Maschinenbau

Anlagenbau

Der Maschinenbau ist ein zentraler Pfeiler der industriellen Wertschöpfung und spielt auch in Berlin eine Schlüsselrolle für Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Seine Bedeutung ergibt sich nicht nur aus der internationalen Nachfrage, sondern auch aus der engen Verzahnung mit der regionalen Industrie: In Berlin entwickelte Maschinen und Anlagen werden direkt in Schlüsselbranchen der Hauptstadt eingesetzt – etwa in der Medizintechnik und Pharmaindustrie, in der Energie- und Umwelttechnik sowie in der Produktion von Elektronik, Verkehrstechnik und Metallwaren. Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen, Hidden Champions und global tätige Traditionsbetriebe bilden gemeinsam ein starkes Fundament mit einem breiten Produkt- und Dienstleistungsportfolio vom klassischen Werkzeugbau über Automatisierungslösungen bis hin zur Entwicklung und Fertigung modernster 3D-Drucker.

Die Berliner Maschinenbaubranche erwirtschaftete im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro und ist mit einer Exportquote von 73,6 Prozent 1 stark auf internationale Märkte ausgerichtet. Mit 7.038 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2 zählt die Branche zu den bedeutenden Arbeitgebern der Hauptstadt. Eng mit dem Maschinenbau verbunden und von hoher wirtschaftlicher Bedeutung für Berlin ist der Anlagenbau 3, der sich hauptsächlich auf die Installation von Maschinen und Ausrüstungen spezialisiert.

Tradition und Transformation einer Berliner Schlüsselbranche

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin zum größten Industriezentrum Deutschlands – geprägt durch Maschinenbau und die aufstrebende Elektroindustrie, angeführt von Unternehmen wie Borsig, Siemens und AEG. Der Zweite Weltkrieg und die anschließende Teilung der Stadt führten zu schweren Verlusten: Zerstörungen, Abwanderung großer Unternehmen und die Planwirtschaft im Osten schwächten den Standort und damit auch die Maschinenbaubranche erheblich. Dennoch blieb das technologische Know-how erhalten. Seit der Wiedervereinigung erlebt der Berliner Maschinenbau einen erneuten Aufschwung – innovativ, international vernetzt und in Teilbereichen führend auf dem Weltmarkt.

Vielfalt starker Akteure im Berliner Maschinenbau – von Traditionsunternehmen bis Hidden Champions.

Im Jahr 2024 umfasste der Berliner Maschinenbau 57 Betriebe mit jeweils mehr als 20 Beschäftigten. Laut der Bundesagentur für Arbeit kommen zudem 120 Betriebe hinzu, die mindestens eine, jedoch weniger als 20 Personen beschäftigen. Zu den führenden Unternehmen gehört unter anderem die traditionsreiche Korsch AG, die seit über 100 Jahren für den Weltmarkt Tablettenpressen produziert. Die H.-H. Focke GmbH & Co. KG hat sich auf Sondermaschinen und Verpackungsanlagen spezialisiert. Die Bardenhagen Maschinenbau Berlin GmbH bietet Revisionen, Wartungen sowie individuelle Maschinenkonstruktionen und industrielle Montagen für verschiedene Industriezweige an.

Für Präzisionsfertigung und Mechanik steht die VBE Berlin-Mechanik GmbH, die sich auf Mechanikfertigung und die Herstellung hochpräziser Baugruppen fokussiert. In diesem Bereich sind auch die W. Berger Werkzeug-, Maschinen- und Apparatebau GmbH, bekannt für ihre präzise CNC-Bearbeitung, sowie die Maraschnow Maschinen- und Apparatebau GmbH, die kundenspezifische Konstruktionen und Lösungen für den industriellen Bedarf realisiert, aktiv oder mit Finetech ein Mittelständler der hochpräzise Montagesysteme für die Halbleiter- und Elektronikfertigung produziert. Sonderanlagen und individuellen Anlagenbau in spezifischen Nischen decken unter anderem ab: die Steel Pro Maschinenbau GmbH, spezialisiert auf robuste Maschinenbau- und Stahlbaulösungen, sowie die E&P Anlagenbau GmbH, die industrielle Anlagen plant, baut und mit Engineering sowie Kundensupport begleitet.

Einen wichtigen Platz nimmt die Ahlberg-Gruppe ein: Während Ahlberg Metalltechnik Präzisionsteile, Baugruppen und Vorrichtungen fertigt, entwickelt Ahlberg Engineering Sondermaschinen und Automatisierungslösungen – und schlägt damit eine Brücke zwischen klassischem Maschinenbau und moderner Automatisierungstechnik. Darüber hinaus sind auch weitere Berliner Unternehmen im Bereich Automatisierung aktiv. So liefert beispielsweise die TEAM Automation Berlin GmbH. Maßgeschneiderte Automatisierungssysteme für den Sonderanlagenbau. Hochspezialisierte Anbieter wie die Jonas & Redmann Group GmbH, die Sondermaschinen und Automatisierungslösungen für Medizintechnik, Solarenergie und Elektromobilität entwickelt, oder Kapp Niles, deren Werkzeugmaschinen zur Zahnradbearbeitung weltweit eingesetzt werden, verdeutlichen die Vielfalt und Innovationskraft des Standorts.

