Migration prägt seit Jahrhunderten die Wirtschaft, die Kultur und die Gesellschaft Berlins. Internationale Communities und Netzwerke prägen die Stadt, sind Ausdruck von Weltoffenheit und Vielfalt und ein wesentlicher Grund für die Anziehungskraft Berlins, auch auf Talente aus aller Welt. Menschen mit Migrationsgeschichte sind Teil der Stadt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Deckung von Fachkräftebedarfen. Berlin verfügt über gute Willkommensstrukturen, die Menschen das Ankommen und Zurechtfinden in Berlin erleichtern. Der konsequente Ausbau der Willkommenskultur trägt dazu bei, die für die Fachkräftesicherung zwingend erforderliche Einwanderung weiterzuentwickeln. Soziale Teilhabe, Zugehörigkeit und Lebenszufriedenheit sind zentrale Faktoren erfolgreicher Fachkräftebindung.
Die Berliner Willkommenskultur ist auch auf die hier bereits lebenden Menschen und ansässigen Unternehmen ausgerichtet. Es geht um gute Rahmenbedingungen für alle: Sei es beim Thema Wohnen, Verkehr, bei der Versorgung mit Kita-Plätzen, Gesundheitsinfrastruktur, Beratungsangebote zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, kulturellen Angeboten, Sprachkursen oder öffentlichen Dienstleistungen – Ziel der Fachkräftestrategie 2035 ist es, alle Belange des Wirtschaftens, Arbeitens und Lebens in den Blick zu nehmen, um Fachkräfte für Berlin zu gewinnen und zum Bleiben zu motivieren. Diese Verbesserungen kommen nicht nur neu zuwandernden Fachkräften zugute, sondern stärken auch die Teilhabe der bereits in Berlin lebenden Menschen und verankern die migrationsgesellschaftliche Realität als selbstverständlichen Bestandteil der Stadtentwicklung.
Initiativen der Bundesregierung, die auf eine Verbesserung von Willkommensstrukturen zielen, werden von Berlin unterstützt.
Die Fachkräftestrategie 2035 knüpft an bereits vorhandene fachpolitische Strategien und Prinzipien der Landespolitik an. Sie baut damit auf die vielfältigen Aktivitäten auf, die in Berlin bereits jetzt gemeinsam mit wichtigen Wirtschafts- und Arbeitsmarktakteuren umgesetzt werden. Die Fachkräftestrategie 2035 fokussiert diese Ansätze auf die Fachkräftesicherung. Dabei werden die zahlreichen Schnittstellen und Felder sichtbar, die direkt und indirekt zur Fachkräftesicherung beitragen. Dieser Fokus zeigt auch, wo es übergreifende Handlungsmöglichkeiten und Kooperationspunkte gibt:
Ein Beispiel auf der strategischen Ebene ist die Gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg (bisher: innoBB 2025), die mit dem Ziel einer Beschlussfassung in 2026 derzeit weiterentwickelt wird. Sie stärkt die regionale Wertschöpfung der wirtschaftlich und arbeitsmarktlich eng miteinander verwobenen Länder Berlin und Brandenburg und bringt Unternehmen und anwendungsorientierte Wissenschaft zusammen. Sie zielt darauf ab, die Innovationsfähigkeit und -aktivität der Unternehmen in der Hauptstadtregion zu steigern, wobei Fachkräfte ein zunehmend kritischer Erfolgsfaktor sind.
Eine weitere Schnittstelle besteht zur Forschungspolitischen Strategie Berlin, die bis zum Sommer 2026 erarbeitet wird. Sie definiert den verbindlichen Rahmen für die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts und benennt strategische Schwerpunkte des Landes zur Unterstützung exzellenter und international sichtbarer Forschung. Sie stärkt darüber hinaus systematisch die Rahmenbedingungen am Forschungsstandort und im Besonderen der Hochschulen als Orte der Spitzenforschung und Ausbildungsstätten für akademische Fachkräfte zugleich. Wer an einem attraktiven Forschungsstandort studiert und promoviert, bleibt eher – als Fachkraft in Wissenschaft, Wirtschaft oder Verwaltung.
