Nach den großflächigen Stromausfällen in Berlin: Treptow-Köpenick stärkt den Bevölkerungsschutz mit „Mobile Helfer“
Bild: BA Treptow-Köpenick
Pressemitteilung vom 11.05.2026
Bezirk startet als erste Pilotregion in die praktische Erprobung eines bundesweiten Projekts zur strukturierten Einbindung ungebundener Helfender
Die großflächigen Stromausfälle im Berliner Südosten im September 2025 und im Südwesten Anfang Januar 2026 haben deutlich gemacht, wie verletzlich kritische Infrastrukturen sein können – und wie wichtig eine gut vorbereitete, koordinierte Unterstützung der Bevölkerung im Krisenfall ist.
Treptow-Köpenick kennt die Anforderungen, die mit dem Ausfall kritischer Infrastruktur verbunden sein können. Der Bezirk setzt deshalb frühzeitig auf vorausschauende Vorbereitung und erprobt als erste Pilotregion das Projekt „Mobile Helfer – die sinnvolle Ergänzung im Bevölkerungsschutz“. Ziel ist es, Menschen, die im Ereignisfall helfen möchten, nicht erst spontan im Krisenmoment zu erfassen, sondern bereits vorher niedrigschwellig zu informieren, zu qualifizieren und im Einsatzfall strukturiert einzubinden.
„Krisen zeigen uns immer wieder: Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist da. Entscheidend ist aber, dass diese Hilfe sicher, wirksam und gut koordiniert eingesetzt werden kann. Mit der Pilotierung von Mobile Helfer gehen wir in Treptow-Köpenick einen wichtigen Schritt, um unseren Bevölkerungsschutz zukunftsfähig weiterzuentwickeln“, sagt Bezirksbürgermeister Oliver Igel.
Treptow-Köpenick übernimmt Vorreiterrolle
Mit dem Kick-off-Workshop am 7. Mai startete die operative Zusammenarbeit zwischen dem Bezirk Treptow-Köpenick und dem Projekt Mobile Helfer. Bereits im April hatten Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick und Ralf Sick, Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe und Projektleiter Mobile Helfer, die Zusammenarbeit offiziell besiegelt. Der Bezirk bringt damit seine Erfahrungen aus der Gefahrenabwehr und dem Krisenmanagement in ein bundesweites Pilotvorhaben ein und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung moderner Strukturen im Bevölkerungsschutz.
Im Mittelpunkt der Pilotierung steht die Frage, wie ungebundene Helfende – also Menschen, die keiner Hilfsorganisation angehören, aber im Ereignisfall unterstützen möchten – vorbereitet, aktiviert und sinnvoll in bestehende Einsatzstrukturen eingebunden werden können. Dabei geht es nicht um Ersatz für professionelle Einsatzkräfte, sondern um eine strukturierte Ergänzung, die Behörden, Organisationen und Einsatzleitungen entlasten kann.
„Treptow-Köpenick zeigt mit dieser Pilotierung, dass moderner Bevölkerungsschutz nicht erst beginnt, wenn eine Krise eingetreten ist. Vorbereitung, Qualifizierung und klare Strukturen sind entscheidend, damit aus spontaner Hilfsbereitschaft verlässliche Unterstützung wird“, erklärt Ralf Sick.
Hilfe braucht Vorbereitung
Die Stromausfälle in Berlin haben gezeigt, wie schnell eine Lage auch im urbanen Raum komplex werden kann. Neben privaten Haushalten waren auch Einrichtungen der kritischen Versorgung betroffen; unter anderem Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen sowie Flüchtlingsunterkünfte.
Solche Ereignisse machen deutlich, dass Bevölkerungsschutz nicht allein auf die akute Gefahrenabwehr reduziert werden kann. Notwendig sind Systeme, die bereits vor einer Krise ansetzen: bei Information, Sensibilisierung, Qualifizierung, Koordination und der Frage, wie Bürgerinnen und Bürger sicher helfen können, ohne Einsatzstrukturen zusätzlich zu belasten.
Genau hier setzt Mobile Helfer an. Das Projekt verbindet digitale Werkzeuge mit fachlicher Vorbereitung und kommunaler Einsatzlogik. In der Pilotierung in Treptow-Köpenick werden die einzelnen Systembausteine praxisnah getestet, weiterentwickelt und auf ihre Einsatzfähigkeit im Zusammenspiel mit bestehenden Strukturen geprüft.
„Mobile Helfer” versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zur bereits im Land Berlin genutzten technischen Lösung „KatHelfer“, sondern als fachliche und organisatorische Ergänzung dazu. Der Mehrwert liegt im ganzheitlichen Ansatz: Neben der Registrierung bietet das Projekt aktives Ehrenamtsmanagement, digitale Lernplattformen sowie Qualifizierungs- und Betreuungsstrukturen an. So werden Helfende nicht nur erreicht, sondern aktiv vorbereitet und begleitet.
Bundesweites Projekt mit lokaler Praxiserprobung
Mobile Helfer ist ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) und wird durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gefördert. Die Pilotierung in Treptow-Köpenick bildet den operativen Auftakt für weitere Erprobungen in Deutschland. Ziel ist ein praxistaugliches Gesamtsystem, das Kommunen, Bezirke und Hilfsorganisationen dabei unterstützt, ungebundene Helfende rechtssicher, vorbereitet und wirksam einzubinden.
In den kommenden Monaten werden die Projektbeteiligten gemeinsam mit dem Bezirk Treptow-Köpenick konkrete Abläufe, Kommunikationswege, Qualifizierungsbausteine und Einsatzszenarien erproben. Die Erfahrungen aus der Pilotregion fließen anschließend in die Weiterentwicklung des Systems ein.
„Wir freuen uns sehr, mit Treptow-Köpenick eine Pilotregion gewonnen zu haben, die die Bedeutung des Themas erkannt hat und bereit ist, die praktische Erprobung aktiv mitzugestalten. Genau solche kommunalen Erfahrungen brauchen wir, um Mobile Helfer realitätsnah weiterzuentwickeln“, so Ariane Kromat, Projektsteuerung im Projekt Mobile Helfer.
Über Mobile Helfer
Mobile Helfer – die sinnvolle Ergänzung im Bevölkerungsschutz ist ein bundesweites Projekt zur strukturierten Einbindung ungebundener Helfender in Bevölkerungsschutzlagen. Das Vorhaben wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe getragen und vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gefördert.
Mobile Helfer verbindet eine App-basierte Registrierung und Kommunikation mit einem aktiven Ehrenamtsmanagement-Portal, einer digitalen Lernplattform und unterstützenden Strukturen für Qualifizierung, Einsatzkoordination, Betreuung und Nachsorge. Ziel ist es, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung niedrigschwellig aufzunehmen und so vorzubereiten, dass sie im Ereignisfall sicher, wirksam und koordiniert eingesetzt werden kann.
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