Zehn Schafe für Baumschulenweg, sechs Schafe für Oberschöneweide und weitere sechs Schafe für Adlershof: Seit 30. Oktober 2025 sind in diesen Ortsteilen die bezirklichen Friedhöfe mit wolligen Rasenmähern ausgestattet. Drei kleine Herden mit Rauhwolligen Pommerschen Landschafen sollen in den nächsten Wochen die ausgewählten Flächen mit hoch gewachsenem Wildkraut freifressen. Für Bestattungen werden die Bereiche nicht verwendet. Mit dem Einsatz der tierischen Rasenmäher etabliert das Straßen- und Grünflächenamt Treptow-Köpenick eine vielfältige und ökologische Nutzung für diese sogenannten „Friedhofsüberhangflächen“ und wertet dabei diese besonderen Orte für Besucherinnen und Besucher auf.
Agrarwissenschaftlerin Hannah Becker wird täglich auf den Friedhöfen vorbeischauen, um die Tiere mit Wasser zu versorgen und ihren Gesundheitszustand zu kontrollieren. Sie ist bei dem landwirtschaftlichen Betrieb, den das Bezirksamt beauftragt hat, für Beweidung zuständig. „Ich habe ein großes Interesse daran, Biodiversität zu entwickeln und zu bewahren. Die Beweidung in ihren unterschiedlichsten Formen ist dafür ein tolles Instrument. und das macht einfach wahnsinnig viel Spaß“, sagt Becker. Schafe fressen den Bewuchs mosaikartig, langsam und leise ab. Tiere, die in der Wiese ihren Lebensraum haben, werden so – im Gegensatz zum maschinellen Rasenmähen – kaum gestört oder gefährdet. Das kommt unter anderem Grashüpfern, Bienen, Schnecken, Blindschleichen oder auch Brandmäusen zugute. Von einer höhengestaffelten Wiese profitieren auch verschiedene Vogelarten, allen voran das Rotkehlchen oder der Steinkauz. Für die Pflanzenwelt ist die Beweidung ebenfalls von Vorteil: Pflanzen, die den Weidetieren nicht schmecken, werden „freigefressen“, niedrigwachsende Arten bekommen mehr Licht. Samen bleiben im Fell der Schafe hängen und können sich so verbreiten.
Im November 2022 hatte das Straßen- und Grünflächenamt die Beweidung als naturnahe Pflegemaßnahme (Naturnahe Pflege) auf Friedhöfen zunächst auf dem Friedhof Baumschulenweg getestet. Die Friedhofsbesucherinnen und –besucher und die Nutzungsberechtigten der Grabstellen hatten das Pilotprojekt so gut angenommen, dass dank der Fördermittel für „Maßnahmen zur Förderung des Naturschutzes und der Erholungsnutzung auf Friedhöfen“ des Senats im Herbst 2023 und 2024 wieder Schafe auf den Friedhöfen eingesetzt werden konnten.
Da diese Mittel im Haushaltsjahr 2025 gestrichen worden waren, war zunächst unklar, ob das Projekt fortgeführt werden kann. Möglich wird dies nun durch Mittel aus dem Programm „Umsetzung der Berliner Strategie zur biologischen Vielfalt 2030+“ der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klima und Umweltschutz.
Nach ihrem „Mäh-Einsatz“ verbringen die Schafe den Winter in ihrem festen Wohnsitz in der Döberitzer Heide. Damit Mensch und Tier bis dahin gut miteinander auskommen, bittet das Straßen- und Grünflächenamt darum, dringend zu beachten:
- Schafe nicht füttern
- Hunde anleinen und vom Zaun fernhalten
- Elektrozaun nicht anfassen
Dr. Claudia Leistner, Bezirksstadträtin und Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung, Straßen, Grünflächen und Umwelt: „Die Schafe bereichern unsere Friedhöfe jedes Jahr aufs Neue. Hier werden Naturschutz und Trauerarbeit zusammengebracht. Ich freue mich, dass diese besondere Form der naturnahen Pflege bereits im vierten Jahr fortgeführt werden kann und dafür Mittel aus dem Programm „Strategie zur biologischen Vielfalt“ der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klima und Umweltschutz bereitstehen. Das ist vor allem dem großen Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen zu verdanken, die Ihre Arbeit mit viel Herzblut leisten und sich dafür eingesetzt haben, dass auch in diesem Jahr unsere natürlichen Rasenmäher auf den Friedhöfen grasen können.“