Ein weiteres Beispiel ist das Gesamtkonzept zur Integration und Partizipation Geflüchteter. Darin geht es u.a. um die effektive, qualifikationsadäquate und nachhaltige Integration Geflüchteter in Arbeitsmarkt und Ausbildung. Geflüchtete sollen sich mit ihren Kompetenzen und Potenzialen in das Beschäftigungssystem einbringen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung in Berlin.
Von besonderer Bedeutung sind auch Stadtentwicklungspläne und weitere strategische Ansätze des Berliner Senats für die Berliner Infrastruktur. So ist ausreichender Wohnraum erforderlich, damit Menschen nach Berlin kommen bzw. in Berlin bleiben können. Der Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 (StEP Wohnen 2040) sieht vor, mehr Wohnraum zu schaffen und bezahlbare Wohnungen für die Berlinerinnen und Berliner zu bauen – zentrale Aspekte also, um im angespannten Berliner Wohnungsmarkt gutes Wohnen für Fachkräfte und ihre Familien zu ermöglichen.
Zu einer erfolgreichen Fachkräftesicherung tragen auch die Leitprinzipien des Berliner Senats bei. Sie sind als besonders relevante Querschnittsziele für die gesamte Fachkräftestrategie definiert:
- Ein konsequent umgesetztes Leitprinzip Gute Arbeit kann Berlin für Fachkräfte besonders interessant machen. Unternehmen, die faire und sichere Bedingungen bieten, haben Vorteile im Wettbewerb um Fachkräfte. Gute Arbeitsbedingungen sorgen dafür, dass Beschäftigte auch langfristig in Unternehmen bleiben und motiviert arbeiten können. Das Leitprinzip Gute Arbeit steht nicht nur für ein existenzsicherndes Einkommen und soziale Absicherung, sondern auch für alle weiteren Aspekte eines gesunden und guten Arbeitsumfeldes sowie für Vereinbarkeitsmöglichkeiten.
Tarifverträge spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie sichern faire Löhne, transparente Arbeitsbedingungen und planbare Karrierewege. Ein hoher Tarifanteil stärkt das Vertrauen zwischen Beschäftigten und Betrieben, fördert Chancengleichheit und macht die Hauptstadt zu einem Standort, an dem gute Arbeit verlässlich anerkannt und honoriert wird. Ob im Start-Up oder im Traditionsunternehmen, ob Azubi oder ältere Fachkraft – Berlin will Gute Arbeit für alle voranbringen.
- Gleichstellung, Schutz vor Diskriminierung, Inklusion und Diversität sind Merkmale einer offenen Stadtgesellschaft. Es braucht sie, damit Menschen in ihrer Verschiedenheit diskriminierungsfrei leben können. Sie kennzeichnen aber auch eine erfolgreiche Unternehmenspolitik. Die Fachkräftesicherung fällt den Unternehmen leichter, die einen diskriminierungsfreien Arbeitsort gestalten. Gleichzeitig trägt größere Vielfalt zu mehr Innovation und besseren Arbeitsergebnissen bei. Mit der Fachkräftestrategie 2035 sollen alle Menschen in Berlin unabhängig von Herkunft und Lebenssituation die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten in Beruf und Erwerbstätigkeit zu entfalten. In diesem Zusammenhang sind auch die Diversity-Landesprogramme als strategische Maßnahmenpakete zur Verankerung von Diversity und Antidiskriminierung in den Strukturen der Berliner Verwaltung zu nennen. Sie tragen dazu bei, besser auf vielfältige Bedarfe auch von Fachkräften reagieren zu können.
Um die Umsetzung dieser Querschnittsziele sicherzustellen, setzt sich Berlin dafür ein, Gute Arbeit für alle zu fördern und vor Arbeitsausbeutung zu schützen. Des Weiteren unterstützt Berlin das Recht aller Menschen auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung und fördert eine Kultur der Wertschätzung von Vielfalt als wirksame Strategie zum Abbau von Diskriminierung. Ziel ist es u.a., eine inklusive, zukunftsfähige Arbeitswelt zu gestalten.