Naturschutz findet nicht nur in ausgewiesenen Schutzgebieten statt. Auch die tägliche Pflege und Entwicklung öffentlicher Grünflächen, Friedhöfe und Bäume bietet zahlreiche Möglichkeiten, Lebensräume zu erhalten, Arten zu fördern und die biologische Vielfalt im Bezirk zu stärken. Mit einem internen Biodiversitätswettbewerb hat das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) Treptow-Köpenick in diesem Jahr besonderes Engagement seiner Mitarbeitenden ausgezeichnet.
Gesucht wurden Projekte und Maßnahmen, die über die normale Pflege hinausgehen, Lebensräume schaffen, geschützte Arten stärken oder Tiere und für sie wichtige Pflanzen fördern. Eine Jury prämierte drei Beiträge, die auf unterschiedliche Weise zeigen, wie der Naturschutz in den Arbeitsalltag des SGA integriert ist und damit konkret im Bezirk umgesetzt wird.
Bezirksstadträtin Dr. Claudia Leistner: „Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, dass Naturschutz ganz konkret vor unserer Haustür stattfindet. Ob durch eine andere Art der Grünflächenpflege, die Schaffung kleiner Lebensräume oder die Vermittlung von Wissen über unsere Stadtbäume – überall dort, wo Mitarbeitende genau hinschauen und neue Wege gehen, entsteht ein Gewinn für die biologische Vielfalt. Dieses Engagement verdient Anerkennung und kann zugleich Vorbild für weitere Projekte im Bezirk sein.“
Eine Prämierung im Bereich naturnahe Pflege erhält das Mahdkonzept zur Förderung der Biodiversität im Treptower Park. Für die rund 88,2 Hektar große Parkanlage wurde von den Mitarbeitenden ein differenzierter Pflegeansatz entwickelt, der unterschiedliche Nutzungsintensitäten und ökologische Anforderungen berücksichtigt. Durch selektive Mahd und Blühinseln sowie Streifen- und Staffelmahd entstehen vielfältige Vegetationsstrukturen und dauerhaft Rückzugs-, Nahrungs- und Überwinterungsmöglichkeiten für Tiere. Gleichzeitig bleiben intensiv genutzte Bereiche als Kurzschnittrasen erhalten. Das Konzept zeigt beispielhaft, wie Naturschutz und Erholungsnutzung durch eine gezielte Pflege miteinander verbunden werden können.
Eine Prämierung im Bereich Artenschutz und Habitatentwicklung geht an den Bau eines Habitats für Blindschleichen auf dem Waldfriedhof Oberschöneweide. Aus vorhandenen Materialien wie Altholz, Laub, Steinen und Grünschnitt wurde hier ein neuer Lebensraum für die heimische Blindschleiche geschaffen und mittels kreativem Infoschild über die Maßnahme informiert. Gleichzeitig werden bislang wenig genutzte Flächen ökologisch aufgewertet. Das Projekt zeigt, wie mit einfachen Mitteln und der Wiederverwendung vorhandener Materialien wertvolle Strukturen für den Artenschutz geschaffen werden können.
Im Bereich Umweltbildung werden die Baumführungen der Baumkontrolle gewürdigt, die seit 2024 unter anderem im Treptower Park angeboten werden. Bürgerinnen und Bürger sowie Berufsschulklassen erhalten dabei Einblicke in die Arbeit der Baumkontrolle und erfahren mehr über die vielfältigen ökologischen Leistungen von Stadtbäumen – von der Klimaanpassung bis hin zu ihrer Bedeutung als Lebensraum für Tiere und Insekten. Die Führungen tragen dazu bei, Verständnis und Wertschätzung für Altbäume, Totholz und den städtischen Baumbestand zu fördern und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung.
Die drei ausgezeichneten Beiträge stehen für unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Wege des Naturschutzes: Pflege kann naturnäher gestaltet, Lebensräume können gezielt geschaffen und Wissen über den Wert urbaner Natur kann vermittelt werden. Damit machen die Projekte deutlich, welche wichtige Rolle die Mitarbeitenden des SGA für die biologische Vielfalt im Bezirk spielen.
Der Biodiversitätswettbewerb soll künftig alle drei Jahre stattfinden. Damit wird er an den Rhythmus der Neuzertifizierung des Labels „Stadtgrün naturnah“ des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“ gekoppelt. Auf diese Weise soll das Engagement für die biologische Vielfalt im SGA regelmäßig sichtbar gemacht, gewürdigt und weiterentwickelt werden.