Elektroindustrie

ein Kran hält ein großes Turbinentriebwerk in der Luft einer Fertigungshalle

Berlin galt bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert als „Elektropolis“ – die Stadt der Elektrizität. Kein Industriezweig hat den Wirtschaftsstandort so geprägt wie die Elektroindustrie und bis heute ist sie, gemessen an der Beschäftigtenzahl, die stärkste Industriebranche. Werden anteilig einfließende Wirtschaftszweige wie Schienenfahrzeugbau oder die Herstellung von medizinischen und zahnmedizinischen Apparaten mit berücksichtigt, umfasst die Branche sogar noch mehr Betriebe und Beschäftigte und erwirtschaftet entsprechend noch mehr Umsatz.

Die Berliner Elektroindustrie ist geprägt von Umwelt- und Energietechnologien, es werden Stromrichter und elektrische Ausrüstungen für Windkraftanlagen, Solarkraftwerke und Industrieanwendungen gefertigt. Genauso optische Komponenten, Module und Subsysteme für Telekommunikationsanwendungen. Berlin ist Vorreiter in der Elektromobilität. Und die „Industrie 4.0“ verknüpft Automatisierungstechnik mit Informations- und Kommunikationstechnologie – damit schöpft sie viel Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft der Branche aus.

Ob smarte Energiesysteme, die den Verbrauch im Haushalt optimieren, oder automatisierte Fertigungsroboter, die in Fabriken präzise und effizient rund um die Uhr arbeiten: Die Produkte und Technologien der Elektro- und Digitalindustrie prägen unseren Alltag und treiben die nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft voran. Berlin trägt dazu viel bei: Der Industriezweig der Elektroindustrie ist in puncto Umsatz der zweitstärkste der Stadt und damit eine tragende Säule der Berliner Wirtschaft.

  • 2024 wurden in der Berliner Elektroindustrie 5,9 Milliarden Euro Umsatz erzielt.
  • 3,8 Milliarden Euro mit der Herstellung von DV-Geräten, mit denen Videoformate aufgenommen und abgespielt werden können, sowie elektrischen und optischen Erzeugnissen, und …
  • 6,3 Milliarden Euro mit der Herstellung von elektrischer Ausrüstung.
  • 54 Prozent dieses Umsatzes werden im Ausland erzielt.
  • 149 Unternehmen sind in der Branche aktiv.
  • Die Elektronikindustrie weist den größten Beschäftigtenanteil in der Berliner Industrie auf – rund 27.000 Menschen waren hier 2024 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht rund 25 Prozent der insgesamt 108.000 Beschäftigten in der Berliner Industrie.
Chips

Bedeutender Systemlieferant

Die Branche ist Enabler der Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung und nimmt damit eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung zentraler Herausforderungen wie Dekarbonisierung und Fachkräftemangel ein. Als Systemlieferant, unter anderem in den Bereichen Medizintechnik, Signaltechnik und Batterieherstellung hat sie eine sehr hohe Bedeutung für das gesamte verarbeitende Gewerbe. Ihre Technologien – etwa in den Bereichen Mikroelektronik, Automation und erneuerbare Energien – tragen wesentlich zur Transformation hin zu einer klimaneutralen Industrie bei. Automatisierung, Digitalisierung und die intelligente Nutzung von Produktionsdaten helfen, Energie- und Ressourcenverbrauch, CO2-Emissionen und Kosten zu reduzieren. Die aktuelle Energielandschaft kann nur mit Automatisierungstechnik umgebaut werden. Sie ist die Basis für nachhaltige und smartere Produktionen sowie digitale Geschäftsmodelle. Dazu gehören neue Technologien, wie KI-basierte Lösungen, autonome Systeme, Blockchain, Edge und Cloud-Computing sowie die Vernetzung in der Fabrik mit 5G.