Im Bereich Energietechnik gehören MAN Energy Solutions Berlin mit Hochleistungskompressoren für Energie- und Wasserstofftechnik sowie Siemens Energy mit Turbomaschinen zu den weltweit führenden Herstellern. Eine besondere Stärke des Berliner Maschinenbaus liegt in der additiven Fertigung: Mit Unternehmen wie BigRep, die großformatige 3D-Drucksysteme entwickeln und herstellen, ist die Hauptstadt nicht nur ein Anwender, sondern auch Produzent von Hardware für den industriellen 3D-Druck. Zulieferer wie Endless Industries liefern zudem hochwertige Schlüsselkomponenten wie Druckköpfe und tragen so zur technologischen Tiefe des Standorts bei.

Innovative Schlüsseltechnologien und industrienahe Dienstleistungen

Berliner Maschinenbauer sind Treiber digitaler und nachhaltiger Lösungen. Mit Mikroverfahrenstechnik, Robotik, Automatisierung und additiver Fertigung machen sie Produktionsprozesse effizienter. Gleichzeitig stellen sie zentrale Technologien für Dekarbonisierung und Energiewende bereit – und übernehmen damit eine Schlüsselrolle in der Transformation hin zu einer klimaneutralen und resilienten Industrie.

Wie stark der Berliner Maschinenbau technologisch aufgestellt ist, zeigt beispielhaft eine von der Senatsverwaltung für Wirtschaft beauftragte Studie zur (KI-basierten) Robotik in der Berliner Industrie. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen des Berliner Maschinenbaus einen deutlich höheren Innovationsgrad als der Bundesdurchschnitt aufweisen und Zukunftstechnologien wie Robotik und Automatisierung bereits breit einsetzen – sowohl in der eigenen Fertigung als auch in den angebotenen Maschinenlösungen.

Zu den Anbietern im Bereich Robotik und intelligenten Fertigungstechnologien gehören beispielsweise die RoboSys GmbH mit Automatisierungslösungen für Industrieroboter, pi4_robotics mit eigenen Robotern und Prüfautomaten, ConBotics mit spezialisierten Malerrobotern. Scansonic MI liefert Lasertechnologie, mit der Maschinenbauunternehmen Bauteile schweißen und verbinden können. PROMESS bietet Press- und Montagesysteme, die Fertigungsprozesse effizienter und präziser machen. Mit ASML ist in Berlin auch ein international führender Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterproduktion vertreten. Am Standort werden hochpräzise Komponenten und Systeme entwickelt, die für die Fertigung moderner Mikrochips unverzichtbar sind. Damit verbindet Berlin klassische Maschinenbau und Präzisionstechnik mit der der globalen Hightech-Industrie.

Neben der Produktion von Maschinen und Anlagen tragen industrienahe Dienstleistungen entscheidend zur Wertschöpfung in der Branche bei. Ingenieur- und Planungsbüros, spezialisierte Wartungs- und Instandhaltungsanbieter sowie Softwareentwickler für Automatisierungs- und Produktionsprozesse erweitern das industrielle Ökosystem. Sie schaffen Synergien zwischen Forschung, Entwicklung und Anwendung und sichern die Wettbewerbsfähigkeit des Maschinenbaus in Berlin.

Exzellente Wissenschaft und Ausbildung als Motor des Maschinenbaus in Berlin

Die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte hat einen großen Stellenwert: An der Berliner Hochschule für Technik werden im Maschinenbaustudium mit Tools wie Digitaler Fabrik und Virtueller Realität in kleinen Gruppen die Fachkräfte von morgen ausgebildet. Die Technische Universität Berlin (TU Berlin) bietet einen Bachelor- sowie einen Masterstudiengang Maschinenbau (B.Sc.) an, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) ebenfalls. Das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) fokussiert auf angewandte Forschung, berufliche Weiterbildung und Promotion im Maschinen- und Anlagenbau beziehungsweise in der Produktionstechnik.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der exzellenten Wissenschaftslandschaft. Institute wie das Fraunhofer IPK verbinden den klassischen Maschinenbau mit individuellen Digitalisierungslösungen und schaffen damit wichtige Brücken in Richtung Smart Factory und Industrie 4.0. Hinzu kommen zahlreiche Technologie- und Entwicklungszentren wie der Technologiepark Adlershof, die ideale Plattformen für Kooperationen zwischen Wissenschaft, Industrie und Start-ups bieten. So entstehen in Berlin jährlich eine Vielzahl an neuen Produkten, Verfahren und Technologien.

Berlin bietet ideale Voraussetzungen, um den Maschinenbau auch künftig als industrielle Schlüsselbranche weiterzuentwickeln. Neben hochqualifizierten Fachkräften und einer hervorragend aufgestellten Forschungs- und Hochschullandschaft profitieren Unternehmen von spezialisierten Clustern, branchenspezifischen Netzwerken wie dem Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) sowie Unterstützungsangeboten: Die Investitionsbank Berlin (IBB) bietet mit dem Programm Pro FIT gezielte Förderung für Forschung, Innovation und Technologie, um insbesondere KMU durch verstärkte FuE-Projekte wettbewerbsfähiger zu machen. Daneben erleichtert das Programm Transfer BONUS den Zugang zu wissenschaftlichem Know-how, indem es KMU Zuschüsse für Kooperationsprojekte mit Forschungseinrichtungen gewährt.

1: Statistisches Bundesamt: Unternehmen ab 20 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (WZ 28)

2: Bundesagentur für Arbeit: Unternehmen ab 1 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (WZ 28)

3: Der Anlagenbau wird statistisch dem WZ 33.2 (Installation von Maschinen und Ausrüstungen) zugeordnet und ist in den statistischen Kennzahlen der Branche Maschinenbau (WZ 28) daher nicht abgebildet.