der freien Szene arbeiten“, betont die Projektleiterin, die selber noch ein eigenes Produktionsbüro führt.

Mittlerweile ist das PAP breit vernetzt: Aktuell besteht das Team des PAP aus 16 Personen. Sie koordinieren unter anderem die Experten in den einzelnen Beratungen. „Wir haben eine enge Verbindung zu den künstlerischen Hochschulen und zahlreichen Kooperationspartnern aus der Szene“, erklärt Benduski. Ein solches Kooperationsbeispiel sind die Theaterscoutings. Hier bringt das PAP Publikum und freie Theaterszene zusammen. „Viele Kulturinteressierte sind zwar neugierig auf die freie Szene, kennen aber weder Spielstätten noch Gruppen“, erläutert Benduski. „An diesem Punkt schaffen wir einen Zugang: Jeden Monat begleiten wir 15 bis 20 Tanz- und Theaterbesuche.“ So eröffnet das monatlich wechselnde Programm die Vielfalt der Berliner Theaterszene.

Der jährliche Branchentreff ist ein weiterer Baustein. Er ruft Akteurinnen und Akteure sowie Spielstätten dazu auf, sich über aktuelle Branchenthemen auszutauschen. Obwohl erst im Herbst 2013 gestartet, wurde bereits die zweite Auflage 2014 mit über 500 Teilnehmenden zum größten deutschsprachigen Theaterkongress. Eine Erfolgsgeschichte, die sich auch 2015 fortsetzte.

„Eindeutig an Profis richtet sich der jährliche Marketingwettbewerb“, zählt Benduski ein weiteres PAP-Modul auf: „Hier geht es um die besten Marketingideen der Stadt. Das richtet sich eindeutig an High Professionals, die wissen, was sie tun.“ Neben diesen Angeboten komplettieren vier weitere Standbeine das Performing Arts Programm: eine zentrale Marketingstelle und eine webbasierte Proberaumplattform. Zudem eine Beratungsstelle und ein Mentoringprogramm – wobei diese beiden Angebote ebenfalls durch die Kulturverwaltung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert werden.

Deutschlandweit Beispiel für Best Practice

Als das Projekt an den Start ging, überwog in der Szene die Freude: „Es ist auch ein kulturpolitischer Erfolg, wenn diese Gelder auch der Kunst und Kultur zur Verfügung stehen.“ Im Dezember 2015 lief die erste Förderung aus. Doch der LAFT Berlin hatte bereits einen Folgeantrag gestellt. Ende November nahm eine Jury der Kulturverwaltung diesen an, zum Ende des Jahres konnte die Antragstellung komplettiert werden. Der Zeitrahmen stellte das Performing Arts Programm allerdings vor Herausforderungen: „Wir wussten erst Anfang Dezember, dass wir im Januar 2016 weiterarbeiten können, da hat die Planung erheblich erschwert.“ Inzwischen ist aber alles in trockenen Tüchern und das PAP kann mit zum Teil neuen Ideen fortgesetzt werden.

Dabei ist die Förderung von Angeboten wie dem PAP wichtig für freie Künstlerinnen und Künstler: „Unsere Zielgruppe hat nicht das Geld, um diese Form von Unterstützung zu bezahlen“, unterstreicht die gebürtige Berlinerin Benduski noch einmal die Notwendigkeit öffentlicher Förderung auch für die kulturelle Entwicklung der Stadt: „Dass die freie Kunstproduktion unterstützt und dadurch das Kulturangebot verbessert wird, hilft Berlin. Und natürlich unterstützen wir die Leute auch in ihrer wirtschaftlichen Existenz und ermöglichen so, dass die, die künstlerisch tätig sind, auch davon leben können.“

So bleibt Janina Benduski eine Freundin der EFRE-Förderung und hat auch schon in anderen Branchen die Werbetrommel gerührt: „Zumindest in Berlin füllt EFRE eine bestimmte Förderlücke, für die hier sonst nicht genügend Geld vorhanden ist. Ich weiß auch, dass andere Kunstsparten sich jetzt an uns ein Beispiel genommen haben. Die Literatur und die Musik wollen einen ganz ähnlichen EFRE-Antrag stellen, das nehmen wir mal als Kompliment.“

Mehr Informationen zum PAP und den Angeboten unter www.pap-berlin.de

Kontakt

LAFT – Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V.
im Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin

info@laft-berlin.de

EU EFRE Logo

Hintergrund

Die Förderung des Kulturbereichs in Berlin durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE) erfolgte 2007-2015 durch das Programm „INP – Stärkung des Innovationspotenzials in der Kultur”, dessen Nachfolger INP II mit geänderter Ausrichtung auch in der Förderperiode 2014-2020 angeboten wird. Durch das Programm sollen innovative Vorhaben in der Kulturbranche gefördert werden, die auf eine bessere wirtschaftliche Vermarktung des kulturellen Potentials zielen. Gefördert werden u. a. innovative Initiativen im Marketing, Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zum Markt und damit des Absatzes kultureller Produkte und Dienstleistungen von Urhebern und Interpreten, aber auch Angebote für verbesserte Servicestrukturen für diese Zielgruppe. Mehr Informationen unter www.berlin.de/efre und www.berlin.de/sen/kultur/foerderung.

Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Ansprechpartnerin

Helga Abendroth