Die Elektro- und Digitalindustrie ist als Schlüsselbranche und Systemlieferant eng mit den Berliner Innovationsclustern verflochten. Berlin soll Innovationsstandort Nummer 1 in Europa werden, indem es zu einem führenden Zentrum für Forschung und Entwicklung ausgebaut wird, Innovationsräume gefördert und regionale Cluster gestärkt werden. Mit der Innovationsstrategie Berlin und Brandenburg – innoBB werden Unternehmen, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen in fünf länderübergreifenden Clustern begleitet: Gesundheitswirtschaft (GW); Verkehr, Mobilität und Logistik (VML); Optik und Photonik (OuP); Energietechnik (ET); IKT, Medien und Kreativwirtschaft (IMK).

junger Mann verschraubt Komponenten und Kabel an einer Hutschiene

Berlin gilt als Ideenschmiede der Elektroindustrie

Durch die Vielfalt ansässiger Unternehmen, aber auch durch die Nähe und das Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft gilt die Hauptstadt als Ideenschmiede der Elektroindustrie. Das zeigt sich auch darin, dass in die Berliner Elektroindustrie und Instrumententechnik im Vergleich zu anderen Branchen einen besonders hohen Anteil von 6,9 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert (Innovationserhebung Berlin 2023). Nach Angaben im Faktenblatt zur deutschen Elektro- und Digitalindustrie des ZVEI e.V., Verband der Elektro- und Digitalindustrie weisen deutschlandweit 7 von 10 Unternehmen regelmäßige Produkt- oder Prozessinnovationen vor, jährlich werden 13.300 Patente angemeldet und die Branche ist Impulsgeber für jede dritte Innovation im verarbeitenden Gewerbe. Ihr gehören 17 Prozent aller sogenannten „Hidden Champions“ an.

Die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie in Berlin kann auf exzellente Forschung und gut vernetzte Wissenschaftsakteurinnen und -akteure zugreifen. In der Hauptstadtregion wurde in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von innovativen Verfahren und intelligenten Produkten in den Bereichen Mikroelektronik, Automation und Verkehrstechnik oder Consumer Electronics entwickelt. Auch für die Energie- und Umwelttechnologie ist die Berliner Elektroindustrie enorm wichtig, unter anderem in der Herstellung von Stromrichtern und elektronischen Ausrüstungen für Windkraftanlagen, Solarkraftwerke und Industrieanwendungen. Unternehmen wie die Siemens AG und GE PowerConversion sind beispielsweise im Bereich Power-To-X und Windkraft engagiert und leisten einen entscheidenden Beitrag zum Thema erneuerbare Energien. In der Elektromobilität positioniert sich Berlin ebenfalls klar als Vorreiter: Es ist einer der vier Standorte der Initiative „Internationale Schaufenster Elektromobilität“. Die Hauptstadtregion engagiert sich besonders für Themen wie Speicher (Smart Grid), Fahren (Mobilität), Laden (Infrastruktur) und Vernetzen (Nexus).

Ein Techniker repariert einen Laptop

Chancen in der Circular Economy

Besondere Chancen bietet die Circular Economy, in der die Elektroindustrie durch Materialrückgewinnung, die Nutzung von Sekundärrohstoffen und zirkuläre Geschäftsmodelle einen großen Beitrag leisten kann. Laut derPotenzialstudie zur Circular Economy im industriellen Sektor Berlins, die im Rahmen des Masterplans Industriestadt Berlin 2022-2026 erarbeitet wurde, liegt für die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie besonders großes wirtschaftliches Potenzial in dem steigenden Angebot an zirkulären Geschäftsmodellen für elektrotechnische und Elektronikgeräte: „Sowohl Hersteller von Elektrotechnik und Elektronikgeräten als auch Drittanbieter offerieren Verbraucherinnen und Verbrauchern verstärkt Sharing-, Leasing- und Reparaturangebote“, heißt es in der Studie. Allein in Berlin gibt es bereits über 1.700 zirkuläre Initiativen und Geschäftsmodelle. Weitere Chancen für die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie liegen laut den Autorinnen und Autoren in der Umwelt- und Energietechnologie sowie der Elektromobilität: „Die interviewten Expertinnen und Experten sehen Berlin durch Unternehmen, die Stromrichter und elektronische Ausrüstungen für Windkraftanlagen, Solarkraftwerke und Industrieanwendungen herstellen, als zukunftsträchtigen Standort mit großem wirtschaftlichem Potenzial im Bereich der Umwelt- und Energietechnologien.“ Der digitale Produktpass ist ein Datensatz, der transparent macht, aus welchen Komponenten, Materialien und chemischen Substanzen etwas besteht und Informationen zu Reparierbarkeit, Ersatzteilen oder fachgerechter Entsorgung enthalten kann – und das über alle Phasen des Produktlebenszyklus hinweg. Für die Elektroindustrie ist das ein besonders wertvolles Tool, da dort Metalle, kritische Rohstoffe und Seltene Erden eingesetzt werden und die Verwendung regionaler Sekundärrohstoffe einen Vorteil bedeuten kann.

Förderung durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe unterstützt die Branche unter anderem, indem sie Wirtschaftswachstum vorantreibt und damit bestehende Unternehmen stärkt sowie neue Ansiedlungen unterstützt.

Das passiert zum Beispiel über:

  • Das Resilienzprogramm ist eine Weiterentwicklung von „Neustart Berlin“, das Unternehmen nach der Corona-Pandemie unterstützen sollte.
  • SolarPLUS und „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ (WELMO), treiben den Ausbau erneuerbarer Energien und der Elektromobilität voran. In ganz Berlin sollen bis 2035 mindestens 25 Prozent des in der Stadt erzeugten Stroms aus Solarenergie gewonnen werden. Auf den Dächern der Messe Berlin entsteht beispielsweise Deutschlands drittgrößte Solardachanlage. Auf 50.000 Quadratmetern werden rund 15.000 Photovoltaik-Module installiert. Sie sollen eine Gesamtleistung von bis zu 6 Megawattpeak erzielen und pro Jahr fünf Gigawattstunden Strom erzeugen – das entspricht dem Verbrauch von 2.500 Zweipersonen-Haushalten. Die Anlage wird rund 1.900 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.

Weitere Förderthemen für die Industrie auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene sind im Fördertableau zusammengetragen.

ein farbiges junges mädchen baut einen kleinen Prototypen zusammen

Weitere Projekte und Initiativen, von denen die Elektroindustrie profitiert:

Der Masterplan Industriestadt Berlin 2022-2026 (MPI) ist eine Plattform, auf der Akteurinnen und Akteure durch ihre Projekte gemeinsam Impulse für die Bewältigung aktueller Herausforderungen setzen, unter anderem in puncto Digitalisierung, Klimaschutz und Fachkräftemangel. Mit Projekten wie dem Mädchen-Technik-Kongress, Industrie macht Schule, der Future of Computing Conference und AMBER adressiert er auch die Elektroindustrie.

Des Weiteren stärken folgende Projekte und Initiativen die Wettbewerbsfähigkeit der Elektroindustrie:

  • Das ReTRaNetz Berlin-Brandenburg unterstützt die in der Region Berlin-Brandenburg ansässigen KMU aus der Fahrzeug- und Zulieferindustrie sowie deren Beschäftigte bei notwendigen Transformationsprozessen hin zu CO2-neutraler Mobilität und Produktion.
  • Damit Ideen aus Forschung und Entwicklung noch schneller und zielgerichteter zur Marktreife gelangen, fördert die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe wirtschaftsorientierte Reallabore.
  • Fachkräfte werden gesichert durch Initiativen wie das IoT-Talent-Programm des MotionLab.Berlin.
  • Der Deep Tech Berlin Kampagne mit dem Deep Tech Award bietet Berliner Unternehmen und Startups aus der Deep Tech Szene eine nationale wie auch internationale Bühne, um ihre Bekanntheit und die ihrer Lösungen zu steigern.
  • Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) ist ein bedeutender Branchenverband, der die Interessen der Elektro- und Digitalindustrie auf nationaler und internationaler Ebene vertritt. Er engagiert sich in Berlin unter anderem über das Netzwerk Industriepolitik im Rahmen des Masterplans Industriestadt Berlin 2022-2026.
  • Die Berliner Zukunftsorte zeigen 11 Orte in der Stadt, an denen die Zukunft bereits heute gedacht wird und die Innovationskraft Berlins entsprechend deutlich wird.
  • Die Transferweek Berlin-Brandenburg bringt Wissenschaft, Unternehmen und Innovatoren zusammen, um die Innovationslandschaft der Hauptstadtregion zu stärken und den Wissensaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen.
  • Im Projekt KOMBiH werden praxisnahe Qualifizierungsformate rund um Batterietechnologien entwickelt, speziell für die Hauptstadtregion.