Ehrengrabstätten in Treptow-Köpenick

Friedhof Oberschöneweide_Gedenkstätte Walter Rathenau
Bild: BA Treptow-Köpenick

Gedenken an interessante Persönlichkeiten

Mit 13 Ehrengräbern an zehn Standorten ist der Bezirk Treptow-Köpenick zwar nicht an der Spitze in Berlin, dennoch sind die auf diese Art gewürdigten Persönlichkeiten interessant und vielfältig. Des Weiteren gibt es noch zahlreiche weitere interessante Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, die hier in Treptow-Köpenick bestattet sind.

Ehrengrab Walther Rathenau
Bezirksbürgermeister Oliver Igel bei der Einweihung des denkmalgerecht sanierten Ehrengrabes
Bild: BA Treptow-Köpenick

Bekanntestes Ehrengrab ist sicher die Familiengruft der Rathenaus auf dem Waldfriedhof Oberschöneweide. Hier liegen der AEG-Begründer Emil Rathenau (1838-1915), seine Ehefrau Mathilde (1845-1926) und ihre Söhne Erich (1871-1903) und Walther (1867-1922) begraben. Anlässlich des 90. Todestags des früheren Reichsaußenministers Walther Rathenau, der von rechtsextremistischen Gegnern der Weimarer Republik ermordet wurde, konnte im Beisein von Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Juni 2012 das denkmalgerecht sanierte Erbbegräbnis eingeweiht werden.

Ehrengrab Carl Deul
Ehrengrab von Carl Deul
Bild: BA Treptow-Köpenick

Unweit der Rathenau-Grabstätte befindet sich das Ehrengrab von Carl Deul (1855-1904), der als städtebaulicher Begründer Oberschöneweides gilt. Seit 1898 war Deul dort der erste Gemeindevorsteher.

Auf dem Friedhof in Baumschulenweg befinden sich drei Ehrengräber. Nebeneinander liegen Franz Künstler (1888-1942) und Alfred Grotjahn (1869-1931). Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Künstler war Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Der Mediziner Grotjahn gilt als Begründer der Sozialhygiene. Er war Mitglied der SPD und dort vor allem gesundheitspolitisch engagiert. Ein Stück entfernt von beiden befindet sich das Ehrengrab von Georg Pniower (1896-1960). Der Gärtner und Landschaftsplaner gilt als wichtigster Gartenarchitekt der DDR.

Ehrengrab_Liselotte Welskopf
Ehrengrab von Liselotte Welskopf
Bild: BA Treptow-Köpenick

Der Waldfriedhof Adlershof ist Heimstätte für die Ehrengräber von Liselotte Welskopf-Henrich (1901-1979) und Wolfgang Heinz (1900-1984). Die Schauspielerin und Historikerin Welskopf-Henrich wurde vor allem mit ihren Büchern über das Leben der Indianer bekannt. Der Schauspieler und Regisseur Heinz war in der DDR u.a. Präsident der Deutschen Akademie der Künste.

Georg Langerhans (1870-1918) ist auf dem Evangelischen St. Laurentius-Friedhof begraben. Der langjährige Köpenicker Bürgermeister wurde dadurch weltbekannt, dass er 1906 durch den falschen Hauptmann Wilhelm Voigt verhaftet und seine Stadtkasse beschlagnahmt wurde.

Ehrengrab_Fritz Kühn
Ehrengrab Fritz Kühn
Bild: BA Treptow-Köpenick

Auf dem Waldfriedhof Grünau befindet sich das Ehrengrab von Fritz Kühn (1910-1967).
Der Kunstschmied, Fotograf, Bildhauer und Schriftsteller Kühn erreichte als Künstler internationale Anerkennung. Sein Atelier in Bohnsdorf wird von Sohn Achim Kühn fortgeführt.

Johannes Bobrowski (1917-1965) ist (auf) auf dem Christophorus-Friedhof in Friedrichshagen beigesetzt. Der Schriftsteller und Lektor war ein bekannter Erzähler, Lyriker und Nachdichter. Nach ihm wurde die Bibliothek in Friedrichshagen benannt.

Ehrengrab_Walter Gramatte
Ehrengrab Walter Gramatté
Bild: BA Treptow-Köpenick

Auf dem Friedhof in Wilhelmshagen befinden sich in einer Grabstelle die Ehrengräber des „Expressionismus“-Malers Walter Gramatté (1897-1929), der Musikerin, Pianistin und Komponistin Sonja Eckhardt-Gramatté (1902-1974) sowie des Kunstkritikers und Kunsthistorikers Ferdinand Eckhardt (1902-1995).

