Förderung von Wildbienen und Hummeln auf Grün- und Freiflächen

Wildbienen

Einleitung

Unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt ist ein empfindliches Netzwerk zwischen unterschiedlichsten Lebewesen, welche aufeinander angewiesen sind – ohne den anderen nicht existieren können. Dieses fragile System ähnelt einem Spinnennetz, welches zusammen fallen kann, wenn auch nur ein Faden reißt. Einen bedeutenden Stellenwert nehmen die Insekten ein. Für uns ein Mikrokosmos sind sie doch ein wichtiger Teil unserer hiesigen Flora und Fauna.
Durch einen Maßnahmenkatalog für die Grünpflege sowie eine praktische Auflistung gebietsheimischer Pflanzen möchte der Naturschutzbeirat in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde dazu anregen, in öffentlichen und privaten Grünflächen und Gärten das
Pflanz- und Pflegeverhalten zu überdenken. Wildkräuter nicht als lästig wahrzunehmen, sondern ihre Schönheit und ihren Nutzen zu erkennen, naturnahes Anpflanzen als Erleichterung in der Grünpflege wahrzunehmen sowie durch eine Neuinterpretation der Pflanzengestaltung unsere Umwelt zu schützen.

  • Durch massive Einsätze von Pestiziden in der Landwirtschaft und in Privatgärten, durch Urbanisierung und durch Zurückdrängung heimischer, wilder Pflanzen ist dieses Ökosystem bedroht. Werden Wildkräuter durch Herbizide vernichtet oder nur exotische Zierpflanzen in Gärten eingebracht, ist unsere heimische Insektenwelt gefährdet. Von ihr sind wiederum Vögel, Amphibien und Säugetiere abhängig. Besonders blütenbestäubende Insekten leisten einen enormen Einsatz für unsere Biodiversität.
  • Durch einen Maßnahmenkatalog für die Pflege sowie eine praktische Auflistung gebietsheimischer Pflanzen möchte der Naturschutzbeirat in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde dazu anregen, in öffentlichen und privaten Grünflächen und Gärten das Pflanz- und Pflegeverhalten zu überdenken. Wildkräuter nicht als lästig wahrzunehmen, sondern ihre Schönheit und ihren Nutzen zu erkennen, naturnahes Anpflanzen als Erleichterung in der Grünpflege wahrzunehmen sowie durch eine Neuinterpretation der Pflanzengestaltung unsere Umwelt zu schützen.
Wildbienen

Bedeutung und Lebensraumansprüche von Wildbienen

Bienen (Apidae) gehören zu der artenreichen Ordnung der Hautflügler. Dazu zählen auch weitere Familien wie Ameisen, Faltenwespen, Schlupfwespen, Wegwespen. Als wichtigste Bestäuber von Blütenpflanzen sind die Bienen von enormer Bedeutung für den Erhalt der Vielfalt der Pflanzenarten. Weltweit gibt es circa 20.000 bis 30.000 Bienenarten, in Europa etwa 2.100, in Deutschland ungefähr 550 Arten.
Bienen ernähren sich und ihre Larven von Nektar und Pollen, sind also Nahrungsspezialisten. Viele sind anatomisch an diese Lebensweise angepasst. Beispielsweise durch Sammelapparate an den Beinen, Körperbehaarung, die dem Pollensammeln dient, oder einen Honigmagen, in dem Nektar gespeichert werden kann.
Im deutschen Sprachgebrauch wird unterschieden zwischen Honigbiene („der Biene“ schlechthin) und „Wildbienen“. Letztere werden wiederum häufig in „Solitärbienen“ (die einzeln oder in Kolonien leben) und „Hummeln“ (die einen plumpen, behaarten Körper haben und einjährige Staaten bilden) unterteilt. Im Gegensatz zur Honigbiene sind viele Wildbienenarten auf sehr spezifisches Mikroklima und nur wenige oder gar nur eine Futterpflanzenart angewiesen. Sie sind nur während einer kurzen Zeit im Jahr aktiv. Sie benötigen dann Habitatelemente, wie bestimmte Blüten als Nahrungsquelle, Stengel von Kräutern und Gräsern als Versteck, Winterruhe- und Eiablageplatz.
Verglichen mit den Honigbienen sind ihre Areale klein, ihre Fluchtdistanz liegt bei max. 300 m. Viele Wildbienenarten reagieren als stenöke Arten sehr empfindlich auf Veränderungen in ihrem Lebensraum.

Wildbienen

Gefährdung von Wildbienen

Größere Städte, so auch Berlin, gelten infolge ihres Strukturreichtums im Allgemeinen gegenüber der intensiv genutzten Agrarlandschaft noch immer als ein Hort der Artenvielfalt. Aber auch hier werden Wildbienen seltener oder es gibt sie nur noch auf Sonderstandorten wie urbanen Brachen. Ökologisch besonders wertvollen Biotope der Stadtlandschaft, wie diese Brachflächen, sind derzeit infolge Umnutzung in Bauland extrem bedroht oder schon verschwunden. Weitere Gefährdungen für Bienenlebensräume bestehen in Berlin vielerorts durch zu intensive Park- und Grünanlagenpflege. Infolge vielfacher Wirkzusammenhänge führt der Artenrückgang bei den Pflanzen zu signifikantem faunistischem Artensterben besonders bei Insekten und deren Fressfeinden wie beispielsweise Reptilien, Vögeln und Fledermäusen. Seit einigen Jahren ist ein drastischer Rückgang vieler, insbesondere blütenbesuchender Insekten zu beobachten, Experten führen diese auf folgende Faktoren zurück:
  • Anwendung von Insektiziden, wie Neonicotinoide in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch in Privatgärten
  • Ausräumung und Homogenisierung der Landschaft durch intensive Land- und Forstwirtschaft (Entwicklung großer „Agrarwüsten“, Anbau nährstoffanspruchsvoller Arten, insbesondere Energiepflanzen als Monokultur, Wegfall von Säumen)
  • Abschaffung der Förderung von Stilllegungsflächen
  • Verschwinden spezifischer Pflanzenarten z.B. durch Überdüngung, an welche zahlreiche Wildbienen als Nahrungsquelle oder zur Eiablageplatz gebunden sind
  • zunehmende Versiegelungs-, Zersiedlungs- bzw. Urbanisierungsprozesse, die zur Zerstörung des Biotopverbunds und zur Flächenkonkurrenz mit Honigbienen beitragen

Größere Städte, so auch Berlin, gelten infolge ihres Strukturreichtums im Allgemeinen gegenüber der intensiv genutzten Agrarlandschaft noch immer als ein Hort der Artenvielfalt. Aber auch hier werden Wildbienen seltener oder es gibt sie nur noch auf Sonderstandorten wie urbanen Brachen. Ökologisch besonders wertvollen Biotope der Stadtlandschaft, wie diese Brachflächen, sind derzeit infolge Umnutzung in Bauland extrem bedroht oder schon verschwunden.
Weitere Gefährdungen für Bienenlebensräume bestehen in Berlin vielerorts durch zu intensive Park- und Grünanlagenpflege. Es werden meist mehrere Mahden pro Jahr, teilweise monatlich, durchgeführt. Säume und Wildkrautbereiche können so nicht entstehen bzw. werden nicht geduldet.
In Gebüschen und Gehölzbeständen werden Laub, Astwerk und Totholz entfernt.
Hiermit verschwinden die beschriebenen essentiellen Habitatelemente zeitgleich und großflächig.
Unumkehrbarer, permanenter Nährstoffeintrag aus der Luft sowie anthropogen bedingte Müllablagerungen verursachen wesentlich eine zunehmende Nährstoffanreicherung in den Böden der Berliner Grünflächen und Wälder, so dass dort nur noch ein reduziertes Spektrum von Pflanzenarten wachsen kann. Infolge vielfacher Wirkzusammenhänge führt der Artenrückgang bei den Pflanzen zu signifikantem faunistischem Artensterben besonders bei Insekten und deren Fressfeinden wie beispielsweise Reptilien, Vögeln und Fledermäusen. Als sehr negativ erweist sich auch hoher Nutzungsdruck in den Grünflächen.

Wildbienen

Maßnahmen zum Schutz von Wildbienen

Die akute Gefährdungssituation für viele der hier betrachteten Arten erfordert dringend Konsequenzen in der Bewirtschaftung. Auch durch ein Umsteuern in der Park- und Grünflächenpflege, mit dem Ziel vielfältig strukturierte naturnahe Lebensräume zu schaffen, lässt sich die Situation für Hummeln und Wildbienen mit geringem Aufwand kostenfreundlich stark verbessern:

  • Extensives Wiesenpflege – als erforderliche Maßnahme zum Erhalt der Artenvielfalt

    • Die Schnitthäufigkeit witterungsangepasst auf drei bis sechs Schnitte pro Jahr begrenzen. Nachdem das Mahdgut möglichst einige Tage vor Ort liegen geblieben ist, so dass die darin lebenden Tiere in belassene Nachbarbereiche wechseln und vorhandene Samen reifen können, ist es grundsätzlich von der Fläche zu entfernen. Damit werden der Fläche Nährstoffe entzogen, was zum Erhalt vieler wertgebender Wiesenarten notwendig ist.
    • Auf Wiesendüngung ist zu verzichten.
    • Für den Schutz der in der Wiese bodengebunden lebenden Tiere sowie zur Förderung von blütenreichen Kräutern ist eine Schnitthöhe von > 12 cm zu beachten.
    • Zeitversetztes Mähen von Teilflächen im Abstand von min. 14 Tage (Streifen- bzw. Mosaikmahd), so dass die Tierwelt hier weiterhin über Lebens- und Jagdraum verfügt und ein Blühfaktor sowie die Raumwirkung stets abwechslungsreich erhalten bleiben.
    • Winterwiesen belassen, d. h. nicht gemähte Abschnitte, vor allem Säume werden erst im zeitigen Frühjahr (März/April) der Folgesaison gemäht, so dass Insekten in den verbleibenden Stengeln, Samen u.a. Kleinhabitaten von Gräsern und Kräutern artgerecht überwintern können.
    • Der Einsatz schwerer Mähgeräte führt zur Bodenverdichtung, die Artenverarmung nach sich zieht.
    • Die Mahd sollte tierschonend, optimal mit dem Balkenmäher erfolgen. Bei der Verwendung von Messerbalken-Mähwerken verringert sich die Schädigungsrate von Tieren gegenüber der von Rotationsmähwerken um die Hälfte.
    • Auf den Einsatz von Mähgutaufbereitern oder Mulchgerähten sollte verzichtet werden. Diese quetschen und knicken das Mähgut und beschleunigen so zwar das Trockenen des Heus, verletzen und töten aber unzählige Tiere.
    • Wüchsige Bereiche auf nährstoffreichen Böden, wo beispielsweise vermehrt Brennnesseln, Kanadische Goldrute und Schöllkraut vorkommen, sollten durch häufige Mah und anschließendes Abräumen des Mahdgutes ausgemagert werden. Wenn sich das Artenspektrum verändert hat kann zur extensiven Pflege zurückgekehrt werden.
  • Wildblumen-Wiesen anlegen

    • Bienen bieten diese Wiesen mit jahreszeitlich wechselndem Blütenbestand (sog. „Blühwellen“) hervorragende Habitat- und Ressourcenangebote. Ihre Pflege sollte extensiv sein und sich auf ein- bis zweimalige jährliche Mahd beschränken.
    • Artenarme Zierrasen sollten durch extensive Gebrauchsrasen ersetzen, die mehrere Gräser- aber auch Kräuterarten enthalten.
    • Für die Wildblumenwiesen sind je nach Feuchte-, Nährstoff- und Bodenverhältnissen heimische Arten der Feucht- und Frischwiesen bzw. der Trockenrasen zu verwenden.
    • Bevorzugt verwendet werden sollte gebietsheimisches Saat- und Pflanzgut.
      → siehe Broschüre: Pflanzen für Berlin
  • Heimische Stauden- und Gehölzstrukturen aufbauen

    • Zieranlagen mit exotischen Pflanzen auf kleine, besondere Flächen beschränken. Wenn möglich, heimische Arten verwenden und Wildstaudenbeete sowie Gehölzstrukturen anlegen. Die Lebensräume an und in heimischen Kräutern und Gehölzen sind durch unsere Fauna funktional wesentlich besser zu nutzen als exotische Zierpflanzen.
    • Herbstlaub nur entfernen, wenn es unbedingt nötig ist. Dabei auf den Einsatz von Laubsaugern verzichten – sie zerhäckseln nicht nur das Laub, sondern auch die darin lebenden Tiere. In Gehölzflächen sollte grundsätzlich eine Laubschicht von ca. 5 cm erhalten bleiben. Das spart nicht nur die Kosten bei der Laubentsorgung und verhindert Bodenerosion, sondern ermöglicht auch eine Humusbildung im Boden, das Unterdrücken von unerwünschtem Fremdbewuchs sowie eine wichtige Überwinterungsmöglichkeit für Insekten, Spinnen und weiteren Lebewesen.
  • Natur sich entwickeln lassen – Ruderalvegetation wertschätzen

    • Wenig beachtete, ungenutzte Flächen sind oft Lebensraum für eine vielfältige Pflanzenwelt. Ruderalflächen und Stadtbrachen deshalb bewusst erhalten und gezielt entwickeln und pflegen.
  • Biotopverbund fördern

    • Wertvolle Biotope (z.B. Feuchtstandorte und Trockenrasen, aber auch artenreiche Böschungen oder alte, bewachsene Natursteinmauern) sind als Trittsteine bzw. Verbindungsflächen des Biotopverbunds unbedingt zu erhalten. Hier besteht auch für Bienen ein reiches Mosaik von Habitatstrukturen.
  • Grüne Verbindungen schaffen

    • Je größer und zusammenhängender eine Grünfläche ist, desto höher ist ihr ökologischer Wert. Grünflächen müssen untereinander vernetzt sein.
  • Verzicht auf Gift

    • Auf Herbizide, Pestizide und Pflanzenschutzmittel aller Art grundsätzlich verzichten: Das Aufkommen von Wildkräutern in Blumenbeeten kann reduziert werden, indem gezielt bodendeckende Pflanzen wie Kriechgünsel (Ajuga reptans) geduldet/gefördert/gepflanzt werden. Offene Böden können mit Hackschnitzeln oder Mulchmaterial bedeckt werden. Auch das Anlegen von Schotterflächen bzw. die Verwendung von Splitt, Kies verringern das Aufkommen von Fremdbewuchs.
  • Totholz ist Lebensraum

    • Alte und „kranke“ Bäume sollten solange als möglich erhalten werden, Höhlen und Stammrisse sind besonders geschützte Strukturen für Höhlenbrüter (viele Arten der Bienen Vögel, Fledermäuse) und dürfen nicht verschlossen werden.
      Totholz ist ein extrem wertvoller, artenreicher Lebensraum. Bevor ein Baum gänzlich gefällt wird, sollte geprüft werden, ob ein Hochstubben stehen und das Schnittgut als Totholzhaufen in der Fläche bleiben darf. Auch hier lassen sich Entsorgungskosten sparen, indem man bspw. Äste zu einer Benjeshecke als natürliche Begrenzung aufbaut.
  • Vegetationssäume zulassen

    • Säume an Nutzungsgrenzen zu artenreichen Lebensräumen entwickeln. Grasstreifen entlang von Zäunen, Krautsäume zwischen Rasen und Gebüschen, Hochstaudenfluren entlang von Sickerflächen und andere Randbereiche extensiv nutzen, d.h. ein- bis zweimal im Jahr mähen. Einzelne Abschnitte auch über den Winter stehen lassen; solche Strukturen sind nicht nur wichtige Überwinterungsquartiere für Insekten, sondern dienen auch als optische Begrenzung für Bereiche, die nicht stark betreten werden sollen.
  • Nischenbildung zulassen – Schaffung naturhaushaltswirks. Flächen

    • Befestigte Flächen, z.B. asphaltierte Wege entsiegeln und wasserdurchlässig gestalten.
    • Mauern und Gebäude an geeigneten Flächen mit Kletterpflanzen begrünen (Programme zur Hofbegrünung).
    • Dachbegrünung möglichst als Regelfall in der Bauleitplanung.
  • Weniger ist mehr – nährstoffarme Flächen entwickeln

    • Generell nährstoffarme Standorte schaffen und auf Düngung verzichten. Denn: Je nährstoffärmer der Boden, desto langsamer wachsen die Pflanzen und desto seltener muss gepflegt werden. Falls intensivere Pflanzflächen nicht ohne Düngung auskommen, so sollte organisch gedüngt werden, da dies den Boden lebendig hält. Auf mineralisches Blaukorn etc. bitte verzichten.
  • Naturnahe Grenzbildung

    • Flächenumgrenzungen sollten naturnah gestaltet werden. Um die Landschaften ökologisch durchgängiger zu gestalten sollten Maschendrahtzäune und Betonmauern durch Hecken oder Trockensteinmauern ersetzt werden.
  • Nutzungszonen durch Besucherlenkung

    • Auf großen Flächen durch geschickte Besucherlenkung ungestörte Schutz- und Ruhzonen schaffen.
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Weiterführende Informationen

Umwelt- und Naturschutzamt

Amtsleitung des Umwelt- und Naturschutzamtes
Frau Iris Bechtold

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12414 Berlin

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