Erläuterungstafeln bei den Ehrengräbern sollen künftig auf die Bedeutung der jeweiligen Persönlichkeiten ausführlicher hinweisen.

Stefan Förster

Bestattete Personen der Zeitgeschichte

Friedhof Adlershof

  • Michael Brückner (1939-1998) – Bürgermeister von Treptow nach der Wiedervereinigung
  • Max Goosmann (1899-1971) – Pfarrer, Mitglied der “Bekennenden Kirche”, war nach 1933 im kirchlichen Widerstand gegen das NS-Regime engagiert
  • Richard Hansen (1854-1916) – Direktor der Fabrik “Gebrüder Avenarius”, Fabrik für Holzschutzmittel, Erster Vorsitzender des Kreiskriegerverbandes Teltow und Vorsitzender der Ortskrankenkasse Adlershof.
  • Prof. Wolfgang Heinz (1900-1984) – Zeitweise Leiter der Schauspielschule Berlin, Präsident des Verbandes der Theaterschaffenden der DDREhrengrab
  • Prof. Liselotte Welskopf-Henrich (1901-1979) – Althistorikerin und Schriftstellerin (u. a. “Die Söhne der großen Bärin”), war aktiv im Antifaschistischen Widerstand, ab 1960 Professorin für alte Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, Ehrengrab

Friedhof Baumschulenweg

  • Alfred Grotjahn (1869-1931) – Arzt, Begründer der Sozialhygiene – Ehrengrab
  • Franz Künstler (1888-1942) – Vorsitzender des SPD Bezirkes Groß Berlin, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, verstarb an den Folgen der Haft – Ehrengrab
  • Erich Lodemann (1909-1944) – Kaufmännischer Angestellter, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.
  • Prof. Dr. Georg Pniower (1896-1960) – Garten- und Landschaftsgestalter – Ehrengrab
  • Paul von Essen (1886-1933) – Schlosser, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, von der SA ermordet.
  • Chris Gueffroy (1968-1989) – einer der letzten Toten an der Berliner Mauer

Friedhof Bohnsdorf

  • Wilhelm Kiekebusch (1846-1913) – Gutsbesitzer
  • Franz Noack (1869-1937) – Baumeister (u. a. Feierhalle des Friedhofs)

Friedhof Grünau

  • Friedrich Dickel (1913-1993) – Innenminister der DDR (1963-1989)
  • Karl Grünberg (1891-1972) – Schriftsteller (u.a. “Brennende Ruhr”, 1928)
  • Dr. Hans-Joachim Hoffmann (1929-1994) – Kulturminister der DDR (1973-1989)
  • Wolfgang Junker (1929-1990) – Bauminister der DDR (1963-1989)
  • Fritz Kühn (1910-1967) – Metallbildhauer (u.a. Brunnen am Strausberger Platz) – Ehrengrab
  • Max Kreuziger (1880-1953) – Schulreformer
  • Horst Kunze (1909-2000) – Bibliothekswissenschaftler, Generaldirektor der Staatsbibliothek Unter den Linden (1950-1976)
  • Dr. Helmuth Lichey (1910-1991) – Stadtgartendirektor (Gestaltung u.a. Schlossinsel Köpenick, FEZ Wuhlheide, Treptower Park, Tierpark)
  • Fritz Ohse (1892-1978) – Maler
  • Adolf Otto (Daten unbekannt) – Generalsekretär der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft

Friedhof Müggelheim

  • Michel Erhard (1899-1967) – Komponist, Pseudonym Hans Rainbach
  • Hans Schwalm (1906-1969) – Schriftsteller, Pseudonym Jan Petersen (u. a. “Unsere Straße”)

Friedhof Oberschöneweide

  • Carl Deul (1855-1904) – Königlicher Baumeister, Bürgermeister von Oberschöneweide – Ehrengrab
  • Albert Eveking (1872-1937) – Architekt
  • Otto Engel (unbekannt-1905) – Inhaber der Lampenfabrik Frister
  • Herbert Fechner (1913-1998) – Köpenicker Bürgermeister (1961-1967), Oberbürgermeister von Berlin/Ost (1967-1974)
  • Fritz König (1849-1928) – Kommunalpolitiker, Oberschöneweider Fleischer
  • Walther Rathenau (1849-1922) – Industrieller, Politiker, Schriftsteller, Wiederaufbau- bzw. Außenminister (1921-1922), am 24. Juni 1922 durch Rechtsradikale ermordet – Ehrengrab
  • Hermann Temmler (1876-1929) – Pharmazie-Fabrikant, Kunstsammler
  • Heinz Werner (1921-1997) – Direktor der Berliner Stadtbibliothek (1952-